Datum Hafen an ab Bemerkung
31.08.2018 Bremerhaven   19:00 Anreise per Bus & Einschiffung
01.09.2018 Nord-Ostsee-Kanal     Durchfahrt / Erholung auf See
02.09.2018 Kopenhagen / Dänemark 07:00 17:00 Kopenhagen zu Land und zu Wasser
03.09.2018 Visby / Gotland / Schweden 14:00 20:00 "Entdeckung auf eigene Faust"
04.09.2018 Stockholm / Schweden 08:00 17:00 "Entdeckung auf eigene Faust"
05.09.2018 Holmsund / Umea / Schweden 12:00 18:00 "Bustransfer nach Umea"
06.09.2018 Oulu / Finnland 08:00 16:00 "Entdeckung auf eigene Faust"
07.09.2018 Rauma / Finnland 14:00 21:00 "Entdeckung auf eigene Faust"
08.09.2018 Erholung auf See      
09.09.2018 St. Petersburg / Russland 08:00   Panoramafahrt und Katarinenpalast
10.09.2018 St. Petersburg / Russland   18:00 Kronstadt und Peterhof
11.09.2018 Tallinn / Estland 09:00 14:00 Stadtrundgang
12.09.2018 Klaipeda / Litauen 13:00 22:00 "Entdeckung auf eigene Faust"
13.09.2018 Gdansk / Danzig / Polen 08:00 17:00 Danzig u. Marienburg
14.09.2018 Swinoujscie (Swinemünde) / Polen 09:00 17:00 CANCELLED / stattdessen: Kolberg
15.09.2018 Eckernförde 08:00 13:00 "Entdeckung auf eigene Faust"
16.09.2018 Bremerhaven 09:00   Ausschiffung & Rückfahrt per Bus

 

Die ursprüngliche Reiseroute im Bild:
 

 

 


 

 

31.08.2018 – Anreise per Bus und Einschiffung in Bremerhaven / Sonnig / ca. 18°
Willkommen an Bord - Willkommen zu Hause!

Wieder mal bestiegen wir an einem schönen Freitagmorgen einen Bus der Rheinland-Touristik, um uns bequem und ohne Stress nach Bremerhaven kutschieren zu lassen. Für 16 Tage wollten wir dort an Bord der MS Albatros gehen, um endlich mal die Ostsee kennenzulernen. Ostsee? Ein Meer? Oder eher ein Meer-chen? Man soll es nicht glauben, aber wir haben hier tatsächlich einen Sturm mit Böen um Windstärke 10 erlebt, der das Schiff schon etwas schaukeln ließ und heimeliges Atlantik-Feeling bei uns weckte. Vor 2 Jahren waren wir dort in einen mehrere Tage dauernden Sturm mit Windstärke 12 geraten. Wir hatten damals alles gut überstanden und auch dieses Mal waren wir freudig überrascht, doch hierzu später.
Nach der schon fast wohlvertrauten Rast auf dem Rastplatz "Dammer Berge" (mit dem Restaurant über der Autobahn) kamen wir kurz nach halb vier am Kreuzfahrt Terminal an. Kurze Zeit danach, aber noch vor Betreten der Planken, die uns immer wieder Freude bereiten, hatten wir bereits das erste Glas Sekt in den Händen. So soll es sein! Die Einschiffung war mal wieder hervorragend von Phoenix organisiert. Nennenswerte Wartezeiten gab es kaum, höchstens ein paar Minuten vor dem Schalter mit der Kamera. Geschenkt! Ohne Foto kommt man halt net aufs Schiff…
Die obligatorische Seenot-Rettungsübung absolvierte das Schiffs-Team mit uns bereits vor dem Ablegen, so dass danach genug Zeit blieb, um das Auslaufen in aller Ruhe mit einem weiteren Glas Sekt zu genießen. Der herrlichste Sonnenschein begleitete uns. Das war wirklich ein perfekter Moment!
Auch das Abendessen, natürlich in legerer Kleidung, war in Ordnung. Aber, ehrlich gesagt, wir wußten bereits am ersten Abend, dass uns die MS Amadea - mit der wir zuletzt vor knapp 2 Jahren unterwegs waren - zumindest von den Speisen her noch besser gefällt. Die MS Amadea ist eines der anderen Kreuzfahrtschiffe der Phoenix-Flotte und hat einen Stern mehr. Das macht sich auf Dauer schon bemerkbar. Keinesfalls soll jedoch hier die MS Albatros schlechtgemacht werden!
Die Ein- und Durchfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal bekamen wir schon nicht mehr mit. Früh fielen wir ins Bett…

 

 

  

 

 

01.09.2018 – Nord-Ostsee-Kanal und Erholung auf See – leicht bewölkt / ca. 19°
Eine Reise ist wie ein Trunk aus der Quelle des Lebens

Die Reiseroute begann mit einem Seetag. Auch stand eigentlich die Durchfahrt des Nord-Ostseekanals auf dem Programm. Es ist ein erhebender Anblick, wenn ein Kreuzfahrtriese durch ein Gewässer schippert, das nicht breiter als ein Fluss ist. Und wenn das Schiff (fast) höher als das Gewässer breit ist. Jedoch bekamen wir von der Durchfahrt gar nichts mit, denn sie dauerte von Mitternacht bis etwa 9 Uhr. Und den Morgenwecker haben wir völlig überhört, weil in unserer Kabine die Schiffs-Motoren installiert waren. Zumindest hörte es sich in dieser Nacht so an. Also war unser Problem an diesem Morgen nicht, wo man den besten Ausblick auf die Kieler Förde hat, sondern wie man eine bessere (geräuschärmere) Kabine bekommt. Dank der unkomplizierten Mithilfe der Phoenix-Rezeption war dieser Punkt in einer halben Stunde abgehakt. Dazu kam allerdings noch mal eine weitere Stunde für das Ein-, Um-, und Auspacken unserer persönlichen Sachen. Auch das hätte allerdings viel länger gedauert, wenn die Bord-Crew nicht für solcherlei Umzüge gewappnet gewesen wäre. Offensichtlich gehören Umzüge von einer Kabine zu einer anderen für sie zum Normal-Programm und werden mit Routine abgewickelt.
Nachmittags betrieben wir dann den "Seh-Tag" im Wortsinne. Wir genossen die warme Luft und den herrlichen Spätsommertag oben auf Deck. Die Erholung setzte fast unmittelbar ein!
Abends lud uns der Kapitän auf einen Drink und das obligatorische Hand-Shake ein. Das shake-hands wiederum verpassten wir, weil wir den falschen Eingang zur Atlantik-Lounge gewählt hatten. Pech gehabt. Hat der Kapitän unsere Hände halt nicht gedrückt.
Das tat dem Willkommens-Gala-Diner jedoch keinen Abbruch. Wir genossen ein hervorragendes Menu mit handwerklich gut zubereiteten Lebensmitteln. Alleine, uns fehlt auf der Albatros grundsätzlich der letzte Schliff an den Speisen. Die Befriedigung des Hungers bereitet uns auf der MS Amadea halt einen Tacken mehr Spaß. Hier bemerkt man den Sterne-Unterschied von Schiff zu Schiff. Lecker war es trotzdem!

