English Text

 



 

 

Datum Hafen an ab Bemerkung
15.10.2014 Anreise per Bus     Anreise per Bus / 1. Tag
16.10.2014 Einschiffung in Nizza / Frankreich   19:00 Anreise per Bus / 2. Tag
17.10.2014 Kreuzen im Tyrrhenischen Meer      
18.10.2014 Straße von Messina     Durchfahrt
19.10.2014 Nauplia / Peleponnes 08:00 16:00 Alt-Korinth & Kanal von Korinth
20.10.2014 Dardanellen Meerenge (Marmara-Meer)  
Istanbul / Türkei
  Durchfahrt  
18:00
   
21.10.2014 Istanbul / Türkei
Bosporus-Meerenge
  18:00
  Durchfahrt  
Istanbul intensiv
 
22.10.2014 Konstanza / Rumänien 08:00 18:00 Ins Donaudelta
23.10.2014 Odessa / Ukraine 08:00 23:00 Odessa Panoramafahrt
24.10.2014 Odessa / Ukraine 00:00 24:00 Jalta / Krimküste und Seetag gestrichen
25.10.2014 Odessa / Ukraine 00:00 24:00 Sotschi / Russland gestrichen
26.10.2014 Odessa / Ukraine & Seetag 00:00 09:00 Sinop / Türkei gestrichen
27.10.2014 Bosporus-Meerenge
Istanbul / Türkei
Dardanellen Meerenge
Durchfahrt
Passage
Durchfahrt
   
28.10.2014 Mykonos / Griechenland 11:00 17:00 Panoramafahrt Mykonos
29.10.2014 Kreuzen im Mittelmeer      
30.10.2014 Dubrovnik / Kroatien 07:00 13:00 Stadtrundgang Dubrovnik
31.10.2014 Venedig / Italien 10:00   Ausschiffung & Rückfahrt per Bus

 

Die ursprüngliche Reiseroute im Bild:
 

 

 


 

 

15.10.2014 – Anreise per Bus – Von Sonnenschein bis Wolkenbruch / 16°
Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Nach einstündiger Wartezeit am Fernbusbahnhof Düsseldorf kommen wir endlich in den Genuss, den auch die Oberen Zehntausend für sich beanspruchen: nämlich mit Fahrer zu reisen. Unser Bus, ein knapp ein Jahr alter moderner Reisebus mit 52 Sitzen und 440 PS, wird von Heinrich, einem freundlichen Kölner, gefahren, der immer einen Scherz auf der Lippe oder eine Anekdote auf Lager hat. So gibt es zum Beispiel in der Bordküche nicht nur die Kaffeekanne, sondern auch Zucker und Milch, und auch leere Becher - extra für diejenigen, die keinen Kaffee trinken.
Die Bus-Anreise zum Schiff führt über Köln, Frankfurt, Karlsruhe und Heidelberg bis Weil am Rhein, knappe 100 m von der Schweizer Grenze entfernt. Im dortigen Hotel Karat ist die Zwischenübernachtung vorgesehen.
Nach einem mexikanisch angehauchten Abendessen sind wir trotz ganztägigen Strafsitzens so müde, daß wir früh ins Bett wollen, denn morgen geht es bereits um 07:00 Uhr in der Frühe weiter.

 

 

  

 

 

16.10.2014 – Nizza / Frankreich – Sonnig / 25°
Leben wie Gott in Fronkreisch

Die heutige zweite, letzte Bus-Etappe führt in die Schweiz. Über Basel, Luzern und durch den Gotthard-Tunnel fahren wir Richtung Italien, bis Mailand erreicht ist. Von dort geht es weiter Richtung Genua, wo wir im Vorbeifahren im Hafen den Kreuzfahrer-Schrecken der letzten Jahre sehen: die Costa Concordia. Wie ein nebeliger Geist verfolgt uns das Bild des tief im Wasser liegenden Wracks eine Weile und spuckt Geschichten in den Kopf.
Vorbei an Finale Ligure (eins unserer Reiseziele 2010) und San Remo kommen wir schließlich in Frankreich an. Bis Nizza ist es nun nicht mehr weit. 24° und herrliche Aussichten entlang der Küstenautobahn versprechen eine traumhafte letzte Wegstrecke. Die in Nizza aber jäh in einem Stau endet und uns eine Stunde länger aufs Boarding warten läßt.
Ein Glas später, gegen 17:30 und direkt nach dem Willkommens-Champagner ist es aber (dank exzellenter Logistik beim Check-in) an der Zeit und wir besteigen unser Heim für die nächsten 15 Tage.
Wer aber jetzt an den tatsächlichen Urlaubsbeginn geglaubt hat, der wird schnell eines Besseren belehrt. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: für 18:15 ist die obligatorische Seenotrettungsübung angesetzt. Diese findet im Gegensatz zu unserer letzten Kreuzfahrt zur Abwechslung mal wieder mit Rettungsweste statt, obwohl eigentlich seit einigen Jahren nicht mehr Pflicht. Die Übung wird recht schnell abgehakt und von Kapitän Hubert Flohr abgesegnet. Inklusive Hummel-Kreislauf-Absacker ist alles in weniger als 25 min erledigt.
Zum Auslaufen um 19 Uhr sind wir zu einem Glas Sekt auf dem Pool-Deck eingeladen. Auch hier funktioniert das Catering einwandfrei. Zwei, drei Glas Sekt finden den Weg ihrer Bestimmung. Überhaupt läßt Phönix Tours sich bei den Frei-Getränken nicht lumpen. Ständig sind gute Geister bemüht, die Luft aus unseren Gläsern zu entfernen. Egal ob Frühschoppen oder Sekt-Empfang: wir werden auf dieser Reise von der Frei-Getränke-Kultur begeistert sein…
Das heutige Diner – 4 Gänge mit 4 Sterne PLUS Charakter – wird recht leger eingenommen; das erste Aufbrezeln findet erst morgen zum Gala-Diner statt.
Reisende sind am Ende des Tages müde, und so finden wir früh um 22 Uhr unsere Kojen.

 

 

  

 

 

17.10.2014 – Auf See – Sonne, 24° / Seestärke 2 / Wind Beaufort 4
Wer an Glück glaubt, der hat Glück

Mitten auf dem Mittelmeer besucht uns ein großartiges Frühstücksbuffet mit frisch zubereiteten Speisen in äußerst vielfältigen Zubereitungsformen. Hier werden alle Wünsche erfüllt. Fisch und frischer Kuchen, Tomaten und Müsli-Variante. Aufschnitt-Vielfalt trifft Obst-Variationen. Ein Glas Sekt dazu? Bitte sehr! Die Service-Kräfte, die abends die Speiseteller servieren, tragen einem morgens den Hintern – pardon, den Teller hinterher und gießen Kaffee nach, bis man Halluzinationen hat.
Der Seetag beginnt mit Sonnenmilch und einem 5 km Lauf (13,5 Runden à 372 m auf dem Außendeck in inakzeptablen 30 min) gegen die berüchtigte Seekrankheit "Rettungsringitis".
Der Seetag setzt sich fort mit einem leckeren Lunch auf dem Pool-Deck. Ceasar’s Salad ist hier ein idealer Begleiter der schlanken Linie. Allerdings nur, wenn es bei einem Teller bleibt. Dieses Ziel haben wir leider um 50% verpasst. Ebenso bei der Tee- und Kaffee-Stunde, die an und für sich auch schlank hält. Wenn man denn bei Tee und Kaffee bleibt…
Früh um 17:30 beginnt der Abend mit dem Kapitänsempfang inklusive shake-hands und drink-champagne. Das Auftakeln fürs heutige Gala-Diner hat sich gelohnt: wir fallen nicht aus dem Bild. Ich bin nur ein Pinguin unter vielen.
Die Küche ist wirklich exzellent. Sechs Gänge und viele Glas Wein später (Tischwein: inklusive) sind wir alle am großen 8er-Tisch ganz glücklich über das Leben. Das High-Light des Abends steht uns aber noch bevor: unsere Fahrt geht knapp zwei km am Stromboli vorbei. Dieser aktivste Vulkan Europas schmeißt stetig Lava heraus, die an der Nord-West-Seite herabfließt und rotglühend im Meer versinkt. Die nächtliche Glut ist wirklich perfekt vom Phönix-Team organisiert. Noch ein Absacker an Bord, dann heißt es gegen Mitternacht: ab in die Heia und die Eindrücke des Tages verdauen. Oder wenigstens einen der vielen Gänge…

