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Kaltern, Süd-Tirol (Juni 2015)

 

Zum zweiten Mal nach 2012 hieß unser diesjähriges Sommerziel Süd-Tirol. Warum gerade hierher?
Süd-Tirol bietet uns vieles, was das Herz begehrt: liebliche Landschaften, Berge mit herrlichen Wanderwegen, deftige Speisen, süffiger Wein, "echtes" Sommer-Wetter. Und das alles zu erreichen, ohne in den Flieger steigen zu müssen.
Kaltern am See erschien uns daher gerade recht. Zwei Wochen muss es sich doch hier aushalten lassen, oder? Auf dem Hinweg machten wir zwei Tage Pause in Füssen, um uns die Königsschlösser anzuschauen. Und den Rückweg unterbrachen wir für zwei Tage Rast in München. Schau mal, hier kommen paar Eindrücke und Fotos von Kaltern, aber auch von Füssen und München:
   

 

 

A) Füssen - auf dem Hinweg nach Süd-Tirol

Füssen. Stadt der Königsschlösser. Zweitgrößte Stadt im Ost-Allgäu und (hinter Düsseldorf) zweitgrößte japanische Dependance in Europa. Warum? Weil alle Japaner, die auf Europa-Tournee sind („Europa in 4 Tagen – wir machen’s möglich“), hier durchlaufen und alle Schlösser überfluten.
Wir haben uns zwei Tage lang hier umgeschaut und fast alles gesehen, was es hier zu sehen gibt (außer Schloss Hohenschwangau). Man muß schon sagen, der "Kinni" (König Ludwig II, Erbauer von Neuschwanstein) muß ganz schön einen an der Klatsche gehabt haben, als er dieses Märchenschloss erbauen ließ. Andererseits wäre Füssen um einen mächtigen Wirtschaftsfaktor ärmer, hätte er sich nur ein Reihenmittelhaus gebaut. Gefühlte 10 Milliarden Besucher (davon 11 Milliarden Japaner) schauen sich das Schloss alljährlich an. Da bleibt für eine intensive Besichtigung gar keine Zeit. Alle 5 Minuten wird eine neue Gruppe durch die Räumlichkeiten geschleust. Da bleibt die eine oder andere Erklärung auf der Strecke und Zusatzfragen sind unter Todesstrafe verboten.
Aber ich muß schon sagen – man muß es mal gesehen haben, um einen Eindruck davon zu bekommen, wes Geistes Kind der liebe Kinni seinerzeit war. Und die Gegend hier, die Landschaft, ist natürlich wunderbar. Der Blick auf das Allgäu mit seinen Seen und Wiesen, im Hintergrund die Berge – da muß man schon eine Menge Drogen nehmen, um das Gleiche im Ruhrgebiet zu erleben…
Das Hotel Weinbauer bot uns ein schönes großes und sauberes Zimmer mit Blick auf Neuschwanstein. Und das zu einem keineswegs überteuerten Preis. Allerdings würden wir kein zweites Mal im dortigen Hotel - Restaurant essen gehen. Die Speisen waren ...hm... sehr ...hm... freundlich. Der Fairness gegenüber sollte man hier sagen, dass das Hotel sich auch vom Restaurant gleich beim Einchecken distanziert hat (hier gibt es offensichtlich zwei verschiedene Betreiber).
Das Wandern hier klappte gut – viel Wald und viel See in der Umgebung versprechen abwechslungsreiche Touren. Wir haben in der Kürze der Zeit nur eine Tour gemacht und waren vom Alp- und Schwansee recht angetan.

 

 

B) Kaltern - das Dorf

Für 14 Tage im Juni 2015 war Kaltern am See unsere Heimat auf Zeit. Verschiedene “Stadt”-Teile streuen sich mehr oder weniger um das Zentrum Kalterns mit dem Marktplatz und der großen Kirche, deren Pfarrer wirklich in die Glocken verliebt war – sie erklangen zu jeder Gelegenheit und zusätzlich noch zu jeder Viertelstunde. Der Ortsteil Mitterdorf hat außer einem kleinen REWE-Laden so gut wie nichts zu bieten. St. Anton beherbergt immerhin die Talstation der Mendelbahn. Unter- und Oberplanitzing haben wir quasi im “Vorbeigehen“ kennengelernt – sie waren Durchgangsstationen unserer Wanderungen. In St. Joseph am See haben wir viele Eishörnchen vernascht. Nein, keine Eichhörnchen.
Das Dorf Kaltern an sich hat viele schöne Ecken, und abends am Marktplatz zu sitzen und einen Wein oder ein Eis zu genießen, bringt einem den Himmel ein Stück näher. Auch die „weiße Nacht“ war recht hübsch anzusehen. Oder ein Schoppen im Torggl-Keller, dazu die Hausplatte – einfach köstlich!
Wir haben uns gut erholt. Alleine, uns hat es vor drei Jahren in Dorftirol besser gefallen. Warum? Ist halt so. Und nicht andersrum. Der eine isst halt lieber Schokolade, der andere fährt lieber im Zug.
Einige der Fotos, die hier zu sehen sind, stammen übrigens aus Tramin, etwa 5 km entfernt gelegen. Tramin hat zwar nicht den gleichen schönen Stadtkern bzw. Marktplatz wie Kaltern, dafür aber die malerischeren Häuserzüge…