 

 

  

 

 

02.09.2018 – Kopenhagen / Dänemark – sonnig, 15-19°
Die Zukunft hat viele Namen.

Die Befindlichkeit an Bord war hervorragend. Der Wettergott meinte es gut mit uns; nicht nur heute, sondern für die nächsten Tage – zumindest bis St. Petersburg – war ruhige und warme Witterungslage vorhergesagt. Außerdem war die Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal laut Aussage unseres Kapitäns Elmar Mühlebach optimal verlaufen. Das heißt, es gab weder bei der Einfahrt noch an den Ausfahrtsschleusen Wartezeiten. Daher hatten wir Kopenhagen nicht erst heute, sondern schon am gestrigen Abend erreicht und hätten abends noch Zeit für einen kleinen Stadt-Ausflug auf eigene Faust gehabt. Dieses Angebot hatten wir aber nicht genutzt…

In Kopenhagen haben wir uns direkt heimisch gefühlt. Ähnlich wie in Düsseldorf seit vielen Jahren aufgrund des U-Bahn-Baus, so strotzte die Stadt vor Baustellen. Das machte die Fotografie hier vor Ort nicht gerade einfacher.

Aber es gibt natürlich auch positive Aspekte. Kopenhagen hat ein modernes, junges Flair. Es gibt wirklich jede Menge interessanter Architektur zu sehen. Das fängt beim Opernhaus an und zieht sich über viele städtische Bauten entlang der gesamten Wasserlinie weiter. Und hört noch lange nicht auf bei Wohnvierteln, die ebenfalls entlang der Gewässer hingestellt wurden und bei denen man nicht gerade den Eindruck von sozialem Wohnungsbau bekommt. Der Ausflug "Kopenhagen zu Land und zu Wasser" vermittelte uns einen wirklich schönen Überblick über die Stadt, die tatsächlich zu großen Teilen am Wasser entlang gebaut ist. Meeresarme, künstliche und natürliche Kanäle lockern das Stadtbild allerorten auf.

Nachmittags zogen wir nochmal auf eigene Faust los, um uns das eine oder andere high light anzuschauen. Wir sahen die kleine Meerjungfrau, die gar nicht wirklich spektakulär am Wasser unweit unseres Piers ihre Heimat gefunden hat. Die Arme tat uns wirklich leid. Ständig umringt von Dutzenden von Touristen (sowohl von der Wasser- als auch von der Landseite her), fristet sie ein unruhiges Dasein. Aufmerksamkeit zu jeder Tageszeit ist ihr jedoch sicher.

Auch das Kopenhagener Kastell besichtigten wir noch, bevor es Zeit wurde zur Rückkehr aufs Schiff. Ein ausgefüllter Tag fand seinen Ausklang in der Atlantik Lounge, wo wir uns die große Willkommens-Gala "Sei hier Gast" anschauten. Durchaus sehenswert. Die Künstler, die Phoenix engagiert, sind durch die Bank professionell und verstehen ihr Handwerk…

 

 

  

 

 

03.09.2018 - Visby / Gotland / Schweden - Sonnig, 15-19°
Es gibt keine bessere Kosmetik in Schönheit als die gute Laune.

Gotland ist eine schwedische Insel und liegt – grob gesagt – etwa 100 km östlich von Schweden mitten in der Ostsee. Visby ist die Hauptstadt der Provinz Gotland und das heutige Ziel der Kreuzfahrt. Der Ort ist eine wirklich sehenswerte Location und wirkt wie ein Überbleibsel aus dem Mittelalter. Die Stadtmauer ist einmalig erhalten und umschließt das Ortszentrum wie vor Hunderten von Jahren. Im Zentrum könnten ohne Probleme und ohne große Vorbereitung Ritterfilme gedreht werden. (In der Tat war während unseres Besuches der Marktplatz für irgendwelche Filmaufnahmen gesperrt). Die gesamte Bebauung ist derart authentisch, dass wir miterleben durften, wie die Feuerwehr bei einem Blaulichteinsatz große Schwierigkeiten hatte, von außerhalb ins Zentrum zu kommen, weil die Stadttore kaum Platz für die großen Einsatzfahrzeuge boten. Nur unter diversen Rangiermanövern gelangten die Autos hindurch.
Viele Kirchen und Kirchenruinen prägen das Stadtbild. Hinter dem Dom von Visby (auch St. Maria-Kirche) erhebt sich ein kleiner Park auf einer Erhebung (ein sogenanntes "Berg-chen"), von dem aus man die besten Fotos von der gesamten Stadt machen kann.
Der botanische Garten von Visby ist überraschend gut bestückt. Viele Pflanzen aus aller Welt erfreuen das Auge. Malerische Plätze zum Verweilen lockern die Botanik auf, auch mehrere kleine Gewässer sowie ein Pavillon, aber auch eine der vielen Kirchenruinen des Ortes sind in das Gelände integriert und bieten einen wahren Augenschmaus. Wer hätte gedacht, dass so weit hoch im Norden in einer derart kleinen Siedlung ein Juwel dieser Art zu finden wäre? Welches dazu noch gärtnerisch hervorragend in Schuss gehalten wird…
Auf dem Weg zurück zum Schiff legten wir einen Zwischenstopp im Glassmaganiset ein. Die beste Eisdiele auf Gotland (und vielleicht der nördlichen Welthalbkugel) bietet ganze 319 verschiedene Geschmackssorten an und liegt direkt am Wasser, nah beim Hafen. Die Preise für eine Kugel sind wahrhaft utopisch, die Größe (und der Geschmack) aber auch. Lohnt sich auf jeden Fall! Und wenn es uns dann wegen dieser besten Eisdiele nochmals hierher verschlagen sollte, dann wird in dieser zukünftigen Zeit die Fußgängerbrücke vom Ort zur Kreuzfahrt Pier vielleicht schon fertig sein. Und die Pier vielleicht auch. Die wird nämlich ebenfalls ganz neu errichtet, um größere Schiffe und damit natürlich mehr Geld hierher zu locken.