 

 

  

 

 

18.10.2014 - Auf See - Sonne, wolkenlos, 30°
Beurteile niemanden, bis Du an seiner Stelle gestanden bist

Joggen während einer Kreuzfahrt ist so der gleiche Kampf wie Lavastrom gegen Meer. Man weiß nie, wer gewinnt. Man läuft, um die Kalorien zu verbrennen, die man anschließend in Form vieler Gänge wieder zu sich führen muss. Trotzdem laufe ich auch heute wieder exakt 13,5 Mal den 372 m langen Jogging-Pfad auf Deck 7 ums Schiff herum (heute in ganz passablen 27 Minuten).
Die Taschen sind bereits voll mit vielen Fotos von der Besichtigung der Brücke am früheren Morgen. Mittags gibt es Austern & Fischiges & Mucke aus der Waterkant. Abwechslung an Seetagen ist wichtig, sonst meutert die Mannschaft…
Der Nachmittag ist schnell "verlesen". Abends ist "leichte Eleganz" angesagt, aber die Speisen sind wieder "sehr" elegant. Auch der Wein schmeckt prima. Ist ja auch kein Wunder. Ist es doch der gleiche wie gestern… Die Show "Celtic Dreams" zum Abschluss des Abends im Theater gefällt uns gut, und die 70 Minuten vergehen schnell. Fast so schnell wie wir anschließend im Bett sind – jedoch nicht, ohne vorher einen Blick in die Bibliothek geworfen zu haben, um Lesenachschub zu bekommen…

 

 

  

 

 

19.10.2014 – Nauplia / Peleponnes / Griechenland – locker bewölkt, 20°
Im Lachen liegt der Schlüssel, mit dem wir Menschen entziffern

Um 6 Uhr morgens schmeißt uns der Wecker bzw. das Smartphone unerbittlich in den noch nachtschwarzen Morgen. Das muß das Morgengrauen sein! Aber heute ist unser erster Ausflugstag auf dieser Reise, da wollen wir uns keinesfalls verspäten. Und obwohl wir nicht die besten Urlaubserinnerungen an Griechenland haben, freuen wir uns auf die frühere griechische Landeshauptstadt Nauplia (sprich: Naffplion), die Halbinsel Peleponnes und den Kanal von Korinth. Tourguide Angelika ist eine waschechte Hamburger Griechin. Ihre deutsche Mutter ist dem griechischen Vater in sein Land gefolgt; folglich spricht Angelika beide Sprachen perfekt. Und das ohne Unterlaß! Auf diese Weise erfahren wir zwar unendlich viel über die griechische Geschichte. Aber im gleichen Atemzug vergißt man 90% der Informationen wieder, weil durch den stetigen Redefluß die Augen-Zuklapp-Hormone angeregt werden, und zwar im ganzen Bus...
So kämpfen wir uns durch die gebirgige Landschaft bis hin zum ersten Stopp, einer großen Ausgrabungsstätte. Im Nachhinein kommt es uns so vor, als habe man die Hälfte der Zeit in der Warteschlange vor den Toiletten verbracht. Ganze Busladungen von Touristen werden hierher kutschiert (bei unserem Eintreffen zählten wir 9 Busse auf dem Parkplatz), aber auf dem ganzen Gelände findet man nur 3 Toiletten – zwei für die Damen, der Rest für die Herren…
Interessant sind die Ausgrabungen deshalb, weil sie einen recht guten Einblick ins damalige Leben bieten. Teilweise wurden die Bauten ansatzweise wieder errichtet, um der Phantasie auf die Sprünge zu helfen. Dank der Ruinen und der Ausführungen von Angelika werden die Bilder wieder lebendig.
Eine zweite Pause gibt es am Kanal von Korinth. Ja hallo, das ist mal eine echt sehenswerte Attraktion! Hier sehen wir einen Wassergraben, von Menschenhand 100 m tief in die Erde getrieben, der links und rechts die Gesteinsschichten – vor allem Kalksandstein – sichtbar macht. Seine 6,3 km Länge machen aus der Halbinsel Peleponnes eine Ganz-Insel. Lediglich vier Brücken hindern sie daran, abgetrieben zu werden. Von einer dieser Brücken kann man sich auch todesmutig in die schmale Schlucht mit dem blau leuchtenden Wasser tief unten stürzen. Kann man. Muß man aber nicht.
Der Rückweg im Bus zum Schiff verläuft weitgehend ereignislos. Die Fahrt führt durch ausgedehnte Orangen- und Olivenplantagen, hie und da durchbrochen von Weinreben. Wir erfahren, dass auch der hiesige Wein an Qualität und Bedeutung gewinnt und das Niveau des einfachen Retsina längst hinter sich gelassen hat.
In Nauplia selber gibt es am Hafen noch einen echten Stau, als uns ein anderer Bus in der zugeparkten Hafeneinfahrt entgegenkommt. Es ist Sonntag, und alle Griechen aus dem Umland sind hierher gekommen und parken die Wege zu, um im Ort mit der Familie essen zu gehen oder einfach auf dem Marktplatz zu sitzen und den Kindern beim Spielen zuzusehen. Und Kinder gibt es hier ohne Ende! Auch Hunde und Katzen laufen umher, und keiner weiß, zu wem sie gehören. Bei den Tieren. Und bei den Kindern. Es ist das reine Chaos. Äußerst interessant.
Die Altstadt von Nauplia besteht aus wunderschönen engen Gassen mit bunt blühenden Sträuchern an den Seitenwänden. Dutzende von Restaurants mit Hunderten von Terrassentischen ziehen sich über viele Straßenzüge bis hinauf zum stadtbegrenzenden Berg mit der alten Festung Akronauplia obendrauf, zu der man über 999 Stufen gelangen kann. Nein, obwohl es juckte, haben wir das nicht nachgeprüft. Lieber noch ein Eis in der besten Eisdiele Griechenlands, und schon geht es (mit dem Tender) zurück zum Schiff, vorbei an der MS EUROPA II, die ebenfalls hier rumlungert. Die Zeit bis zum Abendessen vertreiben wir uns mit Lesen oder Joggen.
Abends begrüßt uns noch Anne Welk mit einem Auszug der bekanntesten Musical-Lieder. Der Abschluß erfolgt dieses Mal mit einer Flasche Sekt, die uns die nette Familie Keller aus Köln auf ihrer Kabine spendiert. Um halb zwölf liegen wir dann endlich im ziemlich schaukelnden Bett, denn es weht nachts ein lecker Windje mit bis zu 8 Beaufort.

 

 

  

 

 

20.10.2014 - Seetag / abends Istanbul – Sonne, 16°
Mit den Füßen sollte man in der Heimat verwurzelt sein. Die Augen aber sollten durch die Welt streifen