 

 

C) Kaltern - der See

Ist der Kalterer See kalt? Oder kalter als andere Seen in der Umgebung? Ach was, im Gegenteil, er ist mit bis zu 28° im Sommer mithin der wärmste Badesee weit und breit. Allerdings ist die Wasserqualität nicht berauschend. Viele, viele Wasservögel und die Verschilfung des Südufers sind hier nicht ganz unschuldig. Außerdem ist der Kalterer See der einzige See, den wir kennen, der einen Rundwanderweg hat, der nicht einen einzigen Meter am Ufer entlangführt. Traditionell sind die italienischen Gewässer-Ufer in Privathand und werden daher betriebswirtschaftlich genutzt. Das bedeutet, gegen Zahlemann und Söhne kann man sich schon an den Strand legen. Die übrige Klientel muß aber leider draußen bleiben…
Nicht weit entfernt von Kaltern gibt es zwei weitere Seen – den großen und den kleinen Montiggler See, von denen hier auch zwei, drei Fotos zu sehen sind. Einer der Seen beherbergt ein großes, ganz herrlich gelegenes Natur-Freibad, das freilich auch mit einem ausgedehnten Schwimmbecken aufwarten kann.
Die Umrundung beider Seen hat vielleicht 2 Stunden gedauert. Die Wanderung hierher ist wirklich empfehlenswert, hat man doch neben der Natur entlang der (Wald-) Wege ein echtes Ziel, an dem man zur Mittagsrast gut speisen kann. Ob üppig oder knapp, bleibt jedem selber überlassen. Die Jausenstationen hier machen alles möglich.

 

 

D) Die Berge

Eins kann man über Kaltern nicht sagen: dass hier die Heimat der Flachlandtiroler wäre. Es gibt nicht nur Berge ringsumher, wenn auch die wirklich hohen, schneebedeckten Alpengipfel nur in weiter Ferne zu sehen sind. Für jeden Weg hier muß man Höhenmeter fressen. Sei es nur der Weg vom Hotel zum Marktplatz. Oder vom Dorf zum See. Oder zum nächsten „Stadtteil“ Mitterdorf - überall kommen einem die Berge dazwischen. Das Ganze ist eine schweißtreibende Angelegenheit und sorgt dafür, dass die köstlichen Speisen nicht allzusehr ansetzen. Aber es führt auch dazu, dass man nicht „mal eben“ noch ein halbes Stündchen flanieren kann (wie es seinerzeit in Dorftirol möglich war). Puh. Aber vor die Erholung haben die Götter halt den Schweiß gesetzt…
Ansonsten kann man mit der Mendelbahn „auf die Mendel“ klimmen, wie der Tiroler sagt. Wenn man sich die Passstraße ersparen will. Die Wanderwege hier oben sind gut in Schuss und beschildert; die Sicht in die Täler wirklich schön. Aber nimm ein Jäckchen mit und zieh die warmen Schühchen an - hier oben ist es auch im Sommer ziemlich frisch.
Zur Leuchtenburg hingegen führt keine Seilbahn hoch. Ist aber auch nicht nötig. In knapp anderthalb Stunden hat man den Mitterberg bezwungen und die Burg(ruine) erkundet. Und es lohnt sich - die Fotoausbeute ist erstklassig!
Auch in der Rastenbachklamm hat unsere Kamera gequalmt. Motiv an Motiv wie Perlen an der Kette: die Wanderung durch diese wildromantische Schlucht bot hinter jeder Wegbiegung neue Eindrücke und Ausblicke und ist wirklich sehr zu empfehlen. Schwindelfrei braucht man übrigens hier trotz einiger steiler Treppen nicht zu sein. Der Weg ist allzeit gut gesichert.
Hier gibt es eine Übersichtskarte der Gebirgszüge von Kaltern und Umgebung (PDF-Datei, 8,4 MB, Din A3).