 

 

  

 

 

04.09.2018 – Stockholm / Schweden – Sonne, 23°
Wahre Lebenskünstler sind schon glücklich, wenn sie nicht unglücklich sind

"Das typisch Schwedische ist die Anpassung an die Internationalität". So sagte uns die Reiseleiterin auf unserer Panoramafahrt durch die Hauptstadt Schwedens. Böse Zungen würden vielleicht behaupten, dass dadurch die eigene Identität verloren geht. Man sollte aber vielmehr eine große Flexibilität in diesem Wesenszug sehen. Wir sind auf dieser Bustour durch Stockholm durch viele Viertel gefahren, haben wirklich ungewöhnlich viel von einer großen Stadt gesehen und können bezeugen, dass die Schweden keineswegs die eigene Identität aufzugeben beabsichtigen, um sich der Internationalität zu nähern. Viele Dinge in Stockholm sahen wir zum ersten Mal. In der Gamla, der Altstadt von Stockholm, waren wir zum Beispiel vormittags zu Fuß unterwegs gewesen und hatten uns an den vielen kleinen Restaurants und Bars erfreut, die ihre gesamte Fensterfront zur Gasse hin geöffnet hatten. Die Glasfenster waren zusammengeklappt wie Ziehharmonikas, man konnte ungehindert rein- wie rausschauen und vor allem -schnuppern. Und die Nähe der königlichen Familie und ihres Schlosses zur Bevölkerung hin fanden wir geradezu episch. Es gibt so gut wie keine Absperrungen, und sowohl das eigene Volk wie auch wir neugierigen Touris kommen ziemlich nahe an die royalen Locations heran.

Auf der Bustour kamen wir auch durch Djurgården, einem sehenswerten Viertel mit einigen Vergnügungsmöglichkeiten, zum Beispiel einem ganzjährig geöffneten Rummelplatz, aber auch mit viel Grünfläche und großzügig (breit) angelegten Straßenzügen. Ebenso fuhren wir durch andere Ortsteile, die reines Wohngebiet waren. Überall war irgendein Gewässer nicht weit entfernt, und viel Grün war allgemein zu sehen. Eine wirklich nahezu stadtumfassende Panoramafahrt – wir haben außergewöhnlich viel gesehen!

Leider wurde eine der großen Schleusen der Stadt neu erbaut, weshalb die halbe Innenstadt von Bauzäunen nur so wimmelte. Und obwohl wir die rege Bautätigkeit auch von unserem eigenen Wohnort Düsseldorf her kennen, nervte es schon ein wenig. Denn erstens wurden eine ganze Menge Fotomotive dadurch einfach zerstört. Zweitens mussten wir bei unserem morgendlichen Bummel auf eigene Faust durch die Stadt teils große und ungemütliche Umwege machen. A propos Bummel auf eigene Faust: die Stadtoberen haben den Weg von der Pier zu verschiedenen touristischen Zielen mit unterschiedlich farbigen Linien auf dem Bürgersteig gekennzeichnet. Eigentlich eine Super-Idee, nur dass unsere (blaue) Linie, die uns zum Zentrum bringen sollte, an einem Verkehrs-Knotenpunkt unvermittelt endete und uns im Nirwana einer großen schwedischen Kreuzung alleine ließ.

Mit allem versöhnt wurden wir mit einem wunderschönen Auslaufen am späten Nachmittag durch den Schärengarten. Das herrlichste Wetter tauchte die vielen kleinen Inseln in ein außerirdisches Licht und bescherte uns ein Gänsehaut-Feeling. Eine gute Stunde ging es per Schleichfahrt recht nah an vielen kleinsten und etwas größeren Inseln vorbei. Die meisten waren mit zumindest einer (Ferien)-Hütte bebaut, und man konnte den Leuten fast durchs Fenster auf den Teller schauen. Ein einmaliges Erlebnis für uns, ein tägliches Ritual für die dort ihre Zeit verbringenden Schweden.

Abends wurde passenderweise eine ABBA-Show auf die Bühne gezaubert. Thank you for the Music, Phoenix!

 

 

  

 

 

05.09.2018 - Holmsund / Umea / Schweden – Sonne, 16°
Es ist kein Schaden so groß, dass er nicht auch einen Nutzen hat

Für die heutige Mittagszeit war die Ankunft der MS Albatros im Hafen von Holmsund angekündigt worden. Holmsund ist eine Ortschaft in der schwedischen Gemeinde Umea ("Ümeoh"). Die Gemeinde hat etwa 110.000 Einwohner. Es gibt in der Gemeinde Umea auch einen Ort gleichen Namens. Die Gemeinde wurde Anfang des 17. Jahrhunderts gegründet und erstreckt sich heute rund 70 km entlang der Küste des Bottnischen Meerbusens und etwa 60 km ins Landesinnere hinein. Das Gemeindegebiet wird durch einen Fluss geteilt, der bei Umea, dem Hauptort der gleichnamigen Gemeinde, in die Ostsee mündet. Umea wird auch die "Stadt der Birken" genannt. Hierher, in den Ort Umea, hatten wir einen Bustransfer gebucht.


War es morgens um die Frühstückszeit mit etwa 12° noch recht frisch, so klarte es während unseres Transfers auf und es wurde immer wärmer. Umea – der Ort – selber ist ein junger Ort, und mit "jung" meinen wir den Altersdurchschnitt der Menschen. Immerhin ist Umea Universitätsstadt. Aber auch das allgemeine Flair hier ist jung. Bei strahlenden Sonnenschein wanderten wir am Fluss "Ume älv" entlang und überquerten ihn einmal hin – über die sehenswerte alte Brücke "Gamla Bron" ("Alte Brücke"). Diese schöne alte Brücke ist nur für Radfahrer und Fußgänger geöffnet und hat einen herrlichen Strassenbelag aus – Holz. Zurück über den Fluss ging es über die wesentlich modernere "Tegsbron". Ein wunderschöner moderner Park mit einer Unmenge an Kunstskulpturen lud uns zu einer Rast an einem der Holzstege ein. Die jungen Leute saßen hier im T-Shirt und picknickten. Für sie hier oben im Norden war dieser Tag wahrscheinlich wie bei uns in Mitteleuropa ein heißer Sommertag…