Um 8 Uhr morgens erwartet uns die Sardell .. äh die Dardanellen - Meerenge. Zweieinhalb Stunden lang passiert uns im Verlauf dieses Vormittages links und rechts in einer Entfernung von vielleicht einem Kilometer braunes, karg bewachsenes und hügeliges Land. Diese Passage erfolgt mit einem Lotsen, denn stellenweise ist die Fahrrinne recht schmal. Der starke Schiffsverkehr tut sein übriges. Hinter uns, vor uns und neben uns sammeln sich zahlreiche Schiffe, wie in einem Flaschenhals verengen sich hier die Abstände zwischen den Objekten.
Nach dem obligatorischen 5 km-Lauf – diesmal bei recht angenehmen Außentemperaturen und dadurch passablen 26 min – liegen wir auf dem Sonnendeck ganz oben auf Deck 11 und lassen die Gegend an uns vorbeiziehen. Heute abend erreichen wir Istanbul, den ersten Höhepunkt dieser Reise. Bis dahin liegt aber noch einmal ein entspannter halber Seetag – oder besser: Küstentag – vor uns. Den wir mit Lesen und Dösen vertrödeln, denn wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier.
Die Einfahrt in die Stadt der zwei Kontinente ist eindrucksvoll. Ein Moloch von Häuserschluchten zieht an uns vorbei, während wir nachmittags unserem Ziel näher kommen. Keiner kennt die genaue Einwohnerzahl dieses Land verschlingenden Ungeheuers. Man spricht von 17 bis 21 Millionen. In der Nähe des Goldenen Horns finden wir schließlich kurz vor Sonnenuntergang unseren Liegeplatz.
Das Abendessen wird schnell abgehandelt, denn wir wollen abends auf eigene Faust die Stadt – oder wenigstens einen winzigen Bruchteil – erkunden. Richtung Galata-Brücke geht es los. Die Metropole wuselt um uns herum. Der Taksim-Platz soll unser Ziel für heute sein. Deshalb biegen wir in den Stadtteil Galata ein, bevor wir das Goldene Horn mit der Galata-Brücke erreichen. Ohne wirklichen Straßenplan geht es in die Arterien der Großstadt hinein. Immer schmaler werden die Gassen, immer dunkler die Beleuchtung, immer zwielichtiger die Gestalten. Hier finden wir bestimmt nicht die große Einkaufstrasse Defterdar Yokusu, die im weiteren Verlauf in den Taksim Platz mündet. Da haben wir uns doch glatt verlaufen. Zum Glück hilft uns eine freundliche junge Frau aus der Patsche und weist uns den richtigen Weg, der nicht mal weit entfernt ist. Minuten später sind wir wieder richtig, und hier tobt aber das wahre Leben, kann isch schwören, Alter! Geschäft an Geschäft an Restaurant an Ümbüss Büde äh Imbiss Bude. Die ganz großen Marken sind hier ebenso vertreten wie völlig unbekannte nationale Label und Ramschläden. Ein Trubel wie am letzten verkaufsoffenen Samstag vor Weihnachten, und das um halb zehn abends. Der reine Wahnwitz! Dieser wogende Irrsinn zieht sich durch den halben Stadtteil bis hin zum Taksim Platz, den wir nach einer weiteren halben Stunde erreichen. Man wird völlig erschlagen von dem Gewimmel. Ohne etwas zu kaufen, machen wir uns auf den Rückweg zum Schiff, bevor wir die Orientierung erneut verlieren. Zurück ist es etwas leichter. Man findet immer mal wieder Blickpunkte, die einem bekannt vorkommen. Schließlich finden wir zurück zum Schiff und sind früh um Elfe in der Koje, weil es ja morgen bereits wieder beizeiten ins tosende Istanbul zurückgeht!

 

 

  

 

 

21.10.2014 – Istanbul / Türkei & Bosporus-Meerenge – sonnig, 18°
Ein türkischer Mokka bringt 40 Jahre Erinnerung

Früh am Tage beginnt unser Tagesausflug "Istanbul Intensiv". Schnell stürzt sich der Ausflugsbus in den morgendlichen Berufsverkehr und bringt uns über die Galata-Brücke ins Alte Viertel mit der Blauen Moschee (die hier aber nur Sultan-Achmed-Moschee genannt wird) und dem Topkapi-Palast. Letzter ist leider heute geschlossen – wofür wir später eine kleine Entschädigung von der Reiseleitung bekommen. Mit einem kleinen Knopf im Ohr, der uns die Stimme des türkischen Guides direkt in den Kopf überträgt, tappern wir 9 Stunden lang durch das quirlige Dörfchen und lassen die Erklärungen über uns ergehen. Manchmal schalten wir sie auch ab. Wie seinerzeit die Tourguides in Casablanca in der Moschee Hassan II, so geht auch unser heutiger Führer dermaßen in seiner Religion auf, dass er sich eine geschlagene Stunde mit detaillierten Hintergründen in der Blauen Moschee verliert. Aha, deshalb der Knopf zum Abschalten…
Den Katakomben von Istanbul statten wir ebenfalls einen längeren Abstecher ab. Nicht weit von der Hagia Sofia entfernt, tauchen wir ab in den Untergrund und bewundern diese riesige, antike Zisterne, die alleine durch ihre Größe schon einen gewissen Gänsehaut-Charakter aufweist. Hier im flachen Wasser schwimmen Fische, die nie im Leben das Tageslicht sehen werden. Wir aber haben mehr Glück und tauchen alsbald wieder an der Erdoberfläche auf.
Mittags bekommen wir einen recht schmackhaften Lunch in einem großen türkischen Restaurant, bevor wir den zweiten Teil des Mammutausflugs in Angriff nehmen: im großen überdachten Basar haben wir 90 Minuten Zeit, um uns mit Dingen einzudecken, die man eigentlich gar nicht benötigt.
Den Galata-Turm hingegen besichtigen wir nicht mehr. Die Zeit, die der Guide am Morgen mit ellenlangen Auslassungen in der Moschee vergeudet hat, fehlt uns nun: eine 50 Meter lange Warteschlange am Turm-Eingang tut sein übriges. Mögen einige Leute auch hochgegangen sein, wir trinken lieber in Ruhe einen Mokka und warten auf die anderen Ausflugsteilnehmer. Oder auf die 40 Jahre Erinnerung. Was immer auch zuerst eintrifft…
10 min vor Abfahrt des Schiffes sind wir schließlich wieder an Bord. Es bleibt keine Zeit mehr, sich umzuziehen. Wir laufen direkt nach oben aufs Pool-Deck und lassen uns das pünktliche Auslaufen des Schiffes um 18 Uhr nicht entgehen. Und greifen natürlich ein oder zwei Glas Sekt ab. In der untergehenden Sonne laufen wir in den Bosporus ein und lassen achtern die Silhouette der tausend Minarette vor dem glutroten Himmel passieren. Ein Märchenbild wie aus 1001 Nacht. Unvergessliche Momente entstehen hier in aller Leichtigkeit des Seins.
Das Diner hält aber auch wieder ein paar schöne Momente für uns bereit. Und anschließend gibt es wahlweise die "Schlager und Musicals von Udo Jürgens bis Gitte Henning" oder eine dicke Zigarre mit einem Glas Wein in der Havanna-Bar. Hüstel…
An der Küste: Buchten mit Steinstränden

 

 

  

 

 

22.10.2014 - Konstanza / Rumänien – Wolken, 15°
Wer nur zurückschaut, kann nicht sehen, was auf ihn zukommt

Kurz nach Tagesanbruch laufen wir in den Hafen von Konstanza ein. Wie üblich haben wir die Strecke zwischen den Häfen nachts zurückgelegt, um tagsüber Zeit für die einzelnen Destinationen zu haben. Im Port liegen wir erst mal eine Weile mitten im Hafenbecken – eine nicht ganz ungefährliche Position. Der ursprüngliche Pier wird von einem Marineschiff beansprucht. Die Marine hat hier offensichtlich Vorfahrt. Der Ausweichpier wird von einem Fischerboot versperrt. Es dauert eine Weile, bis der Kapitän des Fischerbootes verständigt ist. Erst nach einem Rangiermanöver des Fischers passen unsere 192 m und 82 cm in die Parklücke.
Der Ausflug ins Donaudelta beginnt für uns früh um 07:45 Uhr wie üblich am Treffpunkt "Atlantik Lounge". Eine zweieinhalbstündige Busfahrt bringt uns ins 125 km entfernte Tulcea, einer etwa 100.000 Einwohner zählenden Großstadt im Donaudelta. Die Busfahrt ist öde. Die Straßen sind z.T. immer noch in katastrophalem Zustand, werden aber inzwischen wenigstens mancherorten repariert bzw. mit Asphalt versehen. Die Landschaft ist eintönig. Es gibt viele Hügel, aber wenig Bewaldung. Karge Felder ziehen vorbei, manchmal sieht man etwas Weinanbau. Von hier kommt zum Beispiel zu einem guten Teil der rumänische Muskat. Ein Städtchen, das fast vollständig von Zigeu äh Sinti bewohnt ist, stellt schon fast die einzige Abwechslung auf der Strecke dar. Alles, was wir auf dieser Tour entlang den Straßen sehen, sieht ärmlich aus. Es sind immer noch die Auswirkungen von 40 Jahren Kommunismus zu erkennen, der 1989 überwunden wurde. Die Reiseleiterin erzählt sehr ausführlich von ihrem Volk und dem Land. Bald fallen uns im Bus die Augen zu.
Auf der "Europolis", unserem Donauboot, sind wir dafür umso wacher. Hierbei handelt es sich um ein 8.000 BRT großes Boot mit einem Tiefgang von 70 – 90 cm, damit hervorragend geeignet, um in die Tiefen und Verzweigungen des Donaudeltas einzudringen. Weiden und Schilf hängen über den schmalen Kanälen, durch die wir uns quetschen. Teilweise ist die Fahrrinne kaum breiter als das Boot. Äste streifen uns. Man muß die Augen offenhalten. Das Kapitänspatent muß hier im Delta zyklisch erneuert werden, und fast schon überlebenswichtig ist die regelmäßige Befahrung dieses Labyrinths. Ein Jahr Pause, und die Kanäle haben sich derart verändert, dass sich hier kein Kapitän mehr sicher bewegen könnte.
Die Fauna hält sich mal wieder vornehm zurück und läßt sich kaum blicken, obwohl im Donaudelta 98% aller Tierarten Europas zu finden sind. Ein Seeadler, ein paar Kraniche und ein Kormoran sind die magere Foto-Ausbeute der heutigen Foto-Jagd. Aber immerhin kommt die Sonne noch raus und es gelingen einige schöne Landschaftsaufnahmen. Ach so, und auch die ehemalige Privatyacht namens "Siret" des ehemaligen rumänischen Diktators namens "äh, wie hieß der noch gleich..." kommt uns noch vor die Linse (hier rechts zu sehen).
Der gleiche Bus bringt uns in der gleichen Zeit zurück aufs gleiche Schiff. Kurz vor 18 Uhr, der Auslauf- und auch der Diner-Zeit, sind wir wieder an Bord. Ein harmonisches Menu wird von einem harmonischen Chanson-Abend mit Désirée Brodka gefolgt. Der Champions-League-Übertragung im Bordkino bleiben wir aber fern, denn es locket die Koje…

