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Da wir beide gerne auf den Wellen schaukeln, haben wir uns mal wieder einer Atlantik-Überquerung unterzogen. Diesmal ging es mit der MS Amadea von der Alten in die Neue Welt. Der ausführliche Reisebericht sowie die dazu gehörigen Fotos sind hier auf dieser Seite zu finden. Man braucht nur in der Tabelle auf ein Datum klicken, und - schwuppdiwupp - wird man zum jeweiligen Tagesbericht gebeamt.

CLICK BIG

 
Die 17 Tage dauernde Kreuzfahrt mit der MS AMADEA hatte diese Reiseroute:

27.09.2016 Bremerhaven Abfahrt: 18:00 Uhr  
28.09.2016 Urlaub auf See    
29.09.2016 Scilly Inseln / Grossbritannien 12:00 Uhr - 18:00 Uhr  
30.09.2016 Erholung auf See    
01.10.2016 Erholung auf See    
02.10.2016 Erholung auf See    
03.10.2016 Erholung auf See    
04.10.2016 St. John's / Neufundland / Kanada 10:00 Uhr - 18:00 Uhr verschoben auf den 05.10.
stattdessen Tag auf See
05.10.2016 St. Anthony / Neufundland / Kanada 13:00 Uhr - 20:00 Uhr Destination cancelled
stattdessen St. John's / Neufundland
06.10.2016 Bonne Bay / Neufundland / Kanada 12:00 Uhr - 22:00 Uhr Destination cancelled
stattdessen Tag auf See
07.10.2016 Corner Brook / Neufundland / Kanada 08:00 Uhr - 17:00 Uhr  
08.10.2016 Havre-Saint-Pierre / Quebec / Kanada 09:00 Uhr - 18:00 Uhr  
09.10.2016 Baie-Comeau / Quebec / Kanada 09:00 Uhr - 18:00 Uhr  
10.10.2016 Kreuzen auf dem St. Lorenz-Strom / Saguenay Ankunft: 12:00 Uhr  
11.10.2016 Saguenay / Quebec / Kanada Abfahrt: 07:00 Uhr  
12.10.2016 Trois-Rivières / Quebec / Kanada 08:00 Uhr - 23:00 Uhr  
13.10.2016 Montreal / Kanada Ankunft: 08:00 Uhr  
14.10.2016 Montreal / Kanada   Rückflug nach Europa

 

Die Reiseroute im Bild:
 

 

 

27.09.2016 – "Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt"
ca. 18° und Sonnenschein beim Auslaufen
Anreise per Bus / Einschiffung in Bremerhaven
Die Anreise zum Schiff: mit einem Bus der Rheinland Touristik. Hebbel Reisen bleibt dieses Mal außen vor. Egal welcher Busreise-Veranstalter angetreten ist: per Bus nach Bremerhaven ist eine angenehme Art des Reisens. Stressfreies und pünktliches Vorankommen ist garantiert. Na ja, fast. Den Stau auf der Autobahn kann auch ein Bus nicht überfliegen. Aber zum Glück gabs gar keinen Stau…
Das erste Glas Sekt bereits vor Betreten der Schiffsplanken im Kreuzfahrt-Terminal. Hier auch: das Ausstellen der Bordpässe inkl. Foto. Und inklusive fettem Grinsen auf den Fotos. Ging nicht anders…
Das kleinere Flottenschiff „MS Albatros“ ebenfalls am Kai. Nur nicht das falsche Schiff erwischen! Nein, keine Chance: alles ist von Phoenix Reisen perfekt organisiert und ausgeschildert. Wir betreten gegen 16 Uhr unsere Amadea. Nur ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für zwei Menschen. Und schwupps! ist irgendwie das nächste Glas Sekt in der Hand…
Dem dann noch einige folgen. Aber erst nach der Rettungsübung. Inzwischen lockere Routine. Aber nicht nachlassen im Bemühen! Es könnte ja mal wichtig werden…
Der erste Abend an Bord: immer wieder etwas Besonderes. Und dann: das Empfinden von Freiheit. Das lässige Gefühl des „Endlich-Urlaub-Habens“. Das Genießen mit allen Sinnen: unbeschreiblich. Es ist jedes Mal ein ganz besonderer Moment, der einem Wärme ums Herz gibt und den Alltag weit wegschiebt. Kann so weitergehen…