Auch in die Fußgängerzone in der Innenstadt lenkten wir unsere Schritte. Hier begegnete uns der Zwillingsbruder von Elvis Presley. In Bronze gegossen, steht der "Standing Man" seit 2008 in Wind und Regen im Zentrum Umeas und sieht dem King of Rock’n’Roll zum Verwechseln ähnlich. Selbstverständlich bettelte er darum, auf ein Foto zusammen mit der Hummel verewigt zu werden. Das konnten wir ihm nicht abschlagen. Aus dem Kopf schlagen mussten wir uns hingegen ein leckeres Eis. Es gibt im Zentrum zwar einige Eis-Paläste, jedoch hatten wir leider keine Kreditkarte dabei, mit der wir selbst zwei Kugeln hätten bezahlen können. Und schwedische Kronen hatten wir uns im Vorfeld leider vergessen zu besorgen.

 

 

  

 

 

06.09.2018 – Oulu / Finnland – regnerisch, 14-17°
Der Weg zwischen der Realität und deinen Träumen wird auch Disziplin genannt

Oulu ist die älteste und größte Stadt Nordfinnlands. Sie beheimatet mehr als 200.000 Finnen und besteht meistenteils aus dem kulturellen Leben einer modernen Geschäftsstadt. Sie bietet aber auch zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und die Exotik der nördlich-arktischen Natur. Dem geschäftigen Treiben der Innenstadt kann man leicht in die Ruhe eines grünen Parks oder an den Sandstrand entfliehen. Wir hätten es aber auch anders ausdrücken können: mit Oulu fanden wir eine nüchterne Stadt ohne touristische oder architektonische Highlights vor, die ihren Einwohnern aber viel Grün anbietet.

Insbesondere der – bitte laut nachsprechen – Hupisaarten kaupunginpuisto, ein Stadtpark mit Botanischem Pflanzenhaus, hat uns außerordentlich gut gefallen. Dieses grüne Herz Oulus lädt ein zum Spazieren, Schauen, Joggen und Leben. Das tropische Gewächshaus direkt neben dem riesigen Kinderspielplatz bietet vielen tropischen Gewächsen eine Heimat. Die Studenten des Ortes, die für die Pflege zuständig sind, achten aber auch darauf, dass eine Auswahl heimischer Pflanzen vertreten ist. Daher sieht man neben allerlei Orchideen auch viele flechtenartige Gewächse. Ein See im Park mit einer großflächigen Fontänen-Installation bietet dem Auge eine Rast – für die Fontäne bitte das zweite Foto von oben rechts in diesem Tagesblock betrachten (und zum Vergrößern draufklicken).

Im Stadtzentrum ist zweifellos die riesige Markthalle neben dem ausgedehnten Wochenmarkt zu erwähnen. Gut bewacht von einem kleinen dicken Marktpolizisten (zugegeben, einer Bronzestatue eines Marktpolizisten), ist dieser Prachtbau im kalten, nördlichen Winter sicherlich gut besuchtes Ziel für Shopping- oder Kaffeefahrten. Die Obststände auf dem Marktplatz bieten raue Mengen von Preisel-, Wald- und Stachelbeeren an. Auch Äpfel sind im Angebot, die in unseren Augen ziemlich klein waren, aber hierzulande wahrscheinlich gar nicht größer wachsen. Riesige Steinpilze erregten unsere Aufmerksamkeit. In den umliegenden alten Hütten befinden sich Scheunenrestaurants, Cafés und Kleider- oder Einrichtungsgeschäfte.

Eine Holzhaus-Siedlung auf der kleinen Insel Pikisaari rundete unseren Stadtrundgang auf eigene Faust ab. Hier schien die Zeit etwas stehengeblieben zu sein. Kaum ein Auto war zu sehen, dafür aber Holzhaus an Holzhaus, keines höher als zwei Geschosse, angemalt in allerlei pastell-bunten Farben. Es fehlte nicht viel, und wir hätten uns 100 Jahre zurückversetzt gefühlt. Alleine die oberirdisch verlegten Strom- und sonstigen Kabel vermasselten diesen Eindruck wieder.

Ein Shuttlebus brachte uns zurück aufs Schiff. Wir waren froh, die vermutlich mehr als 10 km zurück nicht mehr zu Fuss laufen zu müssen. Es war kalt und etwas ungemütlich gewesen, zum Glück hatte es aber kaum geregnet. Oulu ist sicherlich kein typisches Reiseziel und besticht keineswegs durch Schönheit, aber wir waren froh, überhaupt mal eine größere Stadt in diesen Breitengraden gesehen zu haben.

 

 

  

 

 

07.09.2018 - Rauma / Finnland – bewölkt, 23°
Entweder konsequent oder inkonsequent, aber Schluß mit dem ewigen Hin und Her

Die größte Sehenswürdigkeit von Rauma ist die hölzerne Altstadt. Die mehr als 600 Holzhäuser auf einer komprimierten Altstadt-Fläche von 28 Hektar sind seit dem späten 17. Jahrhundert von Feuersbrünsten verschont geblieben und bieten daher dem Besucher heute ein ähnliches Bild wie vor einigen hundert Jahren. Zur besseren Einordnung der Größe: seit langer Zeit ist ein Fußballplatz etwa so groß wie ein Hektar. Die 600 Einwohner leben zwar mit ziemlich grob gepflasterten Strassen, denen auch beinahe der Hummelknöchel zum Opfer gefallen wäre, aber das ist halt der Preis für "Living in a Weltkulturerbe".

Ein kostenloser Shuttle-Bus brachte uns gegen 14 Uhr bis zur Heiligen-Kreuz-Kirche, die am Rande der Altstadt liegt. Ein warmer Spätsommertag begleitete uns, wir hätten in kurzen Hosen gehen sollen. Trotz der Wärme mussten wir leider erst mal die Medikamenten-Industrie unterstützen, denn unglücklicherweise hatte die Hummel sich eine Erkältung mit bösem Husten eingefangen. Aufgrund der Eurozone war der Preisvergleich recht einfach. Überhaupt besteht die ganze Altstadt aus vielfach liebevoll eingerichteten Geschäften, die zum Einkaufen einluden. Wir sind diesem Kaufdruck aber (fast) erfolgreich widerstanden: lediglich zwei große Wolfs-Eistüten und ein großes Hummel-Softeis wurden in dieser wunderbaren Umgebung gegen harte Euros getauscht (neben den bereits erwähnten Arzneien).