 

 

  

 

 

23.10.2014 – Odessa / Ukraine – Regen, 11°
Das wichtigste Stück Reisegepäck ist und bleibt ein fröhliches Herz

Dichte, dunkle Wolken und ein graues, tristes Meer begrüßen uns bei der Einfahrt in den größten Hafen der Ukraine.
Die "Panoramafahrt durch Odessa" steht unter keinem guten (Wetter-) Stern. Eine volkstümliche Kapelle schmettert uns einige Märsche zur Begrüßung entgegen und wird dabei klitschkonass. Das "Hotel Odessa", erstes (oder höchstes?) Haus am Platz, wacht über den Hafen. Ungezählte stählerne Arme strecken sich im angrenzenden Handelshafen in den Himmel.
Die ukrainische Reiseleiterin führt uns dreieinhalb Stunden sicher durch das schachbrettartig aufgebaute alte Zentrum der auf Befehl Zarin Katharinas errichteten Hafenstadt. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen entlang der Busroute und sind in der Innenstadt versammelt, als da wären:
 
- Opernhaus
- Philharmonie
- Illinsky Kathedrale
- De-Ribas-Straße (die Einkaufsstraße der Ukrainer)
- Voroncov Palast
- Christi-Verklärungs-Kirche
 
In einer Hausbrauerei im Stadtpark gibt es einen heißen Kaffee oder Tee. Er tut gut bei diesem tristen grauen, nassen und kalten Wetter. Und trotz des trüben Lichtes ist die Fotoausbeute groß, denn Odessa hat viele großartige Gebäude. Teilweise müssten sie allerding dringend saniert werden. Die Mietshäuser in Privatbesitz sind hier zum Großteil bereits saniert und passen hervorragend zu den großzügig angelegten, breiten, mit Akazien oder Kastanien bepflanzten Boulevards. Öffentliche Gebäude sind oft noch eingerüstet und warten auf ihre Wiederherstellung. Leider verfallen hier manche Gerüste mit den durch sie eingerüsteten Gebäuden. Offensichtlich hat man seinerzeit mit der Sanierungseinrüstung angefangen und wartet seither (also seit Jahren) auf die nächste Geldspritze. Auch die Straßen und Bürgersteige befinden sich oft in einem äußerst .. hm .. osteuropäischen Zustand. Man sollte schon aufpassen, wohin man tritt, denn es gibt Unebenheiten und ziemlich tiefe Löcher, die sich bei Regen blitzschnell in kleine Seen verwandeln. Ab und zu fehlt auch mal ein Gullydeckel. Oder Strecken sind erst gar nicht gepflastert. Oder zwei Wege treffen aufeinander, aber der eine ist 20 cm höher als der andere…
Insgesamt hat Odessa mehr einen morbiden Charme als den Anschein einer modernen, jungen Großstadt, obwohl hier sehr, sehr viele Studenten wohnen, die in einer der 19 Universitäten (!) studieren.
Am frühen Nachmittag, lange nach Ende der Bustour und nach Einnahme einer kleinen Stärkung, ziehen wir nochmals auf eigene Faust los. Per pedes gelangen wir über das Wahrzeichen der Stadt, der Potemkinschen Treppe, in das alte Stadtzentrum mit den vielen historischen Bauwerken. Unser Ziel ist die Illinski-Kathedrale, die wir trotz einiger Klippen, die wir zu umschiffen haben, nach kurzer Suche finden: unser Stadtplan zeigt zwar alle Straßen an, jedoch in lateinischer Schrift, während die Straßenschilder mit kyrillischen Schriftzeichen versehen sind.
Viele Bettler begegnen uns auf den Straßen, und auch Armani-tragende Porschefahrer fallen im Stadtbild auf. Ganz reich und ganz arm liegen hier dicht beieinander.
Gegen 16 Uhr fängt es dann endgültig an zu schiffen, aber frach net nach Sonnenschein. Wir sind natürlich am entferntesten Punkt unseres "Pilgerweges" durch Odessa, dem Zentralbahnhof (ein Sackbahnhof). Der Weg zurück zum Schiff gestaltet sich also ziemlich feucht. Zur Nässe von oben gesellt sich die Nässe von unten: zahllose Pfützen und Rinnsale bilden sich innerhalb von Minuten. Kein Wunder bei den wolkenbruchartigen Schauern. Die guten und teuren Regenjacken mit der Tatze drauf arbeiten jedoch nach Kräften, uns wenigstens oben herum trockenzuhalten, und deshalb wird uns auch zum Glück nicht so richtig kalt.
Ohne eine anständige Flasche Wodka verläßt man diese Hafenstadt natürlich nicht. Für etwa Euro 3,50 bekommen wir eine gute Flasche mit 0,7 l Inhalt und mildem Aroma. Zusätzlich finden auch noch einige Matrjoschka-Puppen den Weg in unseren Rucksack, erstanden am Soborna-Platz, wo man ebenso die Christi-Verklärungs-Kirche findet. Auch Batterien bekommen wir in einem Supermarkt. Kein Problem. Aber diese sind teurer als der Wodka. Und damit ist der Verdienst wieder hin...
Abends an Bord verfolgt uns die Ukraine: die Chaika‘s, eine einheimische Folkloregruppe, ist mit an Bord gekommen, oder besser gesagt: hat das Schiff geentert. An die 60 Akteure mischen das Theater auf und wirbeln nur so über die viel zu kleine Bühne. Der Kreuzfahrtdirektor hatte bereits im Vorfeld des Auftrittes die Augen verdreht ob dieser "ukrainischen Invasion". Aber die wirklich professionelle und mitreißende Aufführung läßt dann schließlich auch ihn lächeln. Und damit ist dann auch dieser Tag zu Ende.
Zu Ende? Noch nicht ganz. Es kommt noch eine klitzekleine Schiffsdurchsage, kurz nach 22 Uhr. Sie informiert uns, dass das für 23 Uhr geplante Auslaufen des Schiffes durch die immer schlechter werdende Wetterlage unmöglich gemacht wird. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt uns, dass wir uns nun mitten in einem Sturm befinden: selbst im geschützten Hafen sind die Wellen meterhoch und haben weiße Kronen angezogen. Die neue Planung sieht jetzt den Abschied von Odessa für morgen früh um 8 Uhr vor. Na dann gute Nacht…

 

 

  

 

 

24.10.2014 - Immer noch Odessa / Ukraine – Sturm & Regen, 1°
Hinter Reisen verbergen sich heimliche Bestimmungen, von denen der Reisende nichts ahnt