 

  

 

28.09.2016 – "Erstklassige Entschleunigung"
Blauer Himmel, blaues Meer - im Winde recht frisch
Urlaub auf See
Unser erster Urlaubstag dieser Reise auf See: geprägt von erstklassiger Entschleunigung der Zeit. Auf dem Deckchair liegen und im Himmel den Flugzeugen nachschauen – in Ermangelung von Möwen. Das Buch anfangen zu lesen. Die Kreidefelsen von Dover vorbeiziehen lassen – leider in ziemlicher Entfernung. Und dann auch noch fast im Dunst verschwunden: kein Fotomotiv.
Aber auch 5 Kilometer joggen. Danach: walk-a-mile mit Maria, dem Bordküken. Vormittags: Trainingsstunde mit den Therabändern. Den Sport also nie zu kurz kommen lassen. Denn schon abends ist sie da, die erste Kilo-Falle dieser Reise: Gala-Diner mit vorherigem Cocktail-Empfang und persönlicher Begrüßung durch Kapitän Jens Thorn und Kreuzfahrtdirektorin Manuela Bzdega, die zugereiste Erkratherin und dadurch Fast-Düsseldorferin.

 

  

 

29.09.2016 – "Die aufgeräumte Insel"
ca. 17° und Sonne mit Wolken und Wind
Scilly Inseln / Grossbritannien
Die Isles of Scilly – bitte nie Scilly Islands sagen, das hören die Bewohner nicht gerne – bestehen aus insgesamt mehr als 140 Inseln, von denen wir der größten, nämlich St. Mary’s, einen Besuch abstatten. Die Amadea liegt auf Reede, denn im Hafen gibt es keinen Platz für ein Schiff dieser Größe. Die Tenderflotte besteht aus Booten der lokalen Fischer, denn selbstverständlich sind die Gezeiten, Ströme und Untiefen hier viel zu gefährlich, um sie den Tenderbooten der MS Amadea auszusetzen. Ganz nebenbei verdient sich die lokale Wirtschaft einen erklecklichen Batzen pro Kreuzfahrtschiff hinzu…
Das Eintauchen ins beschauliche Leben der knapp über 2000 Einwohner ist geprägt von metiterraner Atmosphäre. Ausblicke wie am Mittelmeer allerorten. Palmen, Agaven und andere, südländisch anmutende Flora dominieren das Bild. Die Insel wirkt aufgeräumt, sauber, wie angeordnet – als ob hier jemand einen großen Naturpark angelegt hätte.
Hugh Town, die Hauptstadt, gibt dem Namen keine Ehre. Wer aus Versehen in die Stadt hineinfährt, sollte alsbald bremsen. Sonst befindet man sich bereits wieder auf dem Weg hinaus…
Die knapp 1000 Einwohner des Städtchens halten ihr Domizil sauber. Mehrere Strände (inklusive reichlich Sand!) laden ein zum Verweilen. Das Star Castle schaut über alle Häuser hinweg und ist weithin sichtbarer Blickfang und Wanderziel. Es gibt hier sogar einen kleinen Flugplatz.
Mit dem Auslaufen aus der Hafenbucht Hugh Towns gegen 18:00 nehmen wir Abschied von den Isles of Scilly und zugleich Abschied von der Alten Welt. Der Atlantik liegt vor uns. Sechs Tage auf See und ein Sturmtief im Osten des Atlantiks vor der Küste Kanadas erwarten uns.