Der Stadtkern faszinierte uns nicht nur wegen der vielen Bauten aus Holz. Auch der Straßenbelag war wohl seit Jahrhunderten hier nicht verändert worden. Große Pflastersteine waren verbaut, die jeden Stoßdämpfer herausfordern. Die Straßennamen amüsierten uns schon etwas, weil sie für deutschsprachige Ohren ziemlich lang und/oder unaussprechlich sind. Der Besitzer eines Tierfachgeschäftes heißt Annan Eläinlääkäriseroiisi und somit bekam ich einen Knoten in der Zunge beim Versuch, diesen Namen auszusprechen. Die eiserne Lady, die ziemlich einsam auf einer Bank saß, gewann hingegen sofort mein Herz, wie man eindeutig auf dem Foto hier sieht. Kunst kommt von Können, und der Künstler dieser Dame kann eindeutig den Eindruck der Echtheit erwecken.

Den Abschluss dieser Stadtbesichtigung bildete der Besuch der Heilig-Kreuz-Kirche. Diese "Hauptkirche" Raumas wurde als Klosterkirche der Franziskaner erbaut und ist über 500 Jahre alt. Besonders beeindruckend sind die vielen bunten Wandmalereien. Wie so oft auf unseren privaten Besichtigungstouren, so bildete dieser Kirchenbesuch auch heute einen stillen und besinnlichen Ausklang und ließ uns einen Moment innehalten und des Glückes gedenken, dass wir heute hier sein durften und dies in guter Gesundheit tun konnten.

 

 

  

 

 

08.09.2018 – Erholung auf See – kein Wetter
Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit

Seetage waren auf dieser Kreuzfahrt ziemlich selten. Dementsprechend packten wir recht viel Erholung in diesen Tag. Erholung bedeutet: etwas Sport ("Moderat-Beweging") und viel Erholung ("Extrem-Relaxing"). Konkret hieß dies: Klaus quälte den Cross-Trainer, und Birgit hörte sich einen Vortrag des Bord-Lektors an. Ein Tages-Programm für die diversen Schiffs-Aktivitäten gab es an diesem Tage auch. Stellvertretend für viele Tage gibt es hier mal einen Überblick über die Unternehmungsmöglichkeiten eines Seetages:

 
07:30 - 08:00 – Early Bird (Frühstück für Frühaufsteher)
08:00 - 10:00 – Frühstück in den Restaurants "Möwe" und "Pelikan"
08:00 - 10:00 – Frühstück am "Lido" - Buffet
08:00 – Frühsport mit Franky
08:35 – Gymnastik an der Reling
09:15 – Wochenend - Gottesdienst
09:30 – Akupressur gegen Kopfschmerzen und Migräne mit Kiona
10:05 – Darten mit Franky
10:10 – Yoga für Anfänger
11:00 – Shuffleboard mit Franky (darf auf keiner Kreuzfahrt fehlen. Shuffleboard. Nicht Franky.)
11:30 – Lesung in der Pazifik Lounge mit Kiona
12:00 - 13:30 – Mittagessen in allen Restaurants
15:00 – Spielen Sie Jakkolo mit Kiona
15:30 – Bingo mit Franky
15:30 – Schachspieler treffen sich in der Bibliothek
15:30 – Lesung des Lektors Rainer Pelka
16:00 – Atem- und Entspannungsübungen mit Kiona
16:30 – Walk a mile mit Franky
16:30 – Augentraining mit Kiona
17:00 – Stressabbau und Blockaden lösen! Mit Kiona
18:00 – 19:00 - Chill out Musik an der Kopernikus Bar
18:00 - 19:00 – Aperitifstunde mit Constance Gottschalk am Piano
18:00 und 20:00 – Buffet Magnifique (zwei Sitzungen)
20:30 – Ihr Alleinunterhalter Angelo freut sich auf Sie in Harry’s Bar
21:00 – Angenehme Melodien am Piano mit Constance Gottschalk
21:30 – "Spiegelzelt" – Variete in der Atlantik Lounge
ab 00:00 – Disco! DJ Serdal legt auf

 
Tja. Und schon war der Tag Geschichte. So schnell geht es…

 

 

  

 

 

09.09.2018 - St. Petersburg / Russland – heiter bis wolkig, 20°
Wo wir lieben, ist unser Zuhause

St. Petersburg. Was für ein Moloch von Stadt! Was für ein Moloch von Kreuzfahrthafen! Was für Häusergebirge allerorten! Mit über vier Millionen Einwohnern ist St. Petersburg die nördlichste Millionenstadt der Welt, die zweitgrößte Stadt Russlands und einer der größten Städte Europas. Wir fuhren mit der MS Albatros in den Hafen ein und kamen uns direkt winzig vor – vier oder fünf andere riesige Kreuzfahrtschiffe lagen bereits fest vertäut an den Pieren. An diesem Tage müssen zehn- bis fünfzehntausend Kreuzfahrt-Touristen die Stadt bevölkert haben.


Das erste Gebäude, das auffällt, ist der neue GAZPROM-Wolkenkratzer in einiger Entfernung, aber in der Nähe der Küste. Der russische Konzern hat sich hier das höchste Gebäude Europas gegönnt, und es ist wahrhaftig beeindruckend. In der Abendsonne funkeln die dunklen Glasscheiben, und der Feuerball spiegelt sich in der hochglanzpolierten Fassade wieder. Leider waren seitens unseres Veranstalters keine weiteren Informationen über dieses nagelneue Gebäude verfügbar; wahrscheinlich dauert es eine Weile, bis diese Sehenswürdigkeit in die Reihe der sehenswürdigen Würdigkeiten einsortiert worden ist…


St. Petersburg hat aber auch so eine Menge zu bieten. Eine Menge mehr, als man in einem Tage sehen kann. Deshalb waren für St. Petersburg zwei Tage Aufenthalt eingeplant. (St. Petersburg hat aber auch mehr zu bieten, als man in zwei Tagen sehen kann.) Eine weitere Besonderheit für uns Kreuzfahrer hier in Russland besteht darin, dass man ohne Visum zwar gebuchte Ausflüge ins Land unternehmen kann, aber nicht auf eigene Faust in die Stadt ziehen darf. Wir hatten hier also die Qual der Wahl der Ausflüge, wären aber lieber auch mal auf eigene Faust losgezogen.