In der ersten ursprünglichen Bestimmung sollten wir am heutigen Tage auf der Krim sein. Diese Destination wurde jedoch bereits vor Längerem gestrichen, weil die politische Lage auf der Krim etwas ... sagen wir undurchschaubar ist. Als Ersatz war seinerzeit ein Ausgleichs-Seetag eingeschoben worden, damit der restliche Reiseverlauf wieder stimmt. Nun wird uns dieser Seetag auch wieder weggenommen, weil wir Odessas Hafen gar nicht verlassen können. Die für 8 Uhr geplante Weiterfahrt wurde nämlich soeben kurzerhand ebenfalls gestrichen und um 24 Stunden verschoben. Der Wind ist einfach zu stark. Man schaue sich bitte das Wetterbild rechts an: obwohl wir im Hafen liegen und keine Fahrt haben (0,1 Knoten), kommt der Wind mit 33 Knoten von achtern backbord. Das ist etwa Windstärke 8. Damit ist uns gleichzeitig die Destination Sotschi annulliert worden, weil wir sonst hinten raus nie pünktlich zum Reise-Endziel Venedig gelangen würden.
Stattdessen wird ein Behelfsprogramm in Odessa angeboten. Phönix-Reisen hat auf die Schnelle 5 verschiedene Ausflugsangebote in und um Odessa auf die Beine gestellt, plus einen kostenlosen Bus-Shuttle ins Stadtzentrum. Wir nutzen allerdings keine dieser Optionen und wollen nachmittags nochmals auf eigene Faust über die Potemkin-Treppe die Metropole besichtigen gehen. Den Morgen vertreiben wir uns daher mit Sport oder Lesen. Der Jogging-Parcours auf dem Promenaden-Deck ist vom Winde verweht, daher muß ich mit dem Laufband im Fitness-Raum vorliebnehmen.
Nach einem kleinen Mittags-Snack und –nap wagen wir uns dann dick vermummt von Bord. Auf dem ersten halben Kilometer bis zur großen Freitreppe werden wir kräftig durchgeschüttelt und nass nicht zu knapp. Oben jedoch, 192 Stufen höher und am Portal zur Stadt, verschlägt es uns den Atem. Wir befinden uns in einem Sturm, der wahrlich atemberaubend ist! Wir halten uns mit Mühe auf den Beinen. Wo sonst fliegende Händler und Konsorten auf touristische Kundschaft warten, herrscht heute gähnende Leere – heute gibt es hier nur weggeflogene Händler. Überall liegen Blätter, Äste und auch der eine oder andere Dachziegel herum. Das schaumkronenverzierte graue Meer ist unter den tiefen, dunklen Wolken kaum auszumachen. Der Sturm peitscht uns fette Regentropfen ins Gesicht: ein Gefühl, als ob man mit eiszapfenbewehrten Peitschen bearbeitet wird.
Dies ist für uns der richtige Zeitpunkt für den Entschluß, umzukehren und wieder aufs Schiff zu gelangen. Fotos kann man eh kaum schießen. Die Straßen sind menschenleer, alles sieht trist und verlassen aus. Mit roten, steifgefrorenen Händen geben wir auf und trotten zurück. Ein paar Crew-Mitglieder geben nicht so schnell auf. Lachend und lärmend verschwinden sie in der Trostlosigkeit des Tages. Wir aber freuen uns auf das Abendessen – die letzte Nahrungsaufnahme liegt immerhin mehr als 2 Stunden zurück - und auf die anschließende Bord-Show mit zwei tollkühnen Konzert-Pianisten, die uns gut gefallen und den Laden in Schwung bringen. Frei nach dem Motto: draußen tobt das Meer, und drinnen der Saal...

 

 

  

 

 

25.10.2014 – Immer noch Odessa / Ukraine – sonnig, Sturm, 5°
Manche Menschen schütteln solange den Kopf, bis sie ein Haar in der Suppe finden

Die heutige Ausfahrt aus dem Hafen ist für 10 Uhr morgens geplant. Um 9 Uhr treffen wir uns zur Wirbelsäulen-Gymnastik. Während wir unsere Übungen veranstalten, schmeißt der Maschinist bereits die Motoren an. Es scheint also endlich so zu sein, dass wir Odessa verlassen können.
Ich hänge noch eine Fitnessrunde auf dem Laufband hintendran, als dann die Durchsage des Kapitäns persönlich ertönt: der Wind habe in der letzten halben Stunde wieder aufgedreht und liegt somit wieder über dem maximal erlaubten Wert von 12 m/sec, den die Hafenmeisterei festgelegt hat. Folglich hält sie auch den Hafen weiterhin geschlossen. Ein späterer Blick auf die aktuelle Wetterkarte im Bordfernseher bestätigt diese Aussage: obwohl das Schiff im Hafen liegt, wird es vom Wind immer noch mit über 30 Knoten getroffen.
Na Prost Mahlzeit. Damit ist nun auch die Anfahrt nach Sinop / Türkei gestrichen. Je länger wir hier festsitzen, desto weniger bekommen wir auf dieser Kreuzfahrt zu sehen. Stattdessen dürfen wir noch einen weiteren Tag in dieser "anziehenden" Stadt verbringen. Wenigstens ist das Wetter etwas besser geworden. Ein äußerst stürmischer Tag zwar immer noch, und es ist eiskalt. Aber zumindest lugt die Sonne hervor.
Nach einer Tasse Gulaschsuppe beim Frühschoppen entschließen wir uns daher, noch einmal zu Fuß in die Stadt zu gehen. Und a propos "anziehend": dick vermummt trotzen wir dem stürmischen Wind und wandern bis hin zum Schewtschenko-Park, der grünen Lunge der Stadt, durch ihn hindurch und über viele breite und schmale Strassen und Gassen bis hin zum Deribasovskaya Boulevard, der Haupteinkaufsstraße der Einwohner Odessas.
Der strahlend blaue Himmel verführt uns dazu, viele Fotomotive noch einmal zu erlegen. Andere Passagiere denken wohl ähnlich. Damit dürfte diese Lokalität in diesen Tagen der meistfotografierte Ort am Schwarzen Meer sein.
Abends dürfen wir dann endlich das seit zwei Tagen verschobene Gala-Diner genießen. Neun wunderbare (und zum Glück kleine) Gänge liegen vor uns. Der Sektempfang vorher zählt noch nicht einmal dazu. Ach, die Speisenfolge wäre ganz interessant? Bitte sehr:

 
- Tuna Sushi-Praline, Lachskaviar, Terijaki-Wasabi-Schmand
- Roastbeef vom Angus-Rind, Gänseleber-Creme, Mango-Rosmarin-Sauce
- Steinpilzsuppe mit Brioche-Croutons
- Soufliertes Shrimps-Törtchen, getrüffelte weiße Bohnen, Hummerschaum
- Ginger Ale – Minze Limonen-Sorbet
- Kalbsrücken am Stück gebraten, Wildkräuterjus, glasiertes Gemüse, Kartoffelcreme
- Gebackener Schokoladen-Pudding, Passions-Fruchteis, Granatapfel-Sahne
- Chaumes, Serrano-Knusper, Pfefferhonig
- Kleine Naschereien

 
Ein Medley der schönsten Lieder aus vielen bekannten Musicals runden diesen glanzvollen Abend ab. Und ein kleiner Absacker aus der Minibar auf der Kabine beschließen ihn denn auch endlich.
Morgen früh um neune ist jetzt der ultimative Abfahrts-Termin. Hoffen wir mal, dass es dabei bleibt!!!
I

 

 

  

 

 

26.10.2014 – Odessa / Auf See – sonnig, stürmisch, 3°
Glück ist: das zu mögen, was man tun muß, und das tun zu dürfen, was man mag