 

  

 

30.09.2016 bis 04.10.2016 - Windstärke 12 auf dem Nordatlantik
Tage auf See
Fünf Seetage hintereinander liegen vor uns. Der Atlantik soll überquert werden. 1.959 Seemeilen Langeweile am Stück? Weit gefehlt. Erstens freut man sich nach langer Arbeitsphase im Büro auf eine derartige Erholungsphase. Kein Telefon, kein Internet, kein Termin, kein Wecker – Leben im Schlaraffenland! Zweitens lässt sich PhönixReisen immer etwas einfallen, um einem die Zeit zu versüßen (oder zu verkürzen). Hier ist ein Strauß der besten Ideen:
- Dem Chefkoch Herrn Jüngling (siehe Foto mit Kochmütze - gerade an Seetagen einer der wichtigsten Männer an Bord) in die Töpfe geschaut
- Cirque du Burlesque (Abendshow)
- Amadea Besenwirtschaft (inkl. Federweißer und Flammkuchen)
- Alles Schoko! Schokoladen-Sinfonie im Hauptrestaurant
- Sportliche Aktivitäten jeglicher Art. Ob als Gruppe (Walk-a-mile und Arbeit mit Therabändern) oder individuell (Deck-Lauf, ambitioniertes Ziel: die halbe Stunde in 27 Minuten laufen): ein absolutes Must-be an Bord. Ansonsten passen die Hosen am Ende der Fahrt nicht mehr.
Und dann auch noch der Sturm auf dem Atlantik: eine Herausforderung beim Laufen. Ein atemberaubendes Schauspiel beim Gang an Deck. Aber auch ein Erlebnis für die Augen und (fast) alle anderen Sinne. Ob beim Zusehen dieses Wechselspiels der Naturgewalten von der Vista Lounge (Deck 10, vorn, hinter dicken Fensterscheiben) oder beim Gang durchs Treppenhaus: immer spannend, immer neu. Immer schwierig. Immer erlebnisreich.
Am zweiten Seetag: vorübergehendes Nachlassen der Schaumkronen auf den Wellen tagsüber. Abends dafür das perfekte Tohuwabohu. Ein ganzes Regal mit Weingläsern scheppert durch die Bar – anschließend wird der Getränke-Service komplett eingestellt: zu gefährlich. Für die Gläser und für die Gäste.
Am nächsten Tag, dem 02. Oktober, fliegen die Kaffeetassen und Zuckertöpfe durchs Schiff. An diesem Tag haben wir mitten in der Nacht kurzfristig Windstärke 12. Wir sind trotzdem weder aus dem Bett gefallen, noch ist etwas aus uns herausgefallen. Damit sind wir ab sofort sturmerprobt .
Das war aber auch der Höhepunkt des Unwetters. Je näher wir nach Neufundland und Kanada kommen, desto schöner wird es. Uns gefällt’s.

 

  

 