Wir entschieden uns für das klassische St. Petersburg. Heute, am ersten Tag unseres Aufenthaltes, fuhren wir mit dem Bus zum Katharinen-Palast. Wow, nicht gerade sozialer Wohnungsbau. Die Fotos hier können nur unzureichend den wahren Reichtum wiedergeben, der hier versammelt ist. Im Palast selber kamen wir uns vor wie zur Besichtigung von Schloss Neuschwanstein. Lange Schlangen von Touristen waren die meiste Zeit das Einzige, was man sehen konnte. Aber zum Glück gab es auch immer wieder lichte Momente, in denen es möglich war, das eine oder andere Foto zu schießen. Selbst das Bernsteinzimmer war zum "Abschuss" freigegeben – wenn auch mit Blitzverbot, aus verständlichen Gründen. Insgesamt äußerst beindruckend, und es gab hier tatsächlich mehr zu sehen als im Neuschwanstein, wo nur eine begrenzte Räumlichkeit für die Öffentlichkeit freigegeben worden ist.


Die Rückfahrt zum Hafen erfolgte durch wirkliche Hochhausburgen, in denen man sich durchaus verloren vorkommen kann. Breite Strassen werden ein Überbleibsel aus früheren Zeiten sein, teilweise gibt es acht oder zehn Fahrspuren, die aber offensichtlich trotzdem kaum den Verkehr schlucken konnten – zumindest zur rush hour sah es hier so aus wie in allen anderen Metropolen dieser Welt, wenn Feierabendverkehr herrscht. Ein durchaus denkwürdiger Tag fand seinen Ausklang in einem wie immer guten Menu zum Abend und dem einen oder anderen Glas Wein. Hm, lecker. Beides.
 

 

 

  

 

 

10.09.2018 – St. Petersburg / Russland – leicht bewölkt, 18°
Betrachte immer die helle Seite der Dinge. Haben sie keine, reibe die dunkle Seite, bis sie glänzt

Das klassische St. Petersburg wurde auch am zweiten Tage mit dem Ausflug "Kronstadt und Fontänenpark Peterhof" weiter erkundet. Diese "klassischen" Ziele einer Ostsee-Kreuzfahrt bieten dem Auge allerhand Sehenswertes, wie wir bald erfahren sollten.
Kronstadt liegt auf einer Insel nicht weit vor St. Petersburg in der Ostsee. Tatsächlich diente die Stadt lange Zeit als Verteidigungsstützpunkt von St. Petersburg und war in dem einen oder anderen Krieg hierin recht erfolgreich. Heutzutage war es in unseren Augen ein Ort, der recht düster wirkte. Das lag nicht nur am regnerischen und grauen Himmel, sondern auch an den Straßen und Gebäuden, von denen viele noch den Charme der alten Sowjet-Republik ausstrahlten. Die größte Sehenswürdigkeit ist der Marine-Dom, der an einem riesigen Platz liegt, der von eisernen Strassen begrenzt wird. Eiserne Strassen? Ja, als ehemaliger Marine- und Armee-Stützpunkt und als Militärstadt hat Kronstadt eine Menge Panzer gesehen, die auf den eisenverstärkten Strassenbelägen nicht den Schaden anrichten konnten, der bei bloßem Asphaltbelag entstanden wäre.
Der Dom war schon ein Hingucker, die düsteren Strassen und vielen Kasernen weniger. Auch gab es wirklich noch eine Menge Häuser, die in rechtem Kontrast zum gestrigen Katharinen-Palast standen. Keine wirkliche Augenweide war dieses touristische Ziel, aber durchaus auch interessant, denn es liegt ja abseits der strahlenden Highlights Russlands und illustrierte uns ein Stück Wirklichkeit. Ach. Übrigens haben wir in Kronstadt folgende Einrichtung kennengelernt: ein öffentlicher Toiletten-Betrieb, die vorzüglich vor marodierenden Toiletten-Banden geschützt war: durch eine scharfgeschaltete Alarmanlage, die nur durch die ranghöhere Angestellte der beiden Toilettendamen abgeschaltet werden konnte. Weswegen wir uns eine Weile in Schlange-Stehen übten, denn die Dame mit Schlüsselgewalt hatte sich an diesem Morgen verspätet.
Der Peterhof, ein Schloß voll unglaublicher Dinge und Zeuge großen Reichtums, liegt in der gleichnamigen Stadt Peterhof. 30 Kilometer westlich von St. Petersburg kamen wir hier aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zar Peter hat hier einen Park anlegen lassen, der nicht umsonst in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Hunderte von Fontänen bilden hier Hingucker neben Hingucker. Unser Guide versuchte, uns ein kleines Stück in die Geheimnisse der Fontänenanlagen einzuweihen. Nur ein Detail am Rande: Die gesamte Anlage wurde vor einigen hundert Jahren so konzipiert, dass nur die Schwerkraft alleine die gesamten Fontänenanlagen am Laufen hielten. Weder Pumpen noch andere hydraulische Geräte waren hier verbaut. Und wer hier mal Flanieren möchte, dem sei der Tipp gegeben, dass man immer wieder aufpassen muss, damit man nicht in die Schusslinie der Wasserstrahlen gerät. Sogenannte "Amusement arcades" dienten der Belustigung des Zaren und seiner ausgesuchten Gäste. Wer nicht eingeweiht war, der wurde hier in den Fallen, die durch unvorsichtige Fußschritte ausgelöst werden, unweigerlich patschnass. Ja, die Fallen funktionieren noch heute. Und, ja, auch heute noch wird man unweigerlich plitschnass.
Wir verbrachten zwei interessante Stunden und tapperten kreuz und quer durch diesen herrlichen Park. Vergoldete Statuen, künstliche Wasserläufe und Wege, die sich immer wieder kreuzten, ließen die Zeit nicht langweilig werden. Große Achsen durch den Park erlaubten Blicke, die zarenswert sind: vom Schloßgarten bis zur Ostsee in einiger Entfernung, vielleicht zwei Kilometer, verläuft eine Wasserachse mit Dutzenden beleuchteter Fontänen und Flanierbrückchen, deren Ausblick von beiden Seiten gleichermassen aussergewöhnlich ist. Ja, man kann ins Schwärmen geraten. Aber was für einen Preis hat das Land dafür bezahlt. Und heute auch noch! Meine Nachfrage ergab, dass die Instandhaltungskosten kaum zu 10% durch die Millionen Touristen jährlich gedeckt werden können. Nein, diese Immobilie wäre nichts für uns…
Früh, bevor es dunkel wurde, lief die MS Albatros bereits wieder in die untergehende Sonne aus. Welch ein Abschied von dieser unglaublichen Stadt. St. Petersburg ist auf jeden Fall ein Ort, der die Phantasie und die Sehnsucht anregt. Dazu noch ein Glas Sekt in der Hand, der untergehenden Sonne zuschauen, im Rücken die dunkler werdenden Häuser und Wolkenkratzer der Millionenmetropole, das war wirklich der Höhepunkt dieser Reise!