 

 

E) Kaltern - der ganze Rest

Unterkunft:
Die Panorama-Suite im Felderer Hof bot uns ein großes Zimmer mit einer ebenso großen Terrasse, die einen herrlichen Blick auf den See bot. Leider ist diese Terrasse jedoch auch windanfällig und überdacht, so dass man zu keiner Zeit die Sonne genießen konnte. Abends pfiff der Wind und ließ einen Aufenthalt nur bedingt zu. Bei 40° im Schatten ist so eine kostenlose Klima-Anlage sicherlich angenehm. Aber an diese Temperaturen kamen wir in diesem Urlaub nicht ran. Und auch sonst war das Boutique-Hotel zwar schön anzusehen und auch frisch renoviert, hatte aber leider zu viele Schattenseiten, als daß wir uns richtig wohlgefühlt hätten. Lassen wir die Einzelheiten weg. Begnügen wir uns mit der Aussage, dass ein günstigerer Urlaub mit dem gleichen Wohlfühl-Faktor diesmal durchaus möglich gewesen wäre. Hier kann man sich unsere Bewertung zu diesem Hotel durchlesen.
Genüssliches:
Kulinarisch gab es hier etwas Ungewöhnliches auf den Teller: die UFO Pizza. Sah wirklich aus wie ein UFO, schmeckte aber eindeutig besser und machte auch satter, haha. Außerdem aßen wir oft im Weißen Rössl, wo die Getränkepreise und das Nahrungsangebot stimmten. Und das Dessert holten wir uns regelmäßig in der besten Eisdiele Kalterns ab.

 

 

F) München - auf dem Rückweg nach Hause

München war DER Hit. Hier wurde uns die Rückreise mit erstklassigem Weißbier, deftiger Nahrung und der „Kammer des Grauens“ versüßt. Wer kennt das berühmte Spitzweg-Gemälde „Der arme Poet“? Jo, unser Zimmer im Hotel „Das Hotel“ war ungefähr ebenso groß und hatte die Dachschräge direkt überm Bett. Aua. Aber zur Ehrenrettung dieses Hotels sei gesagt: alles war sauber und gepflegt. Unser Standardzimmer war halt für Münchner Verhältnisse preislich durchaus im Rahmen. Und das Frühstück bot mehr Auswahl als das Boutique-Hotel in Kaltern…
Wir sahen die Nackten und die Surfer im Englischen Garten, genossen Weißbier und Haxn unterm Chinesischen Turm, und zählten die Gänse rund um den Kleinhesseloher See.
Wir erkundeten das Olympische Dorf, erwanderten uns den Luitpold Park und tapperten von der Münchner Freiheit bis zum Stachus. Wir shoppten in der Fußgängerpassage rund ums Neue Rathaus, sahen uns im Hofbräuhaus um und staunten über die Preise in der Maximilianstraße. Die Frauenkirche war leider eingerüstet, aber immerhin kamen wir hinein.
Auf dem Viktualienmarkt setzten wir uns an den Tisch eines alten Bayern, der uns viel über seine Stadt erzählte und darüber staunte, wie viele Dinge wir per pedes zu sehen bekamen. Im Gegenzug staunten wir über die Genuß- und Lebensmittel-Vielfalt an den Ständen ringsum.
13 Stunden auf Schusters Rappen quer durch München, und das bei Temperaturen jenseits der 30°! Was tut man nicht alles, um ein oder zwei Maß und eine Haxe „abzubauen“…
Aber es hat uns viel Spaß gemacht! Und in der Zukunft kann ein längerer Besuch in München nicht ausgeschlossen werden …

 

 

Wegstreckenstatistik

  Düs - Füs Füs - Kal Kal - Mün Mün - Düs
Strecke 634 km 253 km 296 km 621 km
Zeit 6 Stdn. 15 Min. 4 Stdn. 30 Min. 5 Stdn. 15 Min. 6 Stdn. 40 Min.
Anzahl Staus 0 0 1 0
Stau-Km 0 km 0 km 3 km 0 km
Ø Verbrauch 5,4 l / 100 km 4,8 l / 100 km 5,2 l / 100 km 5,3 l / 100 km
Ø Speed 106 km/h 87 km/h 61 km/h 109 km/h

 


 









 



Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am: 16.07.2015

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