05.10.2016 – "Vom Winde verweht"
ca 10° - recht stürmisch
St. John's / Neufundland / Kanada
Unser erster Kontakt mit kanadischem Boden ist nach sechs Seetagen die Stadt St. John’s an der Südostküste von Neufundland. St. John’s hat etwas über 100.000 Einwohner und ist geprägt durch den gewaltigen Naturhafen, der durch vorgelagerte Berge gut geschützt ist und dadurch ganzjährig eisfrei bleibt. Dadurch übte dieser Fleck Erde schon in früheren Jahrhunderten eine große Anziehungskraft auf Seefahrer aus England, Frankreich und anderen Seefahrer-Nationen aus. Die wechselvolle Geschichte wird deutlich an den gewaltigen Kanonen und Befestigungsanlagen, die die natürliche Meerenge, die die Hafeneinfahrt bildet, vor räuberischen Angriffen der jeweils gerade nicht besitzergreifenden Nation schützte.
Heutzutage ergreifen nur noch Kreuzfahrtschiffe Besitz der Dockanlagen, und das auch nur im Sommer. Unsere Amadea ist gegen 10 Uhr morgens eingelaufen. Vormittags erkunden wir die „City of Legends“ auf eigene Faust. Viele Kirchen prägen das Bild. Der Straßenverkehr besteht vor allem aus sehr freundlichen Autofahrern, die sofort stehenbleiben, sobald ein Fußgänger unentschlossen am Straßenrand steht. Er könnte ja die Straße überqueren wollen.
Die Straßenzüge sind großzügig angelegt und bestehen oft aus bunt gestrichenen Häuserzeilen. Das vorherrschende Baumaterial ist Holz. Die Verkabelung ist oberirdisch, bestimmt nicht zuletzt aufgrund der strengen Winter und des Bodendauerfrostes. Nette Details an den Häusern sind die Briefkästen, die selbst wie Miniatur-Holzhäuser aussehen. Alles ist sehr geordnet und macht eine guten Eindruck. Hier kann es sich leben lassen. Wenn es denn nicht so kalt wäre …
Nachmittags gibt es eine Wanderung über die dem Hafen vorgelagerten Berge. Mit ca. 160 m nicht mal besonders hoch, schützen sie trotzdem den Hafen vor allerlei Wetterunbilden. Die Wanderung hat es in sich. Oben auf dem Signal Hill befinden sich die Schutzanlagen für den Hafen. Eine Batterie Kanonen, der Cabot Tower – und jede Menge Wind. Oder besser: fast schon Sturm. Auf abenteuerlichen Pfaden trotzen wir irgendwie dem Sturm und den Abgründen, die direkt am Weg auftauchen und einem das Gefühl geben, man sei im Hochgebirge. Birgit verletzt sich am Fuß, zum Glück "nur" eine tiefe Fleischwunde. Froh jedoch, am Ende der Wanderung wieder sicheren Boden (= Teerbelag der Seitenstraßen) zum Tritt zu haben. Tja. Fast vom Winde verweht. Aber mit gutem Ende: abends wieder ein weiteres der Verwöhn-Menus, kreiert von Herrn Jüngling, genossen. Natürlich sämtliche Gänge bestellt und keinen ausgelassen. Warum denn auch?

 

  

 

06.10.2016 – "Großer Gala-Abend"
Mild, aber windig - Mittelmeerwetter
Urlaub auf See
Ein Lob auf unsere Kellner! Heute, am letzten Seetag auf dieser Reise, werden wir abends mit einem großen Gala-Diner verwöhnt. Unser erster Tischkellner, Melvin , und der Getränke-Kellner Alexander sowie der zweite Kellner Marlon haben auf dieser Reise ganze Arbeit geleistet und uns vor dem sicheren Hungertod bewahrt, indem sie immer auffuhren, was die Küche hergab - es war eine ganze Menge! Und wenn man ein zweites Mal das Dessert essen möchte, dann habe ich Melvin bloß einen Wink gegeben und auf die Speisekarte gedeutet. Schon stand der Zusatzteller vor uns. Der Getränkenachschub riß auch nie ab, dank eines kleinen Bakschisch am Anfang der Reise.
Was gab es denn nun zum Gala-Diner? Hier, schau mal:
- Amuse Bouche
Räucherstör-Avocado-Fjord Kaviar Espuma
- Vorspeisen
AHI Thunfisch, Kalbsbries, Mango, rote Bete „Oriental“
oder
Französische Wildgeflügelterrine
- Suppe
Oxtail Essenz, Scotch Whisky, Chesterbrot
- Zwischengericht
Schott. St. Jakobsmuscheln, Hummer Beurre blanc, Petersiliencreme
- Sorbet
Schwarze Johannisbeere mit Champagner
- Hauptgerichte
Weisser Heilbutt & Jumbo Garnele
Safran-Limonensauce, grüne Spargelspitzen, Red Skin Kartoffeln
oder
Rinderfiletsteak & Gänseleber
Trüffeljus, Gemüse-Pilzgeröstl, Pastinakenstampf
- Desserts
Blue-Mountain Kaffee-Schokomousse
Passionsfrucht-Kumquatragout, Amarettini-Chantilly
Auswahl französischer Käsemacher
Petit Fours

 

  

 