 

 

  

 

 

11.09.2018 – Tallinn / Estland – bewölkt, regnerisch, 19°
Lasst uns Weltbürger sein: überall zu Hause und überall unterwegs

Man ist nicht auf der Ostsee gewesen, wenn man nicht die Baltischen Staaten besucht hat. Sie gehören zur Ostsee wie Perlen zur Südsee oder die Kleine Meerjungfrau zu Kopenhagen. Unser erster Anlauf war Tallinn in Estland. (Bitte beachten: Tallinn unbedingt mit zwei "t" und zwei "n" schreiben. Sonst bekommt man Ärger mit den Esten! Das war ein ausdrücklicher Tipp unseres Guides).
Tallinn besticht durch einen Mix aus mittelalterlichem Flair und urbaner Atmosphäre. Als erstes kamen wir mit dem Bus, der uns vom Hafen in die Nähe der Altstadt fuhr, an der "Dicken Margarete" vorbei. Hierbei handelt es nicht etwa um eine adipöse Estländerin, sondern um einen imposanten Wehrturm, der etwaige Angreifer von der Seeseite her beindrucken und den Hafen beschützen sollte.
Der "Stadtrundgang Tallinn" führte uns mitten hinein ins Zentrum von Tallinn. Die Altstadt der estischen Hauptstadt wird von einer mächtigen Stadtmauer umrundet. Mit dem Bau dieser Stadtmauer wurde bereits in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen, und es wurde in den folgenden 300 Jahren fortwährend nachgebessert. Die fertige Mauer war schließlich 2,35 km lang, 13-16 m hoch und 2-3 m dick. 40 Türme wehrten zusätzlich etwaige Feinde ab. Dadurch wurde Tallinn eine der am besten befestigten Städte an der Ostsee. Heute stehen noch 1,85 km Mauer und 26 Türme, in gutem Erhaltungszustand. In den Nischen der Stadtmauer findet man heute Souvenir- und Handarbeitsstände mit allerlei praktischen selbstgestrickten oder auch unnützen Dingen, und alles bunt anzusehen.
Ganz oben in der Oberstadt Tallinns steht die Domkirche, eine der ältesten Kirchen der Stadt. Ringsum gibt es Aussichtsterrassen, von denen aus man einen überwältigenden Ausblick auf die Unterstadt und die nähere Umgebung Tallinns hat. Auch der Hafen mit unserem Schiff ist in einiger Entfernung auszumachen. In der Ferne funkelt die Ostsee in der Sonne, die immer wieder versucht, durch die dichten Wolken zu brechen. Natürlich ist so ein exponierter Ort mit diesem Traum-Rundblick ein absoluter Touri - Hot Spot. Entsprechend viele Restaurants, Andenken- und Imbiss-Läden sind hier angesiedelt. Aber alleine für die Fotos ist es die Zeit und die Mühe wert, den Domberg zu "erklimmen".
Von der Oberstadt ging es zur Unterstadt durch eine ganz schmale und steile Gasse, dem "Langen Bein". Hier sollte jeder besser vorsichtig sein, denn die Enge und das Gefälle werden verstärkt durch allerhand Touristen, die sich hier durchschlängeln wollen. Kaum sieht man die buckeligen Pflastersteine. Zum Glück gibt es links und rechts Handläufe, die einem beim Kraxeln helfen. Wahrscheinlich hat hier der eine oder andere Tourist mal eine Lawine ausgelöst beim Versuch, das "Lange Bein" freihändig zu bewältigen.
In der Unterstadt hatten wir noch etwa eine Stunde Freizeit. Auch hier hat man überall den Eindruck, eine Zeitreise unternommen zu haben. Kleine, verwinkelte Gassen, links und rechts die malerischen Altstadtbauten, die allermeisten hervorragend restauriert, Backwarenstände mit mittelalterlich gekleideten Damen beherrschten das Bild. Aber auch eine Unmenge an Touristen wuselte herum. Man soll gar nicht glauben, dass Tallinn ein derartiger Knaller ist. Leider ließ das unbeständige Wetter ein gutes Fotolicht gar nicht erst aufkommen, meistens war ein grauer Himmel die Kulisse. Gegen Ende unseres Aufenthalts fing es sogar rege an zu tröpfeln. Aus Tropfen wurden Prassler und Schüttler, so dass wir froh waren, als wir im Bus saßen, der uns zurück in den Hafen brachte. Und so ging unsere Stippvisite im jungen und trotzdem mittelalterlich scheinenden Tallinn zu Ende. Der dunkle Himmel aber bescherte uns in dieser Nacht einen rechten Sturm mit Wellen um 7 m Höhe und Windstärke 10. Ja, und das auf diesem Meerchen, das doch eher bekannt ist für kleine, kurze Wellen und gemäßigten Winden. Uns war es recht!

 

 

  

 

 

12.09.2018 – Klaipeda / Litauen – windig, 19°
Nicht weil man alt wird, verliert man den Spaß am Leben, sondern weil man den Spaß am Leben verliert, wird man alt

Klaipeda ist mit etwa 200.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Litauens und unterhält den einzigen Seehafen des Landes: Eingang zum Kurischen Haff, nördlichster eisfreier Seehafen an der Ostsee, daher von Bedeutung für die Verschiffung von russischem Erdöl. Der südlichste und größte baltische Staat Litauen besitzt nur eine Küstenlinie von 99 Kilometern Länge. Allerdings gehört dazu auch ungefähr die Hälfte der UNESCO-geschützten Landschaft, die die Kurische Nehrung bildet, einer langgezogenen Insel vor der Küste Litauens, die von dieser durch das Kurische Haff getrennt wird (das Haff sieht aus und ist nicht breiter als ein großer Fluss oder Strom).

Unser Ziel an diesem Tage war ebendiese Kurische Nehrung. Nach einem knappen Mittagessen zogen wir gegen 13 Uhr auf eigene Faust los und fanden als erstes - "Das Schwarze Gespenst", eine wirklich gruselige Bronzeskulptur, die ganz in der Nähe der historischen Kettenbrücke aus dem Wasser klettert und einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Unser Ziel war jedoch keine Horror-Figur, sondern ein kurzer Ausflug auf die Kurische Nehrung und (später) in Klaipeda etwas schönen und bezahlbaren Bernsteinschmuck zu finden.
Erstes war relativ einfach. Nach einem heftigen Zwischenspurt unsererseits, der beinahe die Fähre verjagt hätte, konnten wir für 80 Cent pro Person übersetzen. Die "Überfahrt" dauerte nicht länger als eine Fährübersetzung auf dem Rhein, und nach kaum fünf Minuten setzten wir unsere Füße auf das langgezogene Stück Weltnaturerbe. Wir wollten unbedingt auf die andere, die Meerseite der Nehrung, um uns die immer noch heftigen Winde um die Nase wehen lassen. Eine gute halbe Stunde Fußweg führte uns bis zum Meeres-Museum mit Original-Schiffsmodellen aus verschiedenen Jahrhunderten.

Leider war das Wetter weiterhin stürmisch, und als wir schließlich den Strand erreichten, war das Meerchen ziemlich zornig zu uns, warf mit großen Wellen nach uns und verhinderte somit, dass wir auch nur einen einzigen Fuß ins kalte, kalte Wasser setzen konnten. Immerhin blieben wir jedoch während unserer ganzen 2 Stunden auf der Nehrung trocken – wahrscheinlich, weil wir Schirme dabeihatten.
Unser zweites Ziel, der Erwerb einer schönen Bernsteinkette oder eines Anhängers, konnten wir indes nicht erreichen. Wir wanderten kreuz und quer durch die recht nette Altstadt und fanden auch verschiedene, im Vorfeld angepriesene Sehenswürdigkeiten wie den Brunnen mit der Mädchenfigur "Ännchen von Tharau" oder die kleine bronzene Maus-Skulptur, die wirklich schon fast detektivischen Spürsinn erforderte. Auch ein paar Bernsteingeschäfte fanden wir, jedoch war nirgends das Passende dabei. Schade, dachten wir doch fest, dass hier, an der Geburtsstätte des Bernsteins, selbiger nur so aus dem Boden sprießt...

Ach, und das hier auf der rechten Seite gezeigte Hochhaus war irgendwie faszinierend. Je nach Blickwinkel bestand es entweder aus einem Haus oder aus zweien. Entweder aus zweien, die sich "anblickten" oder zweien, die sich voneinander abwandten. Da hat ein gewitzter Architekt Platz und Geld gehabt, "sein" "ver-rücktes" Haus hinzustellen. Und der Investor hat mitgespielt. Bitte anklicken zur Vergrößerung!
 

 

 

  

 

 

13.09.2018 – Gdansk / Danzig / Polen – sonnig bis wolkig, 19°
Das Gesicht des Menschen erkennst du bei Licht, seinen Charakter im Dunkeln

Danzig ist eine schöne Stadt. Wir sahen Danzig als einen weiteren Höhepunkt dieser Reise an – neben St. Petersburg natürlich. Die Vorfreude auf diese Stadt begleitete uns bereits eine ganze Weile, nicht zuletzt deshalb, weil wir hier noch einmal den Versuch starten wollten, ein gefälliges Schmuckstück aus Bernstein zu bekommen.

Aber zunächst sollte man sich in Geduld fassen. Um 08:20 startete unser gebuchter Ausflug "Danzig und Marienburg". Vorweg ging es also mit einem Bus in Richtung der mittelalterlichen Ordensburg, welche in der gleichnamigen Stadt Marienburg liegt. Hier erfuhren wir als Erstes, dass Toilettenpausen hierzulande nicht etwa "Toilettenpause" heißen, sondern "Gesundheitspause". Alles klar?

Die Marienburg ist schon ein rechtes Trutz-Stück und bietet mehrere Verteidigungslinien für das Herzstück der Anlage, dem Hochschloss. Diesem vorgelagert ist das Mittelschloss, extrem schwer zu erobern aufgrund hoher Mauern, Wehrtürmen und Zugbrücken. Davor liegt noch die Vorburg, und vor dieser mussten erst einmal die Außenbefestigungen überwunden werden. Hier liegt genau jene Architektur vor, die das mittelalterliche Rittersleben im Geiste lebendig werden lassen kann. Uns waren zwei Stunden gegeben, um die ganze Anlage zu besichtigen, und das war fast zu wenig. Es gab so viele interessante Details zu bestaunen, deren Aufzählung wir allerdings kompetenteren Seiten überlassen.

Eine weitere interessante Fahrt durch die herrliche polnische Landschaft nach Danzig stand uns anschließend bevor. Vorherrschend in dieser Region ist die Landwirtschaft, denn der Boden ist schwer und ertragreich. Den Ausführungen des Guides allerdings entzogen wir uns nach einer Weile durch geistiges Abdriften und schläfriges Abschweifen. Eine kurze Hingabe dem GÄHN war leider zur weiteren Bilder-Aufnahme in Danzig durch den strapazierten Denkapparat unumgänglich…

Kommen wir also zum Anfang zurück: Danzig ist eine schöne Stadt. Ganze Strassenzüge mit prunkvollen Giebelhäusern versetzen einen in eine andere Zeit. Die Hanse-Zeit lebt vor dem geistigen Auge wieder auf. Entlang des Königsweges wanderten wir zurück in eine andere Epoche. Hier, auf der längsten erhalten gebliebenen urbanen Achse aus dem Mittelalter zeugen noch viele Baudenkmäler von fetten Jahren. Wir sahen alles: am Anfang des Königsweges das "Goldene Tor", die repräsentativste Gasse Danzigs, die "Langgasse", den "Langen Markt" bis hin zum "Grünen Tor". Auf diesem Weg zogen die polnischen Könige in die Stadt ein, daher der Name. Irgendwie passend, fanden wir, und folgten diesen Wege ebenfalls, aber eher aus Zufall, denn entlang dieser Achse befindet sich tatsächlich das fotogenste Stück Danzigs. Ebenfalls befand sich entlang dieser Strecke allerdings auch der größte Touristenstrom. Er hielt sich am heutigen Tag in Grenzen; aber wenn mehrere Kreuzfahrtschiffe im Hafen 5 km weiter liegen, dann wird es hier bestimmt auch mal voller. Der Vