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Hier folgt ein weiteres High Light der Wolf'schen Urlaubs-Welt. Im November/Dezember 2013 nahmen wir an der Karibik-Kreuzfahrt der "Mein Schiff II" teil. Obwohl wir 2006 schon einmal in der Karibik kreuzten, haben wir uns für diese Tour entschieden, weil wir von 10 Landgängen siebenmal Neuland betraten. Doch bitte - zu den Einzelheiten kommt es später. Der ausführliche Reisebericht sowie die dazu gehörigen Fotos sind weiter unten auf dieser Seite zu finden - bitte in der folgenden Übersichts-Tabelle auf ein Datum klicken - dann kommt man zum jeweiligen Reisebericht dieses Tages!

MS II im Hafen von WillemstaadCLICK BIG

 
Die 14 Tage dauernde Kreuzfahrt mit der MEIN SCHIF II hatte die folgende Reiseroute:

29.11.2013 Einschiffung in La Romana Abfahrt: 19:00 Uhr Anreise per Flug
30.11.2013 Schiffs-Tag La Romana - Oranjestad  
01.12.2013 Oranjestad / Aruba 07:00 Uhr - 22:00 Uhr Panoramafahrt
02.12.2013 Willemstad / Curacao 07:00 Uhr - 19:00 Uhr Landschaftsfahrt in den Westen
03.12.2013 Schiffs-Tag Willemstad - Castries  
04.12.2013 Castries / St. Lucia 07:00 Uhr - 19:00 Uhr Seilbahnfahrt durch den Regenwald
05.12.2013 St. George's / Grenada 07:00 Uhr - 19:00 Uhr Kajakfahrt entlang der Küste
06.12.2013 Bridgetown / Barbados 07:00 Uhr - 23:00 Uhr Strandtransfer
07.12.2013 Schiffs-Tag Bridgetown - Roseau  
08.12.2013 Roseau / Dominica 07:00 Uhr - 19:00 Uhr Wasserfälle & Naturlehrpfad im Regenwald
09.12.2013 St. John's / Antigua 07:00 Uhr - 19:00 Uhr Landschaftsfahrt & Strand
10.12.2013 Philipsburg / St. Maarten 07:00 Uhr - 19:00 Uhr Panoramafahrt St. Maarten
11.12.2013 Road Town / Tortola 07:00 Uhr - 19:00 Uhr Virgin Gorda & The Baths
12.12.2013 Schiffs-Tag Road Town - La Romana  
13.12.2013 Ausschiffung in La Romana Ankunft: 07:00 Uhr & Heimflug

 

Die Reiseroute im Bild:
 
Die Reiseroute im Bild

 

 

29.11.2013 – "Reisende soll man nicht aufhalten"
28° und Sonnenschein beim Auslaufen
Anreise per Flieger / Einschiffung in La Romana / Dom. Rep.
Kabine 9125 mitschiffs Um 04.45 Uhr morgens an diesem dunklen Novembermorgen scheuchen wir den Wecker ins Exil. Er hat für die nächsten 2 Wochen ausgedient! Um 06:00 bringt uns ein Taxi nach DUS International. Der Flughafen Düsseldorfs ist nur etwa sechs Kilometer entfernt. Dank des Web-Check-In ist der Check-in äußerst entspannt und wirklich in kurzer Zeit erledigt. Ein leckeres (und teures) Frühstück wird vernascht, bevor es um 08:40 in den Flieger geht.
Die eigentliche Anreise - der Flug von 8 Stunden und 45 Minuten - vergeht wie im Fluge. Mein erster Nichtraucher-Langstreckenflug ist geprägt von zwanglosem Filme-Gucken und Zerschmettern von Mahjongg-Steinen. Jeder Fluggast hat seinen eigenen kleinen Bildschirm vor sich und kann zwischen Filmen, Musik, Spielen und vielem mehr frei entscheiden.
Zehn Minuten nach der Landung sitzen wir bereits im Shuttle-Bus zum Schiff. Weitere 20 min später betreten wir nach rekordverdächtigen 7 min Schiffs-Check-in die Planken unseres Heims auf Zeit für die nächsten 2 Wochen. WoW. Es ist immer ein erhebendes Gefühl, das Schiff am ersten Tag einer Reise zu betreten. Man fühlt sich wie die Königin von England. Oder auch wie der König...
Ein erster Pirschgang über die Decks eröffnet uns ungefähres Wissen über die Lage der einzelnen Bars, Restaurants und sonstigen points of interest. Aber er erspart uns nicht den einen oder anderen späteren Irrgang übers Schiff. Ein Blick über die Reling verrät uns, daß die MS II in einem kleinen Hafen, eigentlich einer breiten Flußmündung, liegt. Es ist alles wie neu, irgendwie liegt etwas Geheimnisvolles in der Luft.
Das Abendprogramm lautet: obligatorisches Mitnehmen aller Gänge im Restaurant und obligatorische Seenot-Rettungsübung mit Jetlag-Augen, dafür aber ohne Schwimmwesten. Die Westen sind seit 2010 nicht mehr Pflicht. Die Jetlag-Augen sollten ebenfalls abgeschafft werden.
Kleine Anekdote am Rande: Roman, unser Tischkellner von 2009 auf der Delphin Voyager, ist auch hier wieder an Bord. Er arbeitet nun als Bar-Kellner in der "Außenalster", der Freiluft-Bar achtern. Er hat uns zwar nicht wirklich erkannt, tat aber umso freundlicher, als ob.
Etwa um 22:30 erreichen wir endlich unsere Kabine. Und etwa 10 Sekunden später sind wir eingeschlafen.

Hafenausfahrt La Romana Hafen La Romana: eigentlich eine Flußmündung La Romana itself

 

  

 

30.11.2013 – "Das Blau der Karibik ist einfach unvergleichlich"
28° - sonnig bis leicht bewölkt
Schiffs-Tag
Abendstimmung auf dem Meer Fest vorgenommen: an jedem Schiffs-Tag wird das Laufband an Bord gequält. Die guten Vorsätze sterben also nicht aus. Heute sind es die ersten 5 km bei 32 min 38 sek. Das ist zwar deutlich langsamer als meine 25 min im Wald auf festem Boden. Aber dafür fehlt hier ja auch der Gegenwind...
Die Sonne steht heute morgen um kurz vor 7 Uhr auf. Ein tropischer Sturm hat gerade erst das Wolkenband des Unwetters der vergangenen Nacht hinter die MS II geschoben, so daß die Sonne quasi neben den Gewitterwolken aufgeht. Ein seltener Anblick für Festland-Europäer. Das erste Frühstück auf dem Schiff besticht durch Vollständigkeit. Es gibt alles, was das Herz begehrt, inklusive einem Glas Apfelsaft als Anti-Magnesium-Mangel-Therapie. Jedoch heute ohne Glas Sekt. Kommt noch...
Der Rest des Tages ist schnell beschrieben: wir erholen uns auf dem Pool-Deck und greifen mindestens einen alkoholfreien Cocktail pro Stunde ab. Dann lernen wir auch noch den wichtigsten Mann an Bord kennen. Man sieht ihn hier unten auf dem zweiten Foto von rechts. Der Mann mit dem weißen Hut auf dem Kopf. Es ist der Eis-Mann.
Und außerdem gibt es zwischendurch mal eine Auster. Oder einen Happen vom kreolischen Buffet, reichlich mit Obst verziert. Wunderbarer Genießer-Tag! Und abends dazu das 5-Gang-Menu im Restaurant "Atlantik" mit T-Bone-Steak für den Wolf & Sushi-Thunfisch für die Hummel. Dazu Sekt & Wein, kredenzt von unserem sympathischen Getränke-Kellner. Hey Christopher! Sie haben uns immer auf so nette Weise betrunken gemacht ("darf's noch ein Gläschen sein?")! Vielen Dank nochmals! Einfach hümmlich, alles zusammen!