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07.10.2016 – Tagesausflug
13° - Sonnig, wolkig
Corner Brook / Neufundland / Kanada
Corner Brook ist mit etwa 30.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Neufundlands. Sie befindet sich an der Mündung des Flusses Humber und damit am Ende dessen Fjordes, dem Humber Arm. Weithin sichtbar ist die Kruger Paper Mill, die mit einer Jahresproduktion von 500.000 Tonnen eine der größten Papiermühlen der Welt ist und dem größten Arbeitgeber der Stadt gehört, der Corner Brook Pulp & Paper Mill. Die riesigen Schornsteine werfen große weiße Wolken in den Himmel und sind das sichtbarste Wahrzeichen der Stadt.
Unser Tagesausflug führt uns zum Gros-Morne-Nationalpark und damit mitten in den Indian Summer hinein. Der Park beeindruckt durch seine herrlichen Fjordlandschaften, dicht bewaldete Bergzüge, schroffe Felsen und kleine Seen mit kristallklarem Wasser - alles umrahmt von bunten Farben. Wer den Herbst mag, wird den Indian Summer lieben! Rot, gelb, orange, braun oder ocker sind die vorherrschenden Farben. Weil hier über 800 Baumarten zu Hause sind, ist die Laubverfärbung nur auf diesem Fleck der Erde derart eindringlich zu beobachten. West-Europa mit seinen ganzen ca. 51 Baumarten kann natürlich nicht dagegen anstinken…
Das erste Rot zeigen die fünfzackigen Blätter des Roten Ahorns. Es folgen Zuckerahorn und Haselnuss, ab Oktober reicht das Farbspektrum von den Roteichen über goldgelbe Buchen, Ulmen und Eschen bis hin zu den fast weißen Birkenblättern. Die durch Ausbleichung von Chlorophyll und dadurch entstehende chemische Stoffe auftretende Laubfärbung zieht jedes Jahr von September bis Oktober von Norden nach Süden. Wir haben das unverschämte Glück, zum richtigen Zeitpunkt zur vollen Blüte .. äh .. Verblühung .. hier zu sein. Ein herrlicher Ausflug in die Natur, aber auch mit Ausblicken und Eindrücken von kleinen neufundländischen Siedlungen und Orten, die die schönsten Fotomotive bieten…

 

  

 

08.10.2016 – "Der Gänsehaut-Abschied"
ca. 12° - wolkenloser Himmel
Havre-Saint-Pierre / Quebec / Kanada
Havre-Saint-Pierre liegt am nordwestlichen Ufer des Sankt-Lorenz-Stromes und hat etwa 3.500 Einwohner. Damit ist dieser nördlichste Hafen der Provinz Quebec ein überschaubarer Ort, den man auch gut auf eigene Faust erkunden kann. Das machen wir auch am Vormittag dieses 08. Oktobers, einem wunderschönen Tag mit stahlblauem Himmel und einer frischen Temperatur von ca. 8°.
Die Ortschaft ist, grob gesagt, in zwei Ortsteile getrennt und bietet den Einwohnern und dem Umland einige große Supermärkte und andere Geschäfte, mithin wohl eines der größten Einkaufszentren der gesamten Umgebung. Wir durchwandern schon einen komischen Ort. Viele Pick-Ups bereichern das Straßenbild. Ein Teil von ihnen fährt mit Elchköpfen umher. Sie sind hinten auf der Ladefläche vertäut und sehen aus wie merkwürdige Weihnachts-Dekoration. Beim Näherkommen jedoch bemerkt man, dass die Köpfe echt sind und unterhalb des Halses abgeschnitten wurden.
Der Hintergrund: die Elch-Jagdsaison hat gerade begonnen und man ist stolz auf die Beute und fährt ein paar Wochen mit dem Kopf als Trophäe durch die Gegend – solange bis er anfängt zu stinken. Naja. Aber interessant sieht es schon aus, diese großen majestätischen Köpfe allenthalben, wie sie durch die Straßenzüge zu schweben scheinen…
Mittags machen wir uns auf einen Ausflug zu der „Kultur der Innu“ (bitte nicht verwechseln mit Innuit!). Sie sind eine der drei ursprünglichen Indianerstämme, die als Ureinwohner diese Breiten schon lange bewohnten, bevor der Weiße Mann hierherkam. Heutzutage ziehen sie nicht mehr durchs Land wie Nomaden, sondern leben in einem Dorf mit festen Häusern, einer großen Kirche mit Friedhof und einem kleinen Hafen, von dem aus man Fischzüge startet. Ein interessanter Nachmittag mit vielen Informationen steht uns ins Haus, und wir erfahren hautnah eine Menge von der Lebensweise der früheren und der heutigen Innu. Einer kleinen Vesper und einem Stammestanz inklusive.
Beim Ablegen der MS Amadea im Anbruch der Dunkelheit hat sich die Hälfte des Ortes am Hafen versammelt und bietet uns einen Abschied, den wir noch nie zuvor so erlebt hatten. Man winkt, Autos in mehreren Reihen sind aufgebaut und betätigen Hupe und Lichthupe und Warnblinkanlage und alles, womit ein Auto Krach und Licht machen kann. Die Musik einer Kapelle geht im Lärm fast unter. Minutenlang begleitet uns das Schauspiel, der Kapitän betätigt sein großes Nebelhorn, und schon sind wir entschwunden. Das nächste Kreuzfahrtschiff kommt erst im Frühjahr hierher. Bis dahin muß der Gänsehaut-Abschied im Gedächtnis bleiben…

