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Nach Monaten der Erwartung und Vorfreude geht es heute endlich los an Bord zu unserer 3. Kreuzfahrt. Unter dem Motto "MITTSOMMER IN ISLAND, SPITZBERGEN UND NORWEGEN" geht es in arktische Regionen. Unser "Zug zum Schiff" ist bis kurz vor Bremen HBF pünktlich, und wir wähnen uns schon fast an Deck. Doch dann, durch einen weiteren Leistungsbeweis der Deutschen Bahn, nämlich 20 Minuten Stillstand auf offener Strecke, verpassen wir den Anschlusszug in Bremen nach Bremerhaven. Man soll halt in die Reiseplanung die "Fähigkeiten" der Deutschen Bahn direkt mit einbeziehen. Wir haben die Unfähigkeit der Bahn mit eingeplant, und so sitzen wir schließlich noch halbwegs pünktlich im Bustransfer vom Bahnhof Bremerhaven zum Kreuzfahrt-Terminal. Unser Busfahrer ist eine Labertasche und macht aus der 15 minütigen Fahrt eine Stadtrundfahrt. Vielen Dank für die Erklärungen und Anekdoten! Wir wissen zum Beispiel jetzt, wo die grünen Übersee-Bananen krumm geschlagen und gelb lackiert werden.
Flinke, schlanke, an den Flügelunterseiten grau gesprenkelte Flugkünstler umkreisen das Schiff. Unzählbare Möwen begleiten im Tiefflug unseren ersten Seetag auf der Nordsee. Bohrinseln weisen uns den Weg gen Norden. Nach einem "Early-Bird-Frühstück" an Deck und dem zweiten, aus Hering und Schokocroissants zusammengesetzten späteren Frühstück erwartet uns die Nordsee mit der ganzen wunderbaren Farbpalette eines "richtigen" Ozeans. Die Sonne zaubert Farbinseln auf das royalblaue Wasser und läßt den Eindruck entstehen, wir befinden uns im karibischen Meer. Eine s-s-steife Brise, die einem an der Reling den Atem raubt, rückt das Trugbild wieder ins rechte Licht – wir sind auf dem Weg in die Packeiszonen unseres Planeten. Lesend, schauend und staunend verbringen wir den Tag an Bord.
Im Land der Kilts fällt der Hosenträger ins Auge. Nicht so bei unserem Ausflug nach Kirkwall (Orkney Inseln). Die Orkneys sind ein aus etwa 70 kleinen Inseln und der Hauptinsel Mainland bestehender Archipel. Kirkwall ist der Hauptort der Insel Mainland und liegt auf einer Landenge zwischen Ost- und West-Mainland. 600 Passagiere ergießen sich innerhalb kürzester Zeit ins Inselleben und verändern das Landschaftsbild.
Ein reichhaltiges Frühstück sorgt schon morgens für einen hohen Kalorienpegel. Dieser Seetag ist geprägt von Sonne und Erholung, sprich: eingewickelt in Decken, Abhängen in den gemütlichen Liegen. Zur Mittagszeit lädt uns Käpt’n Blaubär auf ein Frei-Bier und eine oder zwei Frei-Frikadellen ein. Kurz vor dem Mittagessen eine äußerst wichtige Maßnahme zur Erhaltung des Kalorien-Levels.
Gegen 8:00 laufen wir in den Hafen von Reykjavik ein, um 8:45 wird das Schiff von den Behörden freigegeben. Der Landgang mit Tagesausflug folgt unmittelbar. Die Organisation aller Ausflüge ist hervorragend geplant; es entstehen kaum nennenswerte Wartezeiten. Wir fahren von Reykjavik, teilweise durch Lavafelder, nach Hveragerdi. In den Treibhäusern, die durch die vielen heißen Quellen beheizt werden, wachsen Weintrauben, Bananen und andere exotische Blumen – eine Kuriosität für diese Breitengrade.
Die schneebedeckten Berge der Nordküste Islands begrüßen mit uns an Deck den Morgen. Auf dem Weg von Reykjavik nach Akureyri (insg. 352 Seemeilen) befinden wir uns an diesem Morgen auf 66° 33’ 320’’ Nord. Nun geht es aber (vorerst) nicht weiter nördlich, sondern die Delphin Voyager dreht ab Richtung Osten, und wir schippern die Nordküste Islands entlang. Damit bleibt mir und anderen die Polartaufe vorerst erspart, denn der Polarkreis ist noch einige Bogensekunden weiter nördlich bei 66° 34’.
"…geht hin und tuet Buße". So heißt es bereits in der Bibel (glaube ich). Nun, wir gehen zwar nicht hin, büßen aber trotzdem an diesem heutigen Tage für die gestrige lange Nacht mit kurzem Schlaf.
Die Delphin-Bar ist mit stilvollen Gemälden ausgestattet. Die Sofas wirken im Gegensatz zu den gemütlichen Ledersesseln längst nicht mehr wie neu, verbreiten aber ein heimeliges Ambiente. Dichter Nebel an einem See-Tag bringt einen dazu, sich das "Heim auf Zeit" mal näher anzusehen.
Der erste "arktische" Ausflug erwartet uns in Ny Ålesund. Ny Ålesund ist eine der nördlichsten Siedlungen der Welt im norwegischen Verwaltungsbezirk Svålbård. Hier leben zwischen rund 30 Personen im Winter und etwa 120 Personen im Sommer. Früher Kohlebergwerk, ist die Siedlung heute hauptsächlich Polarforschungsstation. Da es keine ausgebauten Wege zwischen den Orten auf Spitzbergen gibt, erfolgt die Versorgung entweder über den Luftweg oder, in der eisfreien Zeit, per Schiff. Von Longyearbyen aus ist der Ort auch per Schneemobil zu erreichen. Ny Ålesund besitzt das nördlichste Postamt der Welt. Überhaupt ist auf diesen Längengeraden garantiert gerade irgendetwas 'am nördlichsten'...
Wir haben die Packeisgrenze erreicht. Leider früher, als uns lieb ist, denn eine Weiterfahrt bleibt uns nun versperrt. Dadurch verpassen wir sowohl die Moffen-Insel als auch die Passagen Wood-, Liefde- und Smeerenburgfjord, die eigentlich an diesem Vormittag auf dem Programm gestanden hätten.
Ankunft der Delphin Voyager in Longyearbyen. Longyearbyen ist der größte Ort und das Verwaltungszentrum Svålbårds. Die Stadt wurde 1906 von dem US-amerikanischen Unternehmer John Munroe Longyear als Bergarbeiterstadt gegründet. 1943 wurde der Ort von der deutschen Wehrmacht zerstört und nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Heute ist nur noch eine einzige Zeche in der Nähe der Stadt in Betrieb, die hauptsächlich der Versorgung des eigenen Kraftwerkes mit Steinkohle dient. Longyearbyen lebt vor allem vom Tourismus und der Forschung. Unter anderem befinden sich dort eine Außenstelle des norwegischen Polarinstitutes (NPI) und UNIS, ein Projekt norwegischer Universitäten, sowie das Svålbård Global Seed Vault.| Frische Früchte | 8,5 t |
| Frischgemüse | 9,2 t |
| Fleisch | 2,9 t |
| Fisch | 1,6 t |
| Eier | 21.400 Stk |
| Milch | 3.420 l |
| Wasser | 11.200 l |
| Fassbier | 3.300 l |
| Wein & Sekt | 5.000 l |
Ein halber Seetag liegt vor uns, bis wir um ca. 17:30 das Nordkap in Sicht bekommen. Morgens unternehmen wir zur Abwechslung eine "Wanderung". Eine halbe Stunde immer wieder den lächerlich kurzen Jogging-Pfad entlang. Bis zum Drehwurm. Nach der Hälfte der Zeit anders herum, damit es nicht langweilig wird.
Hallelujah! Endlich wieder in den Fitnessraum! Dank der gestrigen zahnärztlichen Versorgung kann ich endlich wieder trainieren und den Kalorien davonrennen, zum ersten Mal seit 4 Tagen. Obwohl … eine wirkliche Chance hat man nicht an Bord. Hier lauern die "Fettnäpfe" überall und ständig.
Ein weiterer Tag auf See. Der kalte Hauch des Urlaubs-Endes bläst uns zum ersten Mal in den Nacken. Die Ausgabe der Kofferanhänger für die Ausschiffung und den weiteren Transport erfolgt. Die Anhänger haben verschiedene Farben; es gibt ungefähr 150 Farben für die unterschiedlichsten Abreise-Optionen. Na gut. Kofferanhänger in den Safe und weiter den Urlaub genießen.| 07:00 | Wecker klingelt. |
| 07:00 – 08:00 | Zähneputzen, Duschen, Anziehen, ab aufs Deck: 1 Kaffee und Wetter gucken. (Man bedenke: in der Enge der Kabine sowie mangels Ablageflächen benötigen alltägliche Dinge wie die Morgenroutine eine perfekte Ablauf-Logistik, damit 2 Personen um 8 Uhr fertig sind). |
| 08:00 – 08:30 | Frühstück im Restaurant. |
| 08:30 – 10:00 | aufs Sonnendeck, windgeschützten Platz suchen, Decken aus Kabine holen, Leute & Landschaft gucken, lesen bzw. Reisetagebuch schreiben. |
| 10:00 – 11:00 | Umziehen, aufs Laufband (30 min), duschen, umziehen. Wahlweise an Deck bleiben und lesen. |
| 11:00 – 12:00 | Bayrischen Frühschoppen an Bord gucken. 2 Brötchen mit Leberkäse abgreifen. Sich vor Polonaise drücken. |
| 12:00 – 13:00 | Kleines Nickerchen an Deck. Wahlweise in der Kabine. |
| 13:00 – 14:00 | Kaffee am Pool-Deck. Wahlweise kleines Dessert dazu. |
| 14:00 – 15:00 | Lesen. Wahlweise durchs Schiff pilgern und lohnenswerte Fotomotive suchen. |
| 15:00 – 16:00 | Film über bisherige Reise gucken. Sich einig sein, dass der Preis dafür viel zu hoch ist. |
| 16:00 – 16:30 | Strudel-Buffet stürmen. Sich den Teller mit ca. 11.500 kcal volladen lassen. Anschließend überlegen, ob man zweites Mal zum Buffet geht. |
| 16:30 – 17:30 | Lesen, Leute (Landschaft) gucken. Die Bibliothek abgrasen nach einem weiteren lesbaren Buch. |
| 17:30 – 18:30 | Duschen, Haarefönen, schminken, anziehen. Wahlweise Videotext gucken & dabei anziehen. |
| 18:30 – 19:00 | Aperitif. |
| 19:00 – 20:30 | Diner. |
| 20:30 – 21:00 | Digestif. |
| 21:00 - ? | Endlich Freizeit. Bis zum "Licht-aus" in der Kabine. |
An diesem strahlenden Sommertag tauchen wir tief ein in die Fjordwelt Norwegens. Ziel ist der Geiranger Fjord. Bei Einfahrt gegen 7 Uhr morgens zeigt das Thermometer bereits 15° an. Zu beiden Seiten ragen bewaldete Berge aus den Fjordgewässern bis in den azurblauen Himmel hinauf. Immer wieder wird das flaschengrüne Fjordwasser von weiß bis silbern schimmernden Wasserfällen und –fällchen gespeist. Ganz klein kommen wir uns auf unserem Schiff vor.
Bergen. Die eigenwillige Perle Norwegens. Mit ca. 250 Regentagen im Jahr die niederschlagreichste Stadt Europas. Aber das stört uns nicht. Wir bringen ja die Sonne mit. Die Schleichfahrt durch die Schären eröffnet unbeschreiblich schöne Ausblicke und Eindrücke. Kleine Eilande, rund wie Pfannkuchen und zum Teil kaum größer als solche, aber fast alle mit mindestens einer Ferienhütte bewachsen, gleiten manchmal in kaum 10 Meter Entfernung am Rumpf der Delphin Voyager vorbei. Ich kann mir gut die eine oder andere Schweißperle auf der Stirn unseres Kapitäns vorstellen. Aber der Lotse geleitet uns sicher durch die Untiefen in den Hafen.
Der letzte Tag dieser Kreuzfahrt, ein Seetag. Der heutige Höhepunkt des Tages lautet: Besichtigung der Brücke. Gestern Abend war uns diese Einladung noch in die Kabine geflattert. Nach einem (fast) ausgiebigen Frühstück folgen wir also diesem Ruf und schauen dem Käpt’n mal auf die Finger.