Pflicht: Ein Cocktail pro Stunde Obst-Buffet am ersten Seetag Der Eismann kommt! Zum Relaxen schön: die Schau-Bar

 

  

 

Inmitten von Oranjestad: Leguane überall Im Stonehenge Gebiet Arubas Inmitten von Oranjestad: Leguane überall Wolf nahe der Natural Bridge Caribbean christmas

01.12.2013 – "Zimtsterne vor Aruba"
32° und Sonne
Oranjestad / Aruba
Küstenidyll vor Kaktus - Aruba is greeting Vor der Küste Venezuelas liegt das ca. 32 Kilometer lange und 10 Kilometer breite Aruba und ist damit die kleinste der ABC-Inseln. Knorrige, vom ständigen Passatwind gekrümmte Divi-Divi-Bäume, Kakteen und Dornengestrüpp bedecken das Landesinnere. Das Leben spielt sich weitgehend an der Küste ab. Hier liegt auch die Inselhauptstadt Oranjestad, in der etwa 30.000 Einwohner leben. Einkaufsstraßen, Verwaltungsgebäude, Kirchen, dazu ein kleiner Hafen mit dem Kreuzfahrt-Pier und Shopping-malls prägen hier das Bild.
Die holländischste Karibik dieser Welt begrüßt uns mit dem Anblick von Palmen und Weihnachtsbäumen entlang des Kais. Aruba, unabhängige Provinz der Niederlande, ist perfekt eingestimmt auf die Weihnachtszeit. Steelband-Klänge und Santa Claus - was auf dieser Welt passt besser zusammen? Da dürfen die Zimtsterne vom Buffet des Anckelmanns-Restaurants natürlich nicht fehlen.
Unser erster Ausflug dieser Kreuzfahrt führt uns - fast auf die Minute pünktlich wie angekündigt - in einer sogenannten Panoramafahrt über die Insel. Aruba ist wehrhaft ausgestattet: sie strotzt nur so vor Säulenkakteen, es müssen Millionen sein. Tatsächlich haben wir im ganzen Leben noch nie so viele dieser riesigen, schlanken Pflanzen auf einem einzigen Flecken dieser Welt zusammengeballt gesehen. Das zweite massenhafte Phänomen dieser Insel sind - Leguane. Tausende dieser Tiere in allen möglichen Größen und Farben - von Grün über Rost, Orange und Feuerrot bis Braun und Schwarz - kriechen und flitzen über diese Insel umher. Selbst im Stadtpark der Hauptstadt Oranjestad bevölkern sie die Wiesen, Hecken und Palmen.
Unser Ausflug führt uns zu bizarren Felsformationen, die die Phantasie beflügeln; zu Haifisch-Anglern (die Tiere werden mit Abfällen der Hotels und Schlachthöfe angelockt); zur "Natural Bridge", geformt von Meerwasser in zigtausend Jahren; bis hin zum alten Leuchtturm "California" (benannt nach einem vor dieser Küste gesunkenen Schiff), der seine besten Tage lange hinter sich hat. Ein kurzer Stopp am Eagle Beach beschließt diese Tour und diesen Vormittag.
Ein gesunder Mittagteller aus dem Wok des Anckelmanns gibt uns Kräfte, um nachmittags die Inselhauptstadt auf eigene Faust zu entdecken. Leider ist es Sonntag, und auf der seit vielen Jahrhunderten christlich geprägten Insel sind alle Einkaufszentren geschlossen. Nur die üblichen Touristenfallen sind offen. Prompt tappen wir in eine solche und erstehen einen kleinen Rucksack zum völlig überhöhten Schnäppchenpreis von $ 13.
Wieder an Bord (ohne von Leguanen gefressen worden zu sein), vertreiben wir uns die zweieinhalb Stunden bis zum Abendessen auf der Terrasse unserer Kabine. Die Terrasse bietet übrigens Platz für eine Liege und eine gemütliche Hängematte, in der man seinen Urlaubsträumen nachhängen kann. Daneben gibt es noch zwei Gartenstühle und einen kleinen Beistelltisch. Mehr als reichlich genügend ausreichend verschwenderisch...
Zum "5-Gang-Cross-over-Menu" (wir wechseln bei den Gängen zwischen Schlemmer- und Gesund-Menu hin und her) kredenzt uns Christopher in seiner einnehmenden Art Sekt und Wein. Den Auslauf an diesem Abend erleben wir auf unserer Terrasse, weil es auf dem Pool-Deck ziemlich geräuschvoll ist. Hier setzt TUI CRUISES offensichtlich vor allem auf das jüngere Publikum. Mögen sie ruhig Erfolg damit haben. Uns und einigen anderen ist die Musik einfach zu laut, man kann sich nicht mehr unterhalten. Was dem einen seine Eule, ist des anderen Nachtigall...

Hummel vor der Haifischküste Natural Bridge Am Eagle Beach Leuchtturm 'California' Inmitten von Oranjestad

 

  

 

Preiswert und sicher: Kaktus-Zaun Rau: die Westküste Arubas Azurblaue Karibik Typische Bushaltestelle Gute Küche im 'Plasa Bieu'

02.12.2013 – "ARE YOU FROM HERE?"
Um 29° - Sonnig
Willemstad / Curacao
Stadtansicht von Willemstaad Curacao ist die größte und bedeutendste der ABC-Inseln. Hier leben ca. 150.000 Einwohner aus über 60 Nationen. Die Insel ist 61 km lang und zwischen 5 und 13 km breit. Es herrscht ganzjährig ziemliche Trockenheit. Daher prägen Agaven, Dornsträucher und meterhohe Kakteen das Landschaftsbild. In der Hauptstadt Willemstad leben mehr als 2/3 der gesamten Einwohner der ganzen Insel.
Willemstad kommt angeschlichen. Vor der ersten Morgendämmerung pirscht es sich aus der Dunkelheit heraus an mein Schiff (bzw. Mein Schiff II) heran. Imposante Bauten wie die hohe Koenigin-Juliana-Brücke, die den Hafen überspannt, schälen sich vor dem heller werdenden Morgenhimmel heraus. Farbenfrohe, bunte Häuser werden sichtbar. Die Hauptstadt Curacaos erwacht mit einer prächtigen Farbexplosion und betont dabei deutlich ihren Status als Weltkulturerbe. Sie fühlt sich offensichtlich wohl dabei.
Die MS II passiert im Zeitlupentempo die Koenigin-Emma-Bridge, eine schwenkbare Fußgänger-Pontonbrücke, die von den Einheimischen liebevoll Emma genannt wird. Kurz dahinter, aber kurz vor 7 Uhr morgens, erreicht die MS II die heutige Parkposition. Und kurz vor 8 Uhr sind wir am Treffpunkt der heutigen "Landschaftsfahrt in den Westen". Arthur, unser heutiger Tourguide, hat sein Abitur vor einigen Jahren in Düsseldorf gemacht, das macht ihn mir sympathisch. Er macht seine Sache aber auch gut, und wir erfahren viel Neues über Curacao. Zum Beispiel, daß man die bunten Häuser alle anderthalb Jahre streichen muß, um den status quo zu erhalten - ansonsten verfallen sie langsam aber sicher im Einfluß des salzhaltigen, feuchten Meeresklimas.
Wir fahren an diesem Vormittag über die halbe Insel und machen drei interessante Stopps. Der erste führt uns an die Küste und macht uns die Schroffheit der Westküste deutlich. Das Meer sorgt langsam, aber sicher für die unaufhaltsame Erosion der Insel, die aus Vulkangestein und Korallen besteht, wobei die Korallen eher den Geist aufgeben und das schwarze Vulkangestein übrig läßt.
Beim zweiten Stopp erfahren wir viel über die Geschichte der Sklaven aus der Zeit der Sklaverei, die vor 150 Jahren, nämlich 1863, auf Curacao endete. In einem zeitgeschichtlichen Museum wird das harte Leben der Sklaven dargestellt. Ehrlich gesagt, und ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen, macht uns beiden das Leben als Kreuzfahrer wesentlich mehr Spaß als das eines Sklaven.
Ein dritter, halbstündiger Halt entführt uns in die azurblaue Welt des karibischen Meeres. Ich bin überzeugt: keine Farbskala dieser Welt kann diese hell leuchtenden Blautöne wiedergeben, die aufgrund ihrer Intensität fast wie greifbar sind und die aus sich selber herausleuchten.
Wieder auf dem Schiff, um die Mittagszeit, geht es nach einem kurzen Auftanken im Restaurant "La Vela" auf eigene Faust ins Amsterdam der Karibik, wie Willemstad auch genannt wird. Hier trifft Rastaman auf Schwabbel-Touri, die Alte Welt auf dolce far niente(karibisches Hartz IV), trifft der akkurate Seitenscheitel auf lapislazuline Lässigkeit. Wir erwandern uns Punda, die Altstadt, und hier geschieht das Wunder. Biggi, meine weiße Adlerbraut mit der "MEIN SCHIFF II" Schlüsselkarte um den Hals und Foto-Handy in der Hand, wird gefragt: "Are you from here?" Ein versprengter Passagier der "Venture Of The Seas" hat meine Hummel offenbar eindeutig als Einheimische identifiziert. Das kann wohl nur ein amerikanischer Tourist fertigbringen, der panische Angst hat, sein Schiff zu verpassen...
Punda besteht aus vielen kleinen Gassen mit vielen kleinen, schmalen Häusern, die viele kleine shops beherbergen. Von Levi's über Starbucks bis Lacoste sind alle üblichen Verdächtigen vertreten. Viele kleine Schuhgeschäfte bieten eine große Auswahl an modischen Modellen zu relativ günstigen Preisen. Wir kaufen hier aber keine Schuhe, sondern - na was wohl? - eine Flasche Blue Curacao für zukünftige Cocktails in Düsseldorf.
Das abendliche Menu hat mal wieder fünf Gänge und bietet erst dem Auge, dann dem Gaumen einen wahren Schmaus. Ein oder zwei (bzw. drei) Glas Chardonnay dazu runden diesen Abend ebenso ab wie die akrobatische Darstellung einer Tuch-Artistin im Atrium des Schiffes. Immerhin um 22:30 Uhr heißt es dann für uns: "Alle Mann in die Kiste". Gutes Nächtle!