 

  

 

09.10.2016 – "Der doppelte Rundgang"
ca. 12° - aber recht freundlich
Baie-Comeau / Quebec / Kanada
Kanada. Wälder ohne Ende. Holz in Hülle und Fülle. Papierfabriken en Masse. Auch Baie-Comeaus Stadt-Silhouette wird geprägt vom typischen Bild einer riesigen Papier-Mühle: gewaltige Fabrikhallen mit überragenden Schornsteinen, aus denen weiße Rauchschwaden ohne Ende quillen. 1936 ließ der damalige Eigentümer der Chicago Tribune diese Fabrik errichten, um nicht von ausländischen Papierfabriken abhängig zu werden. Aus dieser ging die heutige Paper Company hervor, der größte Arbeitgeber der Stadt.
Baie-Comeau ist die Hauptstadt der Verwaltungsregion Cote-Nord und hat etwa 27.000 Einwohner in zwei Ortsteilen. Wir erwandern uns die kleine Stadt am Vormittag und müssen dazu einen großen Park durchqueren, der die Stadt vom Hafen trennt. Dieser Park, groß wie viele, viele Dutzend Fußballfelder, wurde seinerzeit angeschüttet, um die Papierfabrik vor Sturmfluten des St. Lorenz-Stromes zu schützen. Ein flotter Fußgänger durchquert den Park in vielleicht 25 Minuten. Viele wunderbare Blumenbeete und –Arrangements herrschen hier vor und stehen trotz den späten Jahreszeit teilweise noch in voller Blüte.
Nachmittags haben wir den Ausflug „Rundgang durch Baie-Comeau“ gebucht. Das hätten wir uns aber sparen können. Denn wir haben vormittags bereits auf eigene Faust zufälligerweise bereits fast den gesamten Rundgang absolviert und sehen somit – sozusagen – doppelt. Einige Fotos hier zeigen die Schönheit der Stadt, die sich sanft an die Hügel am Rande des St. Lorenz-Stromes schmiegt und die bereits ihr herbstliches Kleid angezogen hat.
Abends auf dem Schiff, lange nach dem Abschied von Baie-Comeau, gibt es dann auch wieder die berühmt-berüchtigte Crew Show, die immer wieder von der Vielfalt der Darbietungen und dem (mal mehr, mal weniger vorkommenden) Können der Akteure lebt. Es sind allesamt Amateure und sie sind Bestandteil der Crew. Ein kurzweiliger Abend ist immer garantiert. So auch dieses Mal!