Wir sind immer noch Spielball der Naturgewalten. Werden wir hier jemals wieder herauskommen? Oder sind wir für immer in der Zeitschleife "Odessa-Sturm" gefangen? Die Windgeschwindigkeit ging in dieser Nacht auf etwa 23 Knoten zurück. Dies sind immer noch um die 12 m/sek und liegt somit genau an der Grenze der Toleranz, die für die Hafenbehörde maßgeblich ist. Es bleibt spannend. Die Schiffsmotoren werden jedenfalls angelassen, und alles wird zum Auslaufen vorbereitet. Auch zwei Schlepper sind bestellt, die uns durchs Hafenbecken zum strategisch günstigsten Auslauf-Vektor ziehen sollen. Auf jeden Fall ist dies ein heikles Manöver und kann auch in die Hose gehen bzw. abgebrochen werden. Um 9 Uhr ist es soweit. Ein Feuerschiff liegt seit einer halben Stunde ebenfalls in der Nähe. Sollte der stürmische Wind uns an einen Kai pusten und ein Feuer ausbrechen, ist man vorbereitet. Gut zu wissen. Har har. Aber es tut sich endlich was, und vielleicht klappt es ja und es geht tatsächlich weiter. Wir Passagiere lassen uns das Schauspiel natürlich nicht entgehen und versammeln uns oben auf den Decks, um der Arbeit der beiden Schleppdampfer zuzusehen, die jeweils $ 5.000 pro angefangene Stunde kosten. Sie sollen uns im engen Hafenbecken drehen und verhindern, dass wir an eine Kaimauer gedrückt werden. Weiterhin sollen sie uns in die strategisch günstige Lage bringen, dass der Kapitän nur noch Gas geben und in die enge Hafenausfahrt eínfädeln muß. Diese Manöver sind nicht ungefährlich, und noch sind wir nicht weg aus Odessa. Selbst mit beiden Schleppern wird es knapp werden, vor allem weil die Amadea in den Wind dreht und damit die volle Breitseite dem Sturm zugewandt ist. Werden wir bei der Ausfahrt gegen die Mole gedrückt?
Eine Dreiviertelstunde lang zerren und drücken uns die Schlepper, bis es schließlich geschafft ist. Jawoll! Endlich verlassen wir Odessa und schippern hinaus in das sturmgepeitschte Schwarze Meer. Vorbei an den vielen Dutzend Frachtschiffen, die seit Tagen nicht in den Hafen hineinkommen und entlang der Drei-Meilen-Zone dümpeln.
Dieser Seetag hat es wirklich in sich. Es herrscht grobe See (für Kenner: Windstärke 6). Schwupps! hängen die Tüten in den Gängen und den öffentlichen Räumen. Die Essenszeiten sind merklich entspannter, um nicht zu sagen halb leer. Ein solcher Seetag verläuft auf vielen Schiffen ähnlich und sieht auf der Amadea so aus:

 
07:00 – 08:00 - Early Bird (Frühstück für Frühaufsteher)
08:00 – 10:00 - Frühstück im Restaurant "Vier Jahreszeiten"
08:00 – 11:00 - Frühstück im Restaurant "Amadea"
08:00 – Frühsport mit Uli
09:00 – QI-GONG
09:15 – ökumenischer Gottesdienst
10:00 – Tischtennis mit Jean-Jaques
10:15 – Das Weltreich der Osmanen (Vortrag)
11:00 – Shuffleboard-Turnier (darf auf keiner Kreuzfahrt fehlen)
11:00 – 11:45 - Boullion oder Kaltschale auf dem Pool-Deck
11:00 – Amadea Golf Club / heute: Abschlag ins Meer
12:00 – Flaggenraten mit Jean-Jaques
12:30 – 14:00 - Mittagessen in beiden Restaurants
14:15 – Spieletreff mit Sascha
14:15 – Gästechor-Probe mit Rainer
14:30 – Kniffeln mit Roby
15:15 – Modenschau der Mitreisenden
15:30 – Bauch, Beine, Po
15:30 – Stadt, Land, Fluß mit Roby
15:30 – Amadea Golf Club / heute: Putten auf den Greens / Hole-in-one Wettbewerb
15:30 – 16:30 - Tee- und Kaffeestunde
16:30 – Zumba Fitness mit Bibi
16:30 – Bingo! mit Roby
17:30 – Tanzen leicht gemacht mit dem Showensemble-Tanzpaar Sandra & Niels
17:30 – Walk-a-mile mit Jean-Jaques
17:30 – 18:30 - Happy hour in allen Bars (Cocktails zum halben Preis)
18:00 – 21:00 - Abendessen in beiden Restaurants
ab 20:00 – Pianomelodien mit Vladimir Hnat
ab 20:00 – Tanzmusik mit dem Amadea-Duo Angela & Bartolomej
20:00 – Abend-Eröffnung in der Atlantik Lounge mit der Amadea Showband
21:00 – "ABBA in Concert” mit dem Amadea Show-Ensemble
21:15 – Überraschungsfilm im Bordkino
ab 22:00 – Flower-Power-Party in Harry’s Bar
22:30 – 23:00 - Late Night Snack / heute: Mini-Pizza
23:00 – Sternenbeobachtung mit F.-J. Kühmichel

 
Der Nachmittag verflüchtigt sich in Wellentälern und auf –kämmen. Aber gaanz laangsaam beruhigt sich die See. Abends ist das Restaurant schon wieder ganz ansehnlich gefüllt. Das Diner ist hervorragend und mal wieder viel zu üppig. Aufgrund beider Erkältung geht es nach der Kalorien-Aufnahme direkt auf die Kabine, wo nach ein paar Seiten leichter Lektüre der Matratzenhorchdienst eingeläutet wird.

 

 

  

 

 

27.10.2014 – Auf See – Regen, windig, 11°
Die Geduld nicht verlieren, auch wenn es unmöglich erscheint: DAS ist Geduld

Oben auf dem Schiff spürt man den Wellengang mehr als mitschiff im Bauche des Schiffes. Das stellen wir mal wieder fest, als es nach dem morgendlichen Qi Gong in die Vista Lounge geht, einer Aussichts-Bar fast ganz oben, auf Deck 10 am Bug. Die immer noch 4-6 m hohen Wellen erzeugen hier ein ganz angenehmes Kribbeln im Magen. Wir finden gerade noch einen Platz, um uns die Einfahrt in den Bosporus anzuschauen. Der Bosporus, rastlos wie die Stadt, durch die sich diese Meerenge erstreckt, verbindet das Schwarze Meer mit dem Marmara-Meer im Südwesten von Istanbul. An seiner schmalsten Stelle ist er 660 m breit und an seiner breitesten über 3 km. Auf 32 km Länge teilt er Istanbul in zwei Kontinente. Täglich überquert ein Viertel der 12 bis 24 Millionen (oder auch 17 bis 21 Millionen) Einwohner Istanbuls den Bosporus und wechselt damit die Kontinente. Mehr als 55.000 Frachtschiffe durchfahren jedes Jahr diese Meeresstraße. Dazu kommen täglich mehr als 2.500 Barkassen, Yachten, Fähren und Kreuzfahrtschiffe. Bevor die Aufnahme eines Lotsen bei der Durchfahrt des Bosporus Pflicht wurde, kam es in den 1990er Jahren hier zu 217 Unfällen, die zum Glück alle glimpflich abliefen.
Leider führt ab dem späten Vormittag die Dicke Dunkle Regenwolke das Regime: die Sicht ist schlecht, das Fotolicht bescheiden. Ich besuche als Maßnahme gegen die Erkältung das heiße Dampfbad im Spa-Bereich. Hier findet der Gast ein elegantes Refugium vor, in dem man in Ruhe seinen Gedanken nachhängen kann. Sei es in der Finnischen Sauna mit Blick auf die Weltmeere, sei es in der Biosauna oder dem Dampfbad. Oder unter der Erlebnis-Dusche mit Regenwald-Programm. Ist alles inklusive und fernöstlich angehaucht: schwarzer Marmor und Natur-Deko wie Bambus dominieren. Gegen Geld gibt es hier natürlich auch Behandlungen in großer Zahl.
Abends ersparen wir uns die erneute Darbietung der Sopranistin Désirée Brodka im Theater und genießen stattdessen einen Absacker in der Vista Lounge auf Deck 10. € 2,90 für einen "Coconut Kiss" oder € 2,00 für den Tages-Cocktail sind durchaus moderate Preise. Draußen in der Dunkelheit ziehen die Dardanellen vorbei, die das Marmara-Meer mit dem Mittelmeer verbinden. Ca. 2 Stunden dauert die Durchfahrt hier. Sie ist fast so eng wie der Bosporus, aber für die Seefahrt nicht dermaßen gefährlich. Trotzdem – oder gerade deswegen – kommt auch hier kein Kapitän um die Intervention eines Lotsen herum. Und gegen 22 Uhr werden auch wir sicher von der Müdigkeit in die Kabine gelotst! Kalinichta!

 

 

  

 

 

28.10.2014 – Mykonos / Griechenland – sonnig bis wolkig, 16°
Mit einer geballten Faust kann man keinen Händedruck austauschen

Endlich mal wieder einen Sonnenaufgang sehen! Kurz vor sieben Uhr holt der Himmelsbäcker den Farbkasten raus und bemalt die Weltenkuppel mit flammrotem Lack. Die Temperaturen an Bord klettern auch wieder in den zweistelligen Bereich. Die Sonne tut dem Schiff bzw. uns Ameisen darauf richtig gut.
Gegen 10:15 laufen wir in den Hafen von Mykonos-Stadt ein. Schon von weitem blitzen die weiß gestrichenen Häuser auf kargem, braunen Untergrund hervor. Bäume gibt es hier kaum, weil die Insel von allen Seiten im Wind liegt. Kein schützender Berg schiebt sich hier in die Luftzüge. Eukalyptusbäume wachsen auf dieser Insel schon, aber sie ducken sich und werden kaum größer als drei, vier Meter. Auch die Häuser werden hier klein gebaut – einfach, zweckmäßig. Sie haben Flachdächer, weil Holz Mangelware ist und damit teuer. Aus dem gleichen Grund sind Fenster und Türen schmal, man benötigt weniger Holz. Weiß oder Naturstein sind auf der Insel Pflicht; 95% aller Gebäude sind in der typisch mykenischen Farbe getüncht. Viele Lichtluken oder Eingänge sind hellblau abgesetzt. Wir finden viele malerische Motive allerorten.
Ein erster Pirschgang auf eigene Faust dauert etwa 90 Minuten und führt uns zuerst um den Neuen Hafen. Er wurde vor ein paar Jahren etwa 3 km von Mykonos-Stadt entfernt mit EU-Geldern gebaut, wie uns ein riesiges Schild verrät. Über schmale Straßen gelangen wir zu einem nahe gelegenen Strand, der im Sommer sicherlich gut besucht, jetzt aber menschenleer ist. Katzen streunen herum und lassen sich streicheln. Im Sommer werdet ihr sicherlich von allen Seiten gefüttert! Aber nun hat Schmalhans Küchenmeister hier das Regime übernommen. Das Mittelmeer hat jetzt im Oktober hier gerade mal noch 11° - genug, um die Füße einzutauchen. Aber mehr auch nicht.
Mittags führt uns die "Panoramafahrt" in etwa dreieinhalb Stunden um die ganze Insel herum. Der erste etwa einstündige Stopp am Kloster "Panagia Tourliani" bietet viele schöne Fotomotive. Am naheliegenden Marktplatz bekommen wir einen Teller mit griechischen Vorspeisen mit einem Ouzo dazu. Dann geht es weiter zu verschiedenen Stränden, an denen wir jeweils kurz verweilen, um Fotos zu schießen, jedoch nicht um ins Meer zu gehen. Der Tourguide erzählt uns von unglaublichen Preisen hier im Sommer. So sollen € 1.000 pro Tag für einen Sonnenschirm mit zwei Liegen in der ersten Reihe des wichtigsten Strandes in der Hauptsaison nichts Ungewöhnliches sein. Ein Häuschen bekommt man schon für € 30.000 bis 110.000. Gemietet. Pro Woche. Am "richtigen" Ort. Wo die "Haute Volaute" sich niedergelassen hat…

 
Für den heutigen Abend ist die Show der Crew angesetzt. Auf dieser Kreuzfahrt sind die "ungeschliffenen Diamanten" seltener gestreut als bei der letzten Seereise. Natürlich strengen sich alle Akteure nach Kräften an, und wir bekommen von Gesangseinlagen über Tanz, Volks-Chor und Instrumental-Darbietungen einiges geboten.
Zur anschließenden Crew-Party reicht es auch noch. Aber in dessen Verlauf liegt eindeutig das eine oder andere Glas Wein zuviel in der Luft…

 

 

  

 

 

29.10.2014 - Seetag – Sonne, 22°
Die eigene Perspektive ist nur eine selbst auferlegte Grenze auf dem Weg zu höheren Erfahrungen

Heute liegt der letzte Seetag dieser Reise vor uns. Morgen haben wir noch Dubrovnik an der Backe. Aber bis dahin müssen wir erst mal 617 Seemeilen schippern (von Mykonos aus gemessen). Die letzten Reste griechischer Küste hinter uns lassend, kommt uns am Vormittag in diesen Gewässern die MS Albatros entgegen. Sie ist das zweite Schiff der Phönix-Flotte. Komplettiert wird das Duo von der MS Artania, die zum Zeitpunkt dieser Reise in Bremerhaven modernisiert wurde. Die großen, hölzernen Winke-Hände werden hervorgeholt, und man grüßt sich gegenseitig mit dem Schiffshorn, während die beiden schönen Clipper in einer Entfernung von vielleicht einer halben Seemeile aneinander vorbei fahren. Halt! STOPP!!! Bitte das Bild einfrieren! Die Batterien meiner Olympus sind mitten im Schuss leer. Aber nein, unerbittlich zieht der Augenblick und das Schwesternschiff vorbei. Ich stehe mit meiner toten Kamera in der Hand an der Reling und winke hinüber. Das Bild auf dieser Seite zeigt aber schon diesen besonderen Moment und wurde uns freundlicherweise von Familie Keller zur Verfügung gestellt.
Später am Vormittag gibt es hier den Bayrischen Frühschoppen mit deftigen Speisen und zünftiger Musik. Und mit dem besten Bier der Welt: dem Freibier! Wir greifen gerne bei den deftigen Speisen zu. Schließlich liegt die letzte Nahrungsaufnahme schon mehr als zwei Stunden zurück…
Nachmittags will uns der Wettergott milde stimmen und sich mit herrlichem Sonnenschein für den Sturm auf dem Schwarzen Meer entschuldigen. Alle Liegen sind belegt. Sogar der im Winter 2013 erneuerte Pool wird frequentiert. Wer hätte das nach den Minusgraden im Schwarzmeer für möglich gehalten? Man läßt die Seele baumeln und tankt diese Extraportion Erholung zur Bewältigung der in Deutschland anstehenden Arbeitswochen gerne auf. Und abends heißt es wieder: das kleine Schwarze und den Smoking rausgeholt! Das Abschieds-Diner verspricht eine weitere lukullische Glanzleistung zu werden. Alleine schon mit der Auswahl beim Hauptgang – Rinderfilet versus Hummer – liegt die Küche in unseren Augen goldrichtig; und auch das übrige "Beiwerk" – bitte vielmals um Entschuldigung für diese schmähliche Herabsetzung der Teller-Ausstattung – läßt nichts zu wünschen übrig.
Und dann ist ja heute auch noch der Zirkus in der Stadt äh an Bord. Mit dem "Cirque du Burlesque" hat das erfahrene Phönix Show-Team eine spektakuläre Bühnenshow inklusive einer gehörigen Portion Akrobatik kreiert, die wahrlich ein Augenschmaus ist.
Physisch und psychisch satt sinken wir am späten Abend in die Kojen. Morgen geht es früh um sechse in Dubrovnik los. Da kommt die Extra-Stunde zum Ende der Sommerzeit wahrlich gelegen.
Und reden wir zum Abschluß dieses letzten Seetages auch noch kurz über die Kabine. Wir haben auf dieser Reise mit Kabine 628 eine Außenkabine (also ohne Balkon, sondern nur mit Fenster) gebucht, was uns für diese Reise zweckmäßig erschien. In wärmeren Gefilden sollte es aber bitte wieder eine Kabine mit Balkon sein! Das Platzangebot in den Außenkabinen auf der MS Amadea ist ausreichend und der Stauraum sogar größer als erwartet. Sämtliche Kleidung für 16 Tage (inkl. Gala- und sonstiger Extra-Montur) sowie drei Koffer und etwa 10 Paar Schuhe können problemlos verstaut werden und sind mithin unsichtbar im Tagesleben auf Kabine. So soll es sein auf Reisen!

 

 

  

 

 

30.10.2014 – Dubrovnik / Kroatien – sonnig, 17°
Nutze die Talente, die Du hast. Die Welt wäre sehr still, wenn nur die begabten Vögel sängen

In der Frühe des Morgens laufen wir in den (Neuen) Hafen von Dubrovnik ein. Zum Glück verziehen sich die dunklen Wolken schnell, die uns drohend bis an die Küste begleitet hatten, und gegen 9 Uhr lugt bereits die Sonne hinter dem Hausberg Dubrovniks, dem Srd (keine Abkürzung, der Berg heißt wirklich so!), hervor.
Die "Rundwanderung durch Dubrovnik" beginnt pünktlich um 8 Uhr. Knappe vier Stunden sind für diesen empfehlenswerten Ausflug veranschlagt. Ein kurzer Foto-Stopp oberhalb der Altstadt – eben auf dem Srd – eröffnet den Bilder-Reigen. Und weiter geht’s mit dem Bus bis zum westlichen Eingang der Stadt, dem Pile-Tor. An dieser Stelle betreten wir über eine Zugbrücke die alten Pflastersteine, die bei Regen äußerst glitschig werden können. Hier im historischen Stadtkern, der im Krieg 1991/92 monatelang beschossen wurde, sieht man nichts mehr von diesem Beschuss. Die gesamte Altstadt bzw. die zerstörten Teile wurden originalgetreu wieder so aufgebaut, wie sie vor dem Krieg aussahen. Hierher flossen jede Menge EU-Gelder. Man erkennt die ersetzten Gebäude lediglich am etwas helleren Ton der Außenfassaden gegenüber den Jahrhunderte alten, stehengebliebenen Originalbauten.
Wie gesagt: die Straßenpflaster sind spiegelglatt poliert. Millionen von Touristenfüßen bringen den hellen Marmor derart auf Glanz, wie es keine Maschine könnte. Heute sind es glücklicherweise nicht so viele Füße wie sonst. Außer uns ist nur noch die AIDAaura vor Ort. Zum Vergleich: in den sieben Saison-Monaten von April bis Oktober legen hier insgesamt 700 Kreuzfahrt-Schiffe an, das sind im Schnitt fünf pro Tag. In den restlichen fünf Monaten des Jahres ist der historische Stadtkern tot. Die 800 Menschen, die heute noch innerhalb der Stadtmauern leben, müssen dann zum Einkaufen anderswo hin. Und die Touristen-Fallen haben fünf Monate lang Winterferien.
Meine Hummel war 1987 mit der MS Ivan Franco hier und bestätigt heute, dass sich hier eigentlich nichts verändert hat, sieht man einmal von den Frontfenstern der Geschäfte ab.
Vier Stunden vergehen schnell, darunter eine Stunde zur freien Verfügung, in der wir auch die kleineren Gassen und abseits gelegenen Plätze des Stadtkerns aufsuchen. Um 12:30, wieder an Bord, ertönt bereits die Auslauf-Melodie. Leinen los zum letzten (halben) Seetag dieser Reise.
Das Wetter spielt mit. Die Sonne scheint. Allerdings ist der Wind recht frisch, so dass man nicht unbedingt sehr lange auf den Außendecks verweilen kann, ohne eine Erkältung zu riskieren.
Spätabends werden in dieser Nacht bereits die Koffer abgeholt, die vor die Kabine gestellt werden sollen. Wir packen daher vor dem Abendessen und laufen auch nochmals die 5 km (in guten 25 min) bzw. walken a mile. Nach den letzten 3 Tagen mit maximal sit-a-mile macht die Bewegung doppelt Spaß. Die Fettverbrennung wird allerdings durch das Diner sofort wieder vernichtet. Macht nix. Die Hose geht noch zu. Allerdings nur knapp. Dafür ist das Hemd in den letzten 14 Tagen eingelaufen. Muss wohl an der Seeluft liegen. Oder am Verbrauch auf dieser Reise. Was haben wir nicht alles verbraucht bzw. gegessen:

 
- Fisch. 1.886 kg
- Fleisch: 4.410 kg
- Milch & Sahne: 2.667 l
- Eiscreme: 1.531 l
- Ananas: 974 kg
- Melonen: 1.950 kg
- Eier: 19.100 Stk.
- Fass-Bier: 1.800 l
- Sekt: 929 Flaschen
- Tischwein: 3.450 l
- Brötchen: 25.500 Stk.
- Kuchenstücke: 15.000 Stk.
- angerichtete Teller: 64.875 Stk.
- Kartoffeln: 929 kg (wer hat die bloß alle geschält?)
- nicht zu vergessen: Satz Batterien für Olympus-Kamera: acht (à 4)

 
Die Klavier-Virtuosen Stephan Weh & Marcel Dorn beschließen mit ihrem zweiten Konzert auf dieser Reise diesen Abend.

 

 

  

 

 

31.10.2014 – Einfahrt in Venedig / Italien – strahlender Sonnenschein
Sei nie traurig, dass etwas vorbei ist, sondern sei froh, dass Du es erleben durftest

Der frühe Morgen dieses unseres letzten Tages auf der MS Amadea beginnt mit einem Sonnenaufgang über dem Meer wie aus dem Bilderbuch. Majestätisch und mit langsamster Fahrt schwebt die First Lady in Venedig ein. Und "schweben" trifft den Punkt schon ziemlich genau. Denn oben auf Deck 11, Sonnendeck und "oberste Etage", schwebt man wirklich über der Stadt und hat einen phantastischen Blick über die Dächer der Metropole. Die arg gedrosselte Geschwindigkeit sorgt irgendwie für ein Gefühl eingefrorener Zeit. Aber sie hilft den Grundmauern der Häuser beim Überleben, weil die Wellenbewegungen und damit der Wasserdruck bei langsamer Fahrt viel geringer sind. Ein Fünf-Jahres-Plan sieht für die Stadt der 1.000 Kanäle vor, dass stufenweise nur noch immer kleinere Kreuzfahrt-Schiffe das Einfahrt-Recht bekommen, bis die maximale Größe von 40.000 BRT erreicht ist. Und selbst dann würde die First Lady mit ihren nicht mal 30.000 BRT einlaufen dürfen…
In knapp einer Stunde zieht alles Wichtige an uns vorbei, angefangen mit der gigantischen Baustelle zur Errichtung von Schutztoren für Venedigs Lagune. Schon kurz darauf kommt der Turm am Markusplatz in einiger Entfernung in Sicht. Er ist der "Bezugspunkt" für uns, die wir zum ersten Mal auf diesem Weg in die Lagunenstadt einlaufen. Schnell kommt er näher, und bald schon kann man in den Canale Grande hineinblicken. Die Rialto-Brücke bleibt uns natürlich verborgen (so weit kann man nicht in den Canale Grand hineinblicken), aber die Seufzerbrücke wird selbstverständlich in Pixel gebrannt, ebenso der Markusplatz.
Um 9 Uhr ist schlußendlich der Kreuzfahrthafen erreicht. Die MS Queen Elizabeth erwartet uns hier bereits, ein Schiff mit der dreifachen Größe der Amadea, die aber nur noch vier Sterne hat (gegenüber den Vier Sterne + der First Lady).
Hier und jetzt geht unsere Reise zu Ende. Um 10 Uhr verlassen wir mal wieder die schwankenden Planken, die uns immer so schnell ans Herz wachsen und die wir immer viel zu schnell wieder verlassen müssen.

 

 

 

 

 

 

  

 

 

Auf dieser Reise haben wir insgesamt 3.426 Seemeilen (oder 6.345 km) zurückgelegt. Wir haben inkl. An- und Abreisehafen derer acht gesehen. Einen davon, nämlich den in Odessa, viel zu oft. Erstens senkt das den Schnitt, und zweitens haben wir dadurch einige andere Städte nicht sehen können. Gegenüber der Buchungsbestätigung von vor über einem Jahr haben wir nicht gesehen: die Krim (Ukraine); Sotschi (Russland) und Sinop (Türkei). Tscha. Tel Aviv, wie der Franzose sacht. Uns hat es trotzdem großartig gefallen. Ciao First Lady!

 
Die weitere Rückfahrt von Venedig bis Düsseldorf erfolgt mit dem von der Anreise bekannten Hebbel-Comfort-Bus. Auch hier gibt es wieder eine Übernachtung in Weil am Rhein. Dies ist eine willkommene kleine Verlängerung dieser Urlaubsreise und keineswegs ein Zeitverlust.

 

 

 









Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am: 07.12.2014


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