Fetisch im Sklaverei-Museum Häuserfront in Willemstaad Konigin-Emma-Bridge Unvergleichlich: karibisches Meer Caribbean Biggi

 

  

 

03.12.2013 – "Wer wechselt die Birnen?"
32° - Sonne und Wolken, windig
Schiffstag
Das Meer zieht vorbei Der zweite Schiffstag begrüßt uns mit vielen Wolken, die sich aber bereits am frühen Vormittag zum großen Teil in Wohlgefallen auflösen. Nach weiteren 5 km auf dem Laufband ( 33:32 min) treffen wir Herrn Dolce "Far" Niente am Pool-Deck und beschäftigen uns intensiv mit ihm.
Eigentlich sind Schiffs-Tage recht erholsam. Nur vergeht die Zeit zwischen den Essenszeiten immer viel zu langsam. Daher muß man diese Zwischenzeiten weitblickend mit leckeren Cocktails, sahnigem Eis, kirschigen Waffeln oder auch nur mal mit einem Weihnachtsplätzchen überbrücken. Letztere stehen strategisch günstig verteilt auf dem ganzen Schiff. Man hat also keine Chance, ihnen zu entkommen. Wer es geschickt anstellt, kann den ganzen Tag hier verbringen und mit minimaler Bewegung die Kalorienzufuhr nicht abreißen zu lassen.
Mittags bedienen wir uns am Pool-Buffet, das unter anderem aus einer ganzen Rinderkeule, zwei ganzen gegrillten Spanferkeln, einem ganzen gebackenen Truthahn und vielen toten Hähnchen besteht. Derart abgefüllt, begeben wir uns auf die Wolf'sche Privat-Terrasse und lassen locker das Meer an uns vorbeiziehen. Unsinnige Gedanken und Fragen kommen mir in den Kopf. Wer wechselt zum Beispiel die Glühbirnen der Schiffslichterkette hoch über dem Pool-Deck aus? Heißt der Hausmeister an Bord Schiffsmeister? Und braucht er dann einen Meister-Brief? Über diesen schwerwiegenden Gedanken fallen mir die Augen zu...
Was bietet die MS II sonst noch? Was gibt es an Bars und Restaurants? Ein kleiner Foto-Rundgang durchs Schiff ergibt folgende Ausbeute:

Atrium
Schau - Bar
Überschau - Bar
Blaue – Welt - Bar
Vinothek
Steak-House
Sushi - Bar
Hauptrestaurant Atlantik
TUI - Bar
Himmel & Meer - Lounge
Außenalster - Bar
Unverzicht - Bar
Unschlag - Bar


Ein erholsamer Tag endet mit einem wunderbaren Theaterstück namens ‚Genesis‘. In vielen, vielen Bildern wird die Entstehungsgeschichte der Menschheit erzählt, und Ben Beckers sonore Stimme verleiht der Erzählung den gewissen Gänsehaut-Charakter.

Mittags-Buffet: sehr fleischlastig Außen, backbord, Deck 6 Kabine 9125 Genüssliches Abhängen

 

  

 

Ungewöhnliche Warnschilder Straßenkreuzung in Castries wenige schöne Häuser in Castries Schulkinder Kathedrale von Castries

04.12.2013 – "Fahrer des vollen Fußes"
29° - ein paar Wolken sind unterwegs
Castries / St. Lucia
Bunte Märkte in Castries St. Lucia ist die grüne Perle der Kleinen Antillen. Gelegen zwischen St. Vincent und Martinique, sticht die Insel besonders durch ihre einzigartige grüne, hügelige Landschaft heraus. Die zwei inaktiven Vulkane "Gros Piton" und "Petit Piton" sind die Wahrzeichen der Antillen und fehlen auf keiner Postkarte. Entlang einer kleinen Bucht liegt die Hauptstadt Castries, in der etwa ein Drittel der Inselbewohner lebt.
Im Morgengrauen laufen wir in den Hafen von Castries ein. Damit erreichen wir unsere vierte Karibik-Insel in sechs Tagen. Castries ist eine Stadt mit Licht und Schatten, wobei schon in der ersten Optik der Schatten überwiegt. Viele heruntergekommene Straßen, Gassen und Häuser sind schon von Bord aus sichtbar.
Der englischsprachige Rastaman, der uns in einem kleinen, 20-sitzigen Bus zur "Seilbahnfahrt durch den Regenwald" kutschiert, hat einen voll entwickelten Gasfuß und brettert mit uns über Hügel und durch Dörfer, die nur so vorbeifliegen, zur Mitte der Insel. Dort erwartet uns eine Fahrt in den Regenwald mit einer Seilbahn aus - na? - Österreich, Marke Doppelmayr oder Obermayr. Sie bringt uns in die Wipfelregion des Regenwaldes. Eine etwa eineinhalbstündige Fahrt mit einer der 16 Gondeln ist eine nette Abwechslung zum Bordleben (obwohl die Gondel auch schaukelt). Leider sehen wir kaum Tiere. Nur zwei, drei unbekannte Vögel und dazu ein paar Kolibris, mehr ist beim besten Willen nicht drin. Kein erschrecktes Affengesicht, wenn plötzlich fremde Touris an seinem Baumhaus vorbeigondeln. Keine Boa Constrictor, die auf der Suche nach würdigen Würge-Opfern von einem Ast herabbaumelt. Keine Wildschweinrotte, die durchs Unterholz trampelt. Wir sehen nur Touristen, die mit dem Stahlseil sausen und die Tiere damit wohl vertreiben. Auch fotomäßig bleibt dieser Ausflug etwas auf der Strecke. Grüne Bäume kann man auch im Stadtwald ablichten. Auch wenn das Grün dort vielleicht nicht ganz so undurchdringlich ist.
Auf der Rückfahrt mit dem Bus des Todes erzählt uns der Meister des sausenden Profils noch, daß auf der Insel eine Arbeitslosenquote von über 23% herrscht. Vielleicht hat er Angst, von arbeitslosen Landpiraten gekapert zu werden und fährt deshalb um sein (unser) Leben...
Später am Nachmittag erleben wir die Auswirkungen dieser trockenen Statistik mit eigenen Augen. In Castries sieht man viele verlorene Subjekte auf den Straßen, kaputte Typen. In Europa würde man vielleicht Penner sagen. Hier sehen sie aus wie ungewaschene Rastafaris.
Die Straßen sind laut, eng, schmutzig und verstopft. Es stinkt vielerorten ganz erbärmlich - obwohl es überall Schilder gibt mit der Warnung "No Pissing". Die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt, nämlich die Kathedrale, platzt aus allen Nähten, weil irgendeine Trauerfeier abgehalten wird. Der Leichnam ist im Mittelgang aufgebahrt.
Das einzig Entzückende an Castries sind die vielen Schulkinder. Es muß kurz nach Schulschluß sein, denn die Straßen sind verstopft von ihnen. In den jeweiligen Schuluniformen ihrer Schule bieten sie einen malerischen Anblick. Die hoffnungsfrohe Zukunft von St. Lucia, die meisten von ihnen schwarz wie Kaffee...
Nein, hier fühlen wir uns nicht wohl. Unser Landgang privater Natur endet denn auch nach knapp 90 Minuten, und bald sieht uns die Terrasse unserer Kabine wieder, wo wir noch zwei Stunden in der wohligen Wärme der karibischen Sonne verbringen.
Abends, nach einem weitgehend ereignislosen Dinner (aber gut wie immer), entscheiden wir uns kurzfristig für einen zweiten Theaterabend und schauen uns eine wirklich tolle Beatles-Revue an. 30 Lieder, Hit an Hit, vergeht das Leben der Protagonisten auf der Bühne und die Stunde Zuschauen wie im Fluge. Aber nix wie ins Bett anschließend! Wir müssen ja in der Frühe wieder vor dem Wecker wachwerden...

Seilbahngondel Im Regenwald über dem Regenwald Oben Paläste, unten Hütten Urwaldriesen

 

  

 

Im Yachthafen von St. George's Karibische Kabel-Legung Kajakguide-Rastafari Kajaktour entlang der Küste Yachthafen Spice market'

05.12.2013 – "Das Konzert der Karibik"
Um 28° - Sonne
St. George's / Grenada
Steelband-Klänge: das Konzert der Karibik Grenada ist die bekannteste Gewürzinsel der Karibik und hat eine Größe von 34 km Länge und 18 km Breite. Schon beim Betreten der Insel umweht einen der Duft von Muskat, Zimt, Nelken und Ingwer. Grenada wird von ca. 100.000 Einwohnern bevölkert. Die Hauptstadt St. Georges ist eine der schönsten Inselhauptstädte der Karibik und verbreitet sowohl hauptstädtischen Flair durch viele shopping-Möglichkeiten als auch malerischen Charme durch kleine Märkte, bunte Häuser und steile Gassen.
Die alte Bekannte St. Georges erwartet uns also beim Aufwachen. Die Hauptstadt Grenadas gleitet an uns im Morgengrauen vorbei. Zum zweiten Mal nach 2006 laufen wir hier in den Hafen ein. Hat sich etwas verändert?
Der Seelenverkäufer, den man beim Einlaufen passiert, ist immer noch nicht gesunken. Die Roman-Catholic Cathedral, beim letzten Besuch noch von Hurrikan IVAN verwüstet und enthauptet, hat ihr Dach wieder. 2009 wurde sie restauriert, wie sich später auf Nachfrage während unserer nachmittäglichen Privat-Tour herausstellt. Doch dazu später. Erst einmal ruft das Meer. Heute haben wir einen sportlichen Ausflug auf dem Programm. Eine “Kajakfahrt entlang der Küste” strapaziert unser beider Rücken derart, daß wir froh sind, als wir wieder aus den Kajaks und vom Wasser runterkommen und wieder festen Boden unter den Füßen spüren. Das ist der Tribut an das Alter, denke ich. Oder ist es nur der Zollsatz an die Rücken-OP vor drei Jahren?
Nachmittags erwandern wir uns ein weiteres Mal unsere Lieblings-Stadt der Karibik auf eigene Faust. Lange, zu lange sind unsere Gewürz-Vorräte daheim geschmolzen. Einige sind gar völlig aufgebraucht. Also ideale Voraussetzungen, um den hiesigen spice market aufzusuchen. Er ist keine fünf Minuten Fußweg vom Kreuzfahrt-Terminal entfernt und wirklich ganz leicht zu finden. Man könnte auch fast sagen: "immer der Nase nach". Und dann nur eine Querstraße weiter gehen. Und bitte nicht das Handeln vergessen. An den Preisen kann man immer schrauben - entweder Nachlaß im Preis oder kostenlose Zugabe von Gewürzen.
Mit einem Sack voller Gewürze ziehen wir von dannen. Nicht ohne vorher eine Kokosnuß getrunken zu haben. Wie der Geschmack ist? Etwa wie Wasser, mit etwas Kokos-Geschmack angereichert. Aber nur schwach.
Auf dem weiteren Weg durch die Stadt sehen wir wieder die Römisch-Katholische Kathedrale mit dem restaurierten Dach, gehen hinein und sind überrascht. Alles hier ist renoviert, vom Fußboden über die Bestuhlung bis hin zu Fenstern, Wänden, Säulen und sämtlichen Verzierungen.
Die Anglican Church hat nicht so viel Glück gehabt. Es stehen seit 2004 nur noch die Außenmauern und der halbe Glockenturm. Die Wucht von Ivan hatte in St. Georges alle vier Kirchen getroffen und mehr oder weniger zerstört. Diese letzte noch nicht restaurierte, die Anglikanische Kirche, soll dann im nächsten Jahr, 10 Jahre nach dem Hurrikan, wiederaufgebaut werden. Sobald die Spenden 750.000 US-Dollar übertreffen.
Weiter auf unserem Rundgang entdecken wir immer wieder Zeitzeugen der Katastrophe. Häuser, die abgedeckt wurden, sind dem Schicksal überlassen. In den Zimmern wachsen inzwischen Sträucher und Bäume. Die Glasscherben in den Fenstern wurden nie entfernt. Wie gefährliche Reißzähne sind sie der Ruinen Wächter. Auch das alte Parlament hat es schwer getroffen. Das große Dach des betagten Gebäudes war 2004 eingestürzt. Seitdem ist dieser politische Ort sich selber überlassen und dient nur noch als Mahnmal.
Wir tappern noch bis zum Yachthafen und von da aus auf das alte Fort Meyer hoch, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf den Hafen und die ganze Stadt hat. Den Eintrittspreis von US-$ 2 schenken wir uns allerdings, weil wir das Fort bereits kennen.
Um 16 Uhr sind wir wieder an Bord. Meine Hummel ist um ein Sommerkleid reicher, welches sie in einem der zahllosen Läden zum Preis von US-$ 20 erstanden hat. Die Preises sind hier vor Ort wirklich moderat, und auch die Qualität der meisten Handelsgegenstände braucht keinen Vergleich zu scheuen. St. Georges, kein Vergleich zum gestrigen Castries auf St. Lucia...
Den Kehraus des Tages bildet einmal mehr ein Besuch des Theaters. Heute abend spielt man die bekanntesten Stücke der großen Musicals. Ein Liederreigen voller Ohrwürmer mit Bildern, die dem Auge schmeicheln. Aber die letzten Bilder sehen wir schon nicht mehr. Das Sandmännchen hat uns derart viel Sand in die Augen gestreut, daß wir es kaum zur Kabine schaffen. Gähn! .. und wech ..

Zeugen des Hurrikans Ivan Frischer Kokosnuß- Trunk Dach wieder gedeckt Römisch Katholische Kirche Anglikanische Kirche Das alte Parlament

 

  

 

06.12.2013 – "St. Niklaus auf Barbados"
29° - Sonne
Bridgetown / Barbados
Barbados Impression Barbados ist etwa 431 Quadratkilometer groß und beherbergt etwa 287.000 Einwohner. Sie ist die östlichste Insel der Kleinen Antillen und ziemlich flach; der höchste Punkt über dem Meer beträgt 340 Meter. Im Landesinneren findet man Zuckerrohrfelder, Reste von tropischer Vegetation und kleine malerische Dörfer. Die Inselhauptstadt Bridgetown gruppiert sich um die Meeresmündung des Constitution Rivers. Hier liegt auch das alte Hafenbecken. Heute leben etwa 100.000 Einwohner in Bridgetown.
Im lauten Containerhafen von Bridgetown liegen bereits drei Kreuzfahrtschiffe, als wir um halb sieben ebenfalls einlaufen und einen Parkplatz suchen. Schattenparkplätze gibt es schon nicht mehr. Und eigentlich haben wir auch noch Glück, denn wir bekommen überhaupt den letzten freien Platz.
Auch diesen Hafen kennen wir bereits von 2006 her. Er bietet nicht wirklich den schönsten Hafenanblick. Container dicht an dicht, Kräne quietschen, wuselnde LKWs allerorten, riesige Tanklager und Benzintanks. Die Geräuschkulisse ist dementsprechend. überall dröhnen Motoren, es piept und blinkt, soweit das Auge (und das Ohr) reichen, es liegt ein Hämmern und Klopfen in der Luft, Metall schlägt auf Metall. LKW- und Kranmotoren heulen auf. Befehls- und Warnrufe verhallen gehört. Container werden gestapelt und verschoben, wegtransportiert und auf LKWs gelegt oder von Schiffsbäuchen gefressen. Hier erleben wir den krassen Gegensatz zur Welt der Kreuzfahrtschiffe. Es ist die dunkle, hektische, betriebsame Seite der Seefahrt. Hier tobt das reale Leben im Gegensatz zum schönen Sein.
Heute ist Wechsel-Tag. Frischfleisch kommt an, und braungebrannte Menschen reisen ab. Wir haben uns dafür entschieden, der hektischen Betriebsamkeit an Bord zu entfliehen, und haben einen kurzen Strandtransfer gebucht. Für einen Vormittag lang haben wir uns damit das Gefühl erkauft, einen Strandurlaub zu genießen. Ab geht es an den Stadt-Strand von Bridgetown. Rote und weiße kleine Sonnenschirme spenden Schatten für jeweils zwei gemütliche Liegen, die wiederum einen Blick aufs klare, azurblaue Meer bieten. Zwei Stunden lang entfliehe ich hier der Wirklichkeit und hole dringend benötigte Schlaf-Zeit auf. Irgendwie summiert sich das Schlafdefizit an Bord nämlich. Man steht zu früh auf, um jedes Einlaufen in einen neuen Hafen zu überwachen, hat aber nicht die Chance, diese Fehlstunden wieder aufzuholen.
Nachmittags unternehmen wir einen Spaziergang Richtung Bridgetown, um den Hamburger mit Pommes Frites vom Mittag wieder abzubauen. Das Kreuzfahrt-Terminal liegt ein Stück entfernt von der Stadt. Es sind schon gute 20 bis 25 min, bis man im Zentrum landet. Dafür führt der Weg direkt am Meer vorbei. Aber wir schaffen es gar nicht bis in die Stadt, bzw. wollen es eigentlich auch gar nicht. Denn die Innenstadt Bridgetowns hat uns am Vormittag gar nicht vom Hocker gehauen. Das, was wir während des Strand-Transfers zu sehen bekommen hatten, reicht für ein allgemeines Bild aus. Und mehr als ein "Befriedigend" ist wirklich nicht dabei herausgekommen. Die Häuser sind nicht malerisch, sondern eher zweckdienlich. Die Straßen sind eng und geschäftig, aber mit wenigen Geschäften. Kaum etwas Grün ist zu sehen. Nur die Gegend um die Mündung des Constitution Rivers bietet ein schönes altstädtisches Ambiente. Wir kehren also etwa am Stadtrand um und laufen zurück, auch um den drohenden dunklen Wolken über dem Meer, die immer näher kommen, zu entwischen. Wäre aber gar nicht nötig gewesen. Sie ziehen später nördlich an der Insel vorbei und regnen irgendwo über dem Meer ab.
Nikolaus auf Barbados - der Nikolaus-Tag ist unser Kennenlern-Tag. Ich kann mich nicht erinnern, ihn schöner erlebt zu haben. Aber gleichzeitig passt das Wetter nicht so richtig ins Bild. Nikolaus am Sandstrand ist irgendwie ein Erlebnis der etwas schrägen Art, interessant, selten, ungewöhnlich. Aber eindeutig positiv belegt.
Jetzt liegt noch die zweite Hälfte dieser Kreuzfahrt vor uns. Mal schauen, was die nördliche Route in der Karibik zu bieten hat. Nach der abendlichen obligatorischen Rettungsübung genehmigen wir uns noch einen Cocktail und begeben uns auf das oberste Deck. Hier verfolgen wir zu den Klängen "Große Freiheit", der Auslauf-Melodie von Unheilig, das Ablegemanöver. Bye-bye Barbados!