 

  

 

10.10.2016 bis 11.10.2016 – "Folge dem Fjord"
ca. 10° - freundlich bis sonnig
Entlang dem Fjord bis Saguenay / Quebec / Kanada
Das heutige Etappenziel Saguenay liegt tief im gleichnamigen Fjord du Saguenay, einer der südlichsten Fjorde dieser Welt. Er ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit. Seine Länge beträgt 103 km, die Tiefe bis knapp 300 m und die maximale Breite wird mit 3 km angegeben. Unsere MS Amadea schippert die gesamten 103 km durch bis zur etwa 150.000 Einwohner zählenden Kreishauptstadt Saguenay. Die bunten Wälder des Indian Summers, die sich oft an die steil ansteigenden Felsen zu beiden Seiten des Fjordes klammern, bieten einen spektakulären Hintergrund für unsere Schleichfahrt. Auf dem Weg zu unserem Ziel passieren wir die acht Meter hohe Marienstatue „Our Lady of Saguenay“, die mitten in die Wälder auf einem der zahlreichen Felsvorsprünge errichtet wurde.
War die Fahrt mit der MS Amadea zum Tagesziel bereits ein Highlight, so setzt der „Ausflug in die Fjordlandschaften“ mit einer etwa einstündigen Wanderung durch ein Naturreservat noch einen oben drauf. Die Wälder scheinen zu brennen. Eine derartige Farbenpracht haben wir in deutschen Wäldern noch nie bewundern können. Viele Fotos bilden die Ausbeute. Einige davon kann man hier bewundern, den Rest heben wir uns auf für die Auswahl zum Pressefoto des Jahres, har har.
Die Nacht hindurch bleibt die MS Amadea vor Ort, weil wir erst am nächsten Mittag gegen 14 Uhr wieder auslaufen. Zeit für einen kleinen Abendspaziergang auf eigene Faust durch die Ortschaft. Wie in den meisten Städten Kanadas sind die Straßenzüge ungewöhnlich breit und ausladend. Platz dafür scheint keine Mangelware zu sein. Hierzulande ist genug Gegend vorhanden. Die Kälte macht uns bald zu schaffen. Ein eisiger Wind weht durch die breiten Boulevards und treibt uns zurück aufs warme Schiff.
Am nächsten Morgen erwartet uns noch eine Bustour durch die nähere Umgebung und Saguenay selber. Wir kommen an einer kleinen, dem Stadtstrand vorgelagerten Insel vorbei, die wirklich kaum mehr als 50 Meter im Durchmesser misst. Der Guide erzählt uns lachend, dass hier mehrmals im Jahr die Küstenwacht Leute von der Insel retten muß, die bei Ebbe rübergehen und den Tidenhub hier am Ende des Fjordes kolossal unterschätzen. Er beträgt immerhin an die sechs (!) Meter.
Und dann ist auch das vorbei, und die MS Amadea bricht zum nächsten großen Ziel auf: Trois-Rivieres. Aber dazu später.

 

  

 

12.10.2016 – "Indian Summer total"
bis 15° - Recht viel angenehme Sonne
Trois-Rivières / Quebec / Kanada
Trois-Rivières hat etwas über 130.000 Einwohner und liegt im Süden der Provinz Quebec, direkt am St. Lorenz-Strom. Früher hieß die Stadt Three-Rivers – aber da regierten hier noch die Engländer, wer hätte es gedacht?!? Die Stadt versprüht einen gewissen, irgendwie altertümlichen Charme, was wohl an den Häusern liegt, die vielmals im Stile des beginnenden 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Eine nette Uferpromenade führt am Fluß entlang bis zum ältesten Viertel der Stadt, das sich entlang der Rue des Ursulines erstreckt (siehe Plan). Wir werden die Stadt auf eigenen Füßen erkunden – aber Geduld. Erst steht der Ausflug in den La-Mauricie-Nationalpark an.
Und hier erleben wir den Indian Summer aber erst richtig! Wenn auch bis heute nicht wirklich klar ist, woher der Begriff Indian Summer überhaupt kommt. Diverse Theorien kursieren, von denen eine besagt, dass die Indianer in Neuengland von September bis November ihre Haupt-Jagdsaison abhielten. Ein indianischer Mythos hingegen besagt, dass das Blut der in dieser Zeit getöteten Tiere über den Boden in die Blätter gelangt. Eine weitere Theorie ist der Meinung, dass weiße Siedler die Zeit so nannten, weil „dumme“ Indianer sie für den echten Sommer hielten. Sicher hingegen ist, dass hier ein grandioses Naturschauspiel stattfindet, welches schon kitschig schön ist – siehe Fotos…
Nachmittags ist die Stadt selber dran. Auf unserem Plan haben wir die Strecke eingezeichnet, die wir zu Fuß in Trois-Rivières zurückgelegt haben – wir haben eine ganze Menge gesehen. Und Zeit, um für ein halbes Stündchen auf einer Bank an der wirklich schönen Promenade zu sitzen und die Sonne zu genießen, gab es auch noch. Ein Tag so richtig nach unserem Geschmack! Auch wenn hiermit schon der vorletzte Tag unserer Reise vorbei ist…

 

  

 

13.10.2016 – "Im Sightseeing-Bus durch Montreal"
ca. 12° - Voll die Wolken und der Regen
Montreal / Kanada
Eigentlich dürften wir für den heutigen Tag gar keine Fotos hier zeigen. Das Wetter ist wirklich allzu schlecht. Ein grauer, wolkenverhangener Himmel, aus dem es bis in den Mittag hinein immer wieder regnet, läßt gar nicht erst gutes Foto-Licht aufkommen. Aber wir können ja nicht einfach die Sightseeing-Tour bei besserem Wetter wiederholen. Mitgefangen, mitgehangen. Unsere Tour durch Montreal hat folgende Ziele:

- Cathedrale Christ Curch
- Basilique Notre-Dame de Montreal
- Olympiastadion der Sommerspiele 1976
- Mont Royal (der Hausberg mit tollem Blick auf die Stadt. Und mit zahmen A- und B-Hörnchen)
- Centreville (Downtown)
- Die unterirdische Stadt

Trotz schlechtem Wetter (immerhin bleibt es ab mittags trocken, zeitweise läßt sich sogar die Sonne kurz blicken) sehen wir erklecklich viel von der Hauptstadt Kanadas. Ach nee, die heißt ja anders...
Vor dem Diner werden die Koffer gepackt. Der baldige Abschied läßt sich nicht länger verleugnen. Und die Abendshow gestaltet einmal mehr „Das Ratpack“. Wir lassen uns bezaubern von wundervoller Swing-Musik und denken gar nicht an die morgige Abreise.

 

  

 

14.10.2016 – "Weine nicht, weil es vorbei ist. Lache, weil es so schön war"
ca. 13° - Sonne
Ausschiffung in Montreal / Kanada und Rückflug nach Europa
Die Statistik dieser Reise ist wie folgt:
Wir haben insgesamt 4.146 Seemeilen oder 7.679 km zurückgelegt. Der größte Batzen davon war die Atlantik-Querung von den Isles of Scilly bis St. John’s, Neufundland mit 1.959 Seemeilen. Das waren 3.628 Kilometer schaukelige Wellen, die uns ein Sturmtief mit bis 12 Windstärken bescherte. In den letzten 10 Jahren unserer Kreuzfahrt-Historie haben wir damit endlich den lang erwünschten Sturm hinter uns gebracht.
Was gibt es noch zu sagen? Wir haben folgende Lebensmittel auf dieser Reise verbraucht:
- 4.998 kg Fleisch
- 3.023 l Milch und Sahne
- 1.736 l Eiscreme
- 20.780 Eier
- 3.910 l Tischwein
- 964 Fl. Sekt
- 42.500 Brötchen
Von den anderen Dingen wie Kaffee, Bier oder Obst gar nicht zu reden. Puh, stimmt! Die Hosen gehen schon gar nicht mehr richtig zu!
Wir haben oft, aber eigentlich viel zu selten, die Auslaufmelodie gehört. Sie ist eine Kombination aus der “Traumschiff“-Melodie und “Adoro“ von Charlotte und Jürgen Wendling. Irgendwann werden wir sie bestimmt wieder hören!
Wir wünschen der MS Amadea allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und uns allzeit eine Fußbreit Amadea unter den Sohlen!


 

 











Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am: 01.01.2017


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