Ankunft in Bridgetown Karibik-Wolf Bridgetown Strandpromenade Karibik-Hummel Fish market vor Bridgetown'

 

  

 

07.12.2013 – "Seetag mit Sektfrühstück"
28° - Sonne
Schiffstag
Abendstimmung Wir sind Seh-Leute. Wir lieben den Blick über die See und den Schmaus in den Augen. Und am Gaumen. Aus diesem Grunde erfreuen wir uns bereits am frühen Morgen am Ausblick von den Tischen der Außenalster - Bar übers Meer und laben uns am Frühstück und an einem Glas vom edlen Sekte.
Beim Seetag gibt es nicht viel zu sehen vom Land. Schon eher vom Meer. Deshalb müßte der Seetag eigentlich Meertag heißen. Aber mehr Tag als in einen Seetag kann man selbst in einen Meer-Tag kaum legen. Daher ist der Seetag als Seh-Tag schon optimal benannt. Wir müssen halt nur alles richtig sehen und bewußt genießen. Auf dem Laufband arbeitend, gleiten die beiden berühmten Pitons von St. Lucia vorbei, Wahrzeichen und höchste Berge der Insel mit 790 bzw. 751 m. Später werde ich sie auf Zelluloid .. äh .. in Pixel bannen.
Den Rest des Tages frönen wir dem süßen Nichtstun auf der Terrasse unserer Kabine. Mittags laufen wir den Gosch von Sylt auf der MS II an. Hier lassen wir uns alles in Fisch schmecken. Selbst unter der Betrachtungsweise, daß Fisch relativ gesund ist und damit den Schnitt drückt, so ist doch die Kaloriendichte pro Kubikzentimeter Urlaub auf einem Schiff ungleich höher als in einem durchschnittlichen Urlaubsdomizil an Land. Das ist einer der vielen Erklärungsansätze für die Zusatz-Kilos, die wir später von der Reise mit nach Hause bringen werden.
Nachmittags ist uns die Sonne hold. Dieses Mal - erstmals - ist die Backbordseite, unser Balkon, der fast flüssigen Hitze, die sich über uns ausgießt, ausgesetzt. Der Flair dieses Tages ist hier und heute eindeutig entspannter Natur. Die wohlige, dösige, träge Urlaubs-Aura macht uns müde und lethargisch, fühlt sich aber gleichzeitig gut an. Als sei man ein wenig aus dem Getriebe des Lebens herausgefallen. Entspannend, erholend. Sommersonnenwarm. Nonchalant. Chr chrrr. Oh, war ich eingeschlafen? Kein Wunder, bei dieser Atmosphäre.
Abends gibt es mal wieder ein Glas Sekt als Aperitif und anschließend vom leckeren und gar nicht sauren Chardonnay. Hier sind die inklusiven Tischweine im Überblick:

Weißwein:
Chardonnay Fugatti Rolando
Azienda agricola Belluno, Veronese-Verona

Rotwein:
Merlot Fugatti Rolando
Azienda agricola Belluno, Veronese-Verona

Rosé:
Spätburgunder Weißherbst, Symphonie No. 3, Kabinett

Die Pitons von Dominica Ein Seetag am Pooldeck Beim Gosch ... ...von Sylt Abendstimmung Hauptgang des Abends: Fisch-Variationen

 

  

 

Roseau bei Ankunft Kampf durch den Regenwald Rast im Fluß Im Emerald Pool Nasse Touris Biggi & der Rasta-man

08.12.2013– "Regenreich im Regenwald"
27° - Niederschläge mit Regenbögen & Sonne
Roseau / Dominica
Regenbogen über Roseau Traumhafte Regenwälder, faszinierende Wasserfälle und subtropische Gärten - Dominica besitzt eine paradiesisch anmutende Landschaft. Die nur 746 Quadratkilometer große Insel liegt zwischen Guadeloupe im Norden und Martinique im Süden, unterhalb der Kleinen Antillen. Ein Großteil der etwa 72.000 Einwohner spricht neben der Amtssprache Englisch auch das Antillen-Kreolisch. Die Inselhauptstadt Roseau liegt im Südwesten und ist mit etwa 16.000 Einwohnern die größte Stadt dieser wilden Naturinsel.
Am Sonntagmorgen begrüßt uns Dominica, die Sonntags-Insel, in abgedunkeltem Modus. Dicke, graue Wolken hängen wie Bauklötze aus Schaumstoff über der Insel. Der Wetterbericht verspricht Sonne und Regen bei knappen 30°. Wir haben die "Wanderung Durch Den Regenwald" gebucht. Und, Freunde, das ist das ab-so-lu-te High-Light des Tages, wenn nicht der ganzen Reise! Eine Stunde geht es Serpentinen ins dichte domenische Hinterland, in die Berge hoch, in die Wolken hinein. Als wir den Bus zum Aufbruch der Wanderung verlassen, öffnen sich alle Schleusen des Himmels. Hier im sekundären Regenwald fallen über 10.000 mm Regen pro Jahr. Die Hälfte davon heute. Ruck-zuck sind wir - trotz Regenjacken - klatschnass. Der Weg in den 'Dschungel' besteht teilweise aus einem kaum erkennbaren Pfad durch das Unterholz, teilweise aus einem Bachlauf, der zusehends anschwillt, ist aber immer glitschig und matschig. Von oben schifft es ohne Unterlaß. Die Wasserläufe blähen sich, ein Vorankommen ist kaum noch möglich. Längst sehen wir alle aus wie die Teilnehmer einer Expedition vom Mount Matsch. Dreckig und durchnässt schlappen wir durchs Dickicht. Die Schuhe versinken knöcheltief im Morast. Die Wanderung mutiert zur Überlebens-Expedition. Unser Guide marschiert ungerührt voran. Als wir einen Fluß queren sollen, rutscht einer der Teilnehmer aus und versinkt kopfüber im Wasser. Wir packen ihn an Arm und Bein und verhindern, daß er abtreibt. Einen Moment später steht er wieder zwischen uns, triefend nass, und flucht wie ein Rohrspatz. Wir anderen sind aber nicht weniger durchnässt als er.
Ein paar Minuten später hat der Guide, ein echter Rastafari, endlich ein Einsehen und deutet an, daß es nun nicht mehr weitergeht, denn ein reißender Fluß versperrt uns nun auch noch den Weg. Am Rande, an einer etwas seichteren Stelle auf einer flutenumspülten Sandbank, machen wir etwa 10 Minuten Rast. Es gibt Bananen und Melonen-Stückchen.
Beim Rückweg über die Sandbank bemerken wir, daß der Fluß während der kurzen Pause heftig angestiegen ist. Wo wir eben noch knöcheltief eintauchten, waten wir nun bis zum Hintern durch kaltes Wasser. Jetzt ist endgültig alles versaut und durchnässt. Die ganze Zeit an unserer Seite: ein lachender Rasta-Guide, für den das alles eine Riesengaudi ist und der sich wahrscheinlich insgeheim über die tropfnassen Touristen amüsiert. In der Retrospektive ist diese Tour der absolute Champion aller Landausflüge, denn so nah waren wir noch nie an der Natur dran. Aber gefangen im Augenblick des Abenteuers ist man weit entfernt davon, an Favoriten zu denken. Man konzentriert sich auf den nächsten Schritt. Und wieder einen Schritt. Und noch einen Schritt. Und noch einen. Und wieder einen. Bis endlich die rettende Straße erreicht ist .. Geschafft!
Der nächste Stopp eine knappe halbe Stunde später ist beim Emerald-Pool, ein 36 m hoher Wasserfall mit natürlichem Wasserbecken, das geradezu nach einem erfrischenden Bade schreit. Und so stürzen sich zumindest die meisten männlichen Teilnehmer in die kühlen Fluten. Manche gleich mit voller Bekleidung. Nasser als bereits durch den Regenwald kann man eh nicht werden. Und der Rum-Punsch anschließend (10% Punsch, 90% Rum) wärmt bereits wieder sämtliche Poren. Kalt ist uns sowieso nicht. Die 27° Lufttemperatur sind momentan nicht mal unangenehm.
Die Rückfahrt nach Roseau dauert nochmals eine gute halbe Stunde. Es regnet immer wieder kurz und heftig, während über dem Meer gleichzeitig die Sonne scheint. Regenbögen durchziehen den Himmel. Irgendwo ist immer einer zu sehen. Dominica könnte auch "Insel der Regenbögen" heißen.
Am Sonntagnachmittag sind wir - wiederum auf eigene Faust - in Roseau. Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Auch die Kirche der Methodisten bleibt uns verschlossen. Einem Tipp unserer Vorbereitungen im Vorfeld der Kreuzfahrt folgend, suchen wir den Botanischen Garten auf, der wirklich sehenswert ist. Viele Gewächse des Regenwaldes sind hier angepflanzt und können hautnah betrachtet werden. Von Brotfruchtbaum über Baobab bis Bambushain ist alles vertreten; auch eine Papageienstation gibt es. Viele herrenlose Hunde lecken herrenlose Eisbecher sauber. Der gelbe Bus, der 1979 beim Sturm 'David' von einem Baum zerquetscht wurde, ist noch heute als Mahnmal zu bestaunen.
In Roseau selber stehen kleine, bunt bemalte Häuser neben Ruinen und Wellblechhütten. Es ist keine reiche Stadt. Das sieht man am Zustand der Straßen und Gehsteige, die selbst für karibische Verhältnisse sehr voller Schlaglöcher und Stolperkanten sind. Der 'Alte Markt' hat leider heute auch geschlossen. Deshalb begeben wir uns aufs Schiff und knabbern vor dem Abendessen noch einen leckeren Cocktail. Später kommt uns noch zu Ohren, daß die TUI Reiseleitung einen derartigen Regen wie heute in den letzten vier Jahren auf Dominica nicht erlebt hat. Unser Abenteuer Regenwald stellt sich uns damit in die rechte Relation und erfährt so ein aufschlußreiches Ende.

Roseau mit Regenbogen Zerquetschter Bus Intakter Bus Im Botanischen Garten Im Botanischen Garten In Roseau

 

  

 

St. John's im Morgengrauen Regensammelbecken - halbleer Ananas-Farm Turner's Beach Turner's Beach

09.12.2013 – "Ananas auf Antigua"
28° - Sonnig
St. John's / Antigua
Kitschansicht am Turner's Beach Von oben betrachtet, sieht Antigua aus wie ein überdimensionaler Tintenklecks. Das liegt an vielen unterschiedlich geformten Buchten und Landzungen. Sie formen sage und schreibe 365 Strände - sagen die Bewohner der Insel und nennen ihre Heimat deswegen "Heart Of The Caribbean". Etwa 25.000 von ihnen leben in der Hauptstadt St. John's. Hier stammen die meisten Gebäude aus dem 19. und 20. Jahrhundert, weil ein Seebeben 1843 alles zerstört hatte. Einkaufszentren in der Nähe des Cruise Terminals lassen keinen Kreuzfahrer - Wunsch offen; sogar ein Kasino gibt es hier.
Als ich um 06:30 die Augen aufschlage, haben wir eine wackelige Nacht hinter uns. Die Überfahrt von Dominica nach Antigua verlief unter den Vorzeichen
- Windstärke 6
- Gegenwind von Steuerbord voraus
- Wellen bis 3 1/2 Metern Höhe.
Damit hatten wir endlich einmal die schaukelnde Schiffslage, die wir uns auf jeder Kreuzfahrt wünschen, aber fast nie erleben dürfen.
Heute steht eine "Landschaftsfahrt plus Strand" auf dem Plan. Dieser Ausflug ist gut einen Tipp wert und wärmstens zu empfehlen. Zuerst geht es per Bus in den Regenwald. Unsere deutschsprechende Guidine Cindy, schwarz wie die Nacht und topmodisch gestylt, wohnt derzeit in Holzminden und erklärt uns ihre Heimatinsel Antigua. Im Zentralmassiv der Insel, von Regenwald umgeben, besichtigen wir eines der größten Wassersammelbecken der Insel. Wasser ist hier im Gegensatz zu Dominica immer knapp. Die allermeisten Hütten haben Wasserauffang-System installiert, und seien es nur Tonnen an der Regenrinne.
Der zweite Stopp führt uns auf eine Ananas- und Früchtefarm. Neben Ananas werden hier auch Mangos, Papaya und Bananen angebaut. Kann man hiermit auf dieser Insel gut leben? Die Menge macht's, und die 'Schwarze Ananas von Antigua' bringt auf dem Weltmarkt $6 pro Stück. Viele Tausend dieser Früchte in allen Wachstumsphasen hier auf den Feldern, an deren Rand wir stehen, machen aus der Plackerei vermutlich ein einträgliches Geschäft.
Weiter geht es für eine Stunde zu einem Strandabschnitt namens 'Turner's Beach'. Azurblaues Meer und Palmen, die den schneeweißen Strand mit feinstem Sand umsäumen - das Klischee schlechthin. Die Fluten sind kühl, fast kalt, und das kommt bestimmt vom gestrigen Regen, der hier vor unserer Ankunft zwei Tage lang ohne Unterlaß fiel. Ein Bad im Wasser, ein Fruchtpunsch zur Erfrischung, und schon ist dieser Vormittag Geschichte.
Nachmittags statten wir St. John's noch einen privaten Besuch ab. Heute ist hier zwar kein Sonntag. Aber leider ein Feiertag. Der erste Präsident von Antigua wäre heute 100 Jahre alt geworden. Die meisten Geschäfte bleiben geschlossen. Aber am Hafen lassen sich die beiden Einkaufszentren Redcliff Quay und Heritage Quay das Business mit den Kreuzfahrern nicht nehmen: vier Kreuzfahrtschiffe überfüllen den Hafen und spucken minütlich neue Passagiere aus. Die Celebrity Eclipse und die Adonia okkupieren einen Pier, während die MS II sich den zweiten Pier mit der MSC Musica teilt. Ihr Schwesternschiff, die MSC Orchestra, haben wir 2009 im Geiranger Fjord getroffen. Damals waren wir noch mit der Delphin Voyager unterwegs. Der Pier zwischen den beiden Schiffen sieht trotz 10 Metern Breite aus wie eine Seitengasse in Lower Manhattan. Ganz klein fühlen wir uns, als wir hier entlanggehen...
Die Kathedrale von St. John's ist eine der größten Kirchen der Karibik. Sie ist unser Ziel für den diestägigen privaten Rundgang. Allerdings entpuppt sie sich aus der Nähe fast als Ruine. Sie ist seit einem Zwischenfall bei einem Gottesdienst vor einigen Jahren geschlossen und wartet seither auf ihre Restaurierung, die aber auch wirklich ganz dringend ansteht.
Ansonsten gibt es in St. John's nicht viel zu sehen. Das Straßennetz ist schachbrettartig errichtet, und als wir die richtige Abzweigung nach downtown Cruise Terminal verpassen, sind wir ruck-zuck im Slum-Viertel gelandet. Einem gut gemeinten Rat einer schwarzen Einheimischen folgend ("You shouldn't go here, this place is not safe for you") machen wir auf der Stelle kehrt. Ein heftiger Regenguß kühlt uns kurz ab, macht die Szenerie aber Minuten später, als die Sonne wieder hervorkommt, zur Dampf-Oase. Da wird es Zeit für uns, das "beste Eis der Karibik" zu probieren. Schon zu Hause hatten wir uns vorgenommen, das echte home-made Australien ice cream zu probieren. Jetzt stehen wir vor der Eistheke und erfreuen uns an der Vielfalt der Sorten. Umso weniger erfreuen uns die Preise. Sei's drum. Wir genießen und verschweigen halt den Preis einer Kugel im Wert von US-$ 3,50...
Ein Aperitif an der Außenalster, ein Diner im Atlantik, eventuell ein Spielchen an der öffentlichen X-Box. Dann vielleicht noch der Sketch-Abend im Theater. so oder ähnlich könnte der Rest des Tages aussehen. Lassen wir uns überraschen. Morgen gibt es ein neues Abenteuer auf St. Maarten.

Hochhausgasse Kathedrale von St. John's Bestes Eis der Karibik Biggi in St. John's In St. John's

 

  

 

Blick über Marigot Blick über Philipsburg Postkartenidylle vor Marigot Biggi auf St. Marteen Versammelte Kreuzfahrtschiffe vor Philipsburg Zwei 'Oldtimer'

10.12.2013 – "Karibische Traumblicke"
27° - Sonne mit regnerischen Momenten
Philipsburg / St. Maarten
Panorama von Marigot Die ca. 96 Quadratkilometer große Insel St. Martin ist in eine niederländische und eine französische Hälfte geteilt. Das erklärt die verschiedenen Schreibweisen dieses Inselparadieses. St. Martin, Saint Martin oder Sint Maarten - alles ist richtig. Genauso abwechslungsreich wie der Name ist die Landschaft: kegelförmige Hügel im Osten, eine flache Lagune im Westen und zwei Bergketten im Norden und Süden. Dazu traumhafte Strände, kleine Salzseen und grüne Hügel. Die etwa 80.000 Einwohner verteilen sich ziemlich hälftig auf die niederländische und die französische Seite.
Um 06:00 morgens taucht Sint Maarten aus der Tiefe des karibischen Meeres auf. Wir laufen früh in den Hafen ein. Um 06:15 liegen wir bereits fest vertäut am Pier fest. Die heutige Panoramafahrt beginnt bereits um 08:00 Uhr. Alles muß zügig vorangehen.
Philipsburg ist eine europäisch anmutende, sehr saubere Stadt mit vielen kleinen einstöckigen Häusern. Nach den vielen britisch angehauchten Inseln fällt hier der "normale" Rechtsverkehr direkt ins Auge. Das zweite, was uns auffällt, sind die vielen Wasserflächen innerhalb und außerhalb der Stadt. Ob Meer, Meeresbucht oder Salzsee - überall gibt es Wasser, Yachthäfen und kleine und größere Inselchen. Hier findet man Aussichten ohne Ende, Traum-Blicke der Karibik. Philipsburg erfüllt das Klischee der Postkarten-Karibik ohne Mühe mit dem flaschengrünen Meer, das die vielen Eilande und Halbinseln umgibt. Ein erster Stopp an einer Straße oberhalb der Stadt ist daher den Fotos gewidmet. Der zweite, lange Aufenthalt findet in Marigot statt. Hier kraxeln wir hoch zum Fort Luis, das auf die Hauptstadt des französischen Teils von Saint Martin blickt. Hier wieder: fabelhafter Rundblick, oder auch: die augenblickliche Aussichtslage ist augenscheinlich außergewöhnlich ansehnlich.
Insgesamt macht St. Maarten einen europäisch anmutenden Eindruck. Natürlich sieht man karibische Einflüsse und Elemente allerorten. Aber summa summarum ist hier alles etwas sauberer, geordneter, fast schon mediterran. Es ist so, wie es sich darbietet: die Europäische Union präsentiert sich in der karibischen Zone. Dennoch gehört St. Maarten zu den Zweite-Welt-Ländern. Für die Einheimischen bedeutet dies, daß die Infrastruktur wie in der Ersten Welt ist. Sie funktioniert aber wie in der Dritten Welt...
Unser Kölner Guide, ein Süßer reinsten Blutes, erklärt uns alle Aspekte der Insel in locker-flockigen Bildern mit vielen ironischen Untertönen. Er macht weder vor der Köln-Düsseldorfer "Feindschaft" halt, noch hat er Respekt vor der hiesigen politischen Obrigkeit. Er verbreitet viel gute Laune und Humor, die Atmosphäre im Bus ist sehr locker. Nur bleibt auf diese Weise leider das eine oder andere Stück sauberer Information auf der Strecke...
Bereits um 10:30 Uhr sind wir wieder zurück im Hafen. Auf dem Schiff nehmen wir einen frühen Lunch ein. Um Zwölfe geht es bereits wieder per pedes in die Innenstadt von Philipsburg. Da der Hafen abseits vom Zentrum liegt, müssen wir ca. 2 km durch die tropische Mittagshitze laufen, bis wir die Altstadt erreichen. Der Weg dahin ist gut ausgeschildert und gar nicht zu verfehlen.
Heute liegen im Kreuzfahrthafen nur vier Schiffe. Mithin sind es kaum 15.000 Kreuzfahrer, die sich in die Stadt ergießen. Die MS II ist mit knapp 2.000 Passagieren das kleinste von allen. Die drei anderen Schiffe sind amerikanische Kreuzfahrtmonster von 3.000 und mehr Touris. Darunter die Celebrity Eclipse und die Independance Of The Seas einer der größten Luxusliner weltweit.
In dieser zweiten Woche schippern wir bekanntermaßen im nördlichen Teil der Karibik. Mag es am Namen liegen - 'nördlich' klingt ja irgendwie nach Regen - jedenfalls wundern wir uns nicht, daß es auch heute immer mal wieder kurz und heftig regnet, wie bisher auf allen Inseln entlang der nördlichen Route.
Shop an shop reiht sich auf der Front Street und auf der Back Street (hier etwas weniger). Beide Straßen mit vielen kleinen bis entzückenden Seitengassen bilden das Zentrum von Philipsburg. Neben Front und Back Street gibt es noch die parallel zu diesen verlaufende Strandpromenade, auf der das schiere Leben tobt. Subjektive Eindrücke von diesem Streifzug: Vor allem die Amerikaner fallen auf. Bierdose in der Hand, nackter Oberkörper und Badelatschen: sie genießen offensichtlich die Freiheit, außerhalb Amerikas so herumzulaufen, und sind gar nicht so sehr an kulturellen, architektonischen oder historischen Aspekten interessiert. Das Hard Rock Cafe Philipsburg und andere Bars beschallen die Szene. Eine Kugel Hägen Dasz kostet US-$ 4. Es gibt Dutzende verschiedener Rum-Sorten (eine davon steht seither in der Wolfs-Bar). Die meisten Amerikaner, die wir hier sehen, sind entweder dick oder alt oder dürr & schrill.

Das heutige Schokoladenbuffet fällt fast den Wetterbedingungen zum Opfer - es regnet Bindfäden. Wir schauen nur kurz für ein oder zwei Fotos vorbei und schnappen uns einen Cocktail, um den Absacker auf unserer Kabine zu genießen. Und los geht es schon Richtung Tortola, unserer letzten Station vor der Heimkehr nach Deutschland. Die See ist rau und bewegt. Es regnet in die Dunkelheit hinein. Wir scheinen hier auf der nördlichen Route einen Tiefausleger erwischt zu haben, der uns vermutlich treu ist. Aber sonst ist Alles Klar Auf Der Andrea Doria...

Viel Farbe in Philipsburg Ansichten in Philipsburg Front Street Ansichten in Philipsburg Ansichten in Philipsburg Schokoladenbuffet am Abend

 

  

 

'The Baths' 'The Baths' 'The Baths' 'The Baths' Devil's Beach Weg nach 'The Baths'

11.12.2013 – "Hahnenschrei auf hoher See"
27° - morgens Regen, danach Sonne
Road Town / Tortola
Hafen in Road Town Tortola ist die größte und bekannteste der Britischen Jungferninseln. Sie ist ca. 19 km lang und 5 km breit. Die meisten der etwa 15.000 Einwohner leben in der Hauptstadt Road Town. Die höchste Erhebung des Archipels ist der Mount Sage mit 543 Metern Höhe. Tortola gilt als die lebhafteste Insel der Jungferninseln.
Das erste, das mir früh am Morgen trotz meiner noch geschlossenen Augen bis ins Denkzentrum dringt, ist ein ... Hahnenschrei. Äh. Moment mal. Hahnenschrei? Hohe See? Passt nicht. Geht gar nicht. Ich träume wohl noch.
KI - KE - RIH - KIH. Ich träume wohl doch nicht. Also, alle Augen offen! Sehe Land! Wir sind bereits in den Hafen von Road Town eingelaufen. Und ich habe es verschlafen! Hm. Ob der Kapitän das Manöver für mich noch mal wiederholt ?
Der heutige Ausflug führt uns zu 'The Baths'. The Baths ist ein spektakuläres Naturschauspiel. Als ob die Kinder von Godzilla mit Murmeln gespielt hätten, liegen hier Felsbrocken in allen Größen am Strand verstreut. Vom Durchmesser eines Fußballs bis zur Häusergröße ist alles vertreten. Es gibt einen Weg durch die Felsformationen, den man entlangkraxeln kann. Man muß zwar teilweise auf allen Vieren krabbeln, und er ist auch nicht ganz ungefährlich, aber die Felsen werden ja nicht gerade heute ins Rutschen geraten. Sonst gibt es hier Tartar della Touri.
In Deutschland hätte der TÜV mutmaßlich alle Felsen verdübelt und angekettet. Hier reichen ein paar Holzleitern und ein Seil als Handlauf, um die schwierigsten Passagen zu bewältigen.
Eine knappe halbe Stunde krabbeln und klimmen wir über Felsen und durch Höhlen, immer wieder aufgehalten von anderen Leuten, die sich an den engsten Stellen des Weges stauen. Schließlich erreichen wir den Strand 'The Devil's Bay'. Ein wahrhaft teuflisch schönes Fleckchen Erde. Das Wasser ist klar und erfrischend. Der Sand ist warm, aber etwas grobkörnig. Allein die Touristenmassen sind ein wenig nervig. Aber man ist ja selber Touri...
Der Vormittag vergeht fix mit Schwimmen, Faulenzen und Naturwunder gucken. Schon bringt uns einer dieser erlebnisreichen Busse zurück zur Schnellbootfähre "Speedy", mit der wir die Überfahrt zum Hafen von Road Town in einer guten halben Stunde bewältigen.
Die Individual-Tour nachmittags durch Road Town hingegen ist ernüchternd. Die Stadt besticht durch städtebauliche Ignoranz. Sie besteht eigentlich nur aus einer Ansammlung diverser Straßen. Es gibt keinen Stadtkern oder so etwas wie eine Altstadt. Als Fußgänger lebt man besonders gefährlich, denn entweder gibt es überhaupt keine Bürgersteige, oder sie sind sehr schmal und uneben. Wir haben uns den Botanischen Garten als Etappenziel ausgeguckt. Irgendein Ziel muß man ja haben. Er ist ca. 3 km vom Kreuzfahrtterminal entfernt und nur mit Stadtplan erreichbar, denn er ist in der Stadt selber nicht ausgeschildert. Der Eintritt kostet US-$ 3 pro Person. Dafür finden wir ein ziemlich kleines, ungepflegtes Stück Garten vor. Er ist kaum größer als 1 ha und ist in 15 min einmal umrundet. Das Orchideenhaus ist seinen Namen kaum wert und besteht faktisch aus einem unansehnlichen Pavillon, in dem vielleicht ein Dutzend Töpfe mit verschiedenen Orchideen stehen. In der Volière - klein, dunkel, unsauber - konnte ich ein Paar Wellensittiche und noch eine andere Sittich-Art erkennen. Der Wasserlauf durch den Botanischen Garten ist ausgetrocknet. Nur die Schildkröten amüsieren sich. Sie bumsen in der Mittagshitze.
Nach einer halben Stunde machen wir uns auf den Weg zurück zum Schiff. Vorbei am hektisch fließenden Verkehr, vorbei an der einzigen Ampelanlage der British Virgin Islands, vorbei unser Landausflug.
Abends wird das wöchentliche Käsebuffet dargeboten. Dazu trinken wir einen Rotwein, der nicht mal übel ist (dafür, daß wir eigentlich nur Weißwein trinken). Später wird noch die Show der Crew aufgeführt, die wir uns nicht entgehen lassen. Stellenweise erleben wir hier ungeschliffene Diamanten im Mahlstrom der Kreuzfahrt-Industrie. Aber bei manchen Akteuren scheint es auch nur der unausgereifte Versuch, mal aus dem Alltag des Arbeitslebens zu entfliehen...
Der Absacker auf der Terrasse ist schon obligatorisch und bedarf keiner Erwähnung mehr. Ahoi!

Abenteuerliche Busse Ureinwohner Tortolas Stadtansicht von Road Town Im Botanischen Garten Im Botanischen Garten Im Botanischen Garten

 

  

 

12.12.2013 – "Seetag mit Seeteufel"
30° - Sonne
Schiffstag
Cocktail 'Seeteufel' Die Tief-Front der letzten Tage haben wir hinter uns gelassen. Keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Es verspricht ein heißer Tag zu werden. Aber auf See weht ja immer ein erfrischendes Lüftchen - und sei es nur der Fahrtwind der träge dahinschippernden MS II. Außerdem hilft uns der eine oder andere Seeteufel, der Hitze Herr zu werden. Der Seeteufel ist der alkoholfreie Cocktail des Tages und besteht aus:

Cocktail 'Seeteufel'


Aber erst mal geht es für eine halbe Stunde in die Fit-Bar zur Laufband-Theke (5 km in 29:26).
Ich kann eh machen, was ich will. Ob ich laufe oder nicht. In 14 Tagen Kreuzfahrt sind es immer 2 kg 'Zusatzgepäck', die ich mit nach Hause bringe. Übrigens sind es bei 10 Tagen Kreuzfahrt auch immer 2 kg. Es ist schon ein Kreuz...
Nachmittags werden fix die Koffer gepackt, die man bis nachts um 01:00 Uhr vor die Kabine stellen muß. Natürlich nur, wenn man am nächsten Tag abreist. Unsere Koffer sind mit dem grünen Band für die Destination Düsseldorf gekennzeichnet. Somit haben wir den Abend wieder 'frei' und können ein letztes Mal ausgiebig das Diner mit dem herrlichen Wein genießen, den wir auf dieser Fahrt immer so nett von Christopher kredenzt bekamen. Der sich immer freute, wenn wir nach ein, zwei Abenden alkoholischer Abstinenz wieder mal ein Glas Wein getrunken haben ("endlich werden Sie wieder vernünftig"). Wir verabschieden uns nett von ihm und toben uns ein letztes Mal an der bordeigenen X-Box Station aus. Aber auch das hilft nicht viel. Zu Hause werden es wieder 2 kg sein. Immerhin ist unser Spaß-Level aufgefüllt. Um zehn, halb elf ist dann aber auch so langsam das Ende der Schicht erreicht. Die letzte Nacht an Bord verspricht, ruhig zu werden. Es sind lediglich kleinere Wellen bis maximal 1,5 m Höhe vorhergesagt.

Vorspeise Hauptgericht Dessert

 

  

 

13.12.2013 – "Urlaub vergeht - die Erinnerungen bleiben"
29° - Sonne
Ausschiffung in La Romana
Wir laufen früh morgens in La Romana ein. Unser Abschied von Bord ist für den frühen Nachmittag geplant, weil unser Flug erst um 18:00 startet. Wir verbringen noch einen schönen Vormittag am Pool-Deck. Unser Gepäck befindet sich bereits auf dem Weg zum Flughafen. Wir haben zwei Handgepäck-Rucksäcke dabei, in denen sich die Wechsel-Kleidung befindet.
Wir greifen nochmals einige Cocktails ab. Auch einen leckeren Mittags-Lunch lassen wir uns nicht entgehen. Aber unerbittlich kommt der Zeitpunkt des Abschieds. Diesmal erklingt leider nicht die "Große Freiheit" von Unheilig. Um 14:30 verlassen wir die Mein Schiff 2 mit einer kleinen Träne im Augenwinkel.
 
Auf dieser Reise haben wir nicht sehr viele Seemeilen zurückgelegt. Die MS II fuhr die ganze Zeit über mit gedrosseltem Motor. Hier war mal wieder der Weg das Ziel. Und der Weg von einer zur nächsten karibischen Insel war nicht weit.
Wir haben auf dieser Karibik-Kreuzfahrt inklusive der Dominikanischen Republik insgesamt zehn Inseln betreten. Davon waren für uns sieben Inseln absolutes Neuland. Das ist ein ziemlich guter Schnitt. Es wird allerdings mit jeder Karibik-Fahrt schwieriger, dieses Verhältnis noch zu toppen. Aber selbst Inseln, die man bereits früher besucht hat, kann man viel abgewinnen. Ein zweiter Besuch vertieft die oberflächlichen Kenntnisse. Man sieht bei einem Wiederholungs-Aufenthalt andere Dinge. Wir werden daher bestimmt eines Tages mal wieder die Karibik aufsuchen. Es lohnt sich. Hier findet man Gegensätze, die man sonst nirgendwo sieht. Hier steht der Palast neben der Hütte, der Flachbildschirm im selben Zimmer wie die offene Feuerstelle, und der Eselskarren parkt neben dem dicken Daimler. Im Flughafen werden die Destinations-Schilder noch von Hand ausgewechselt. Hier ist alles halt etwas lässiger zu sehen. Die Uhr geht etwas langsamer. Und das Leben. Macht Spaß. Wir sehen uns, Karibik!


 

 








Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am: 19.01.2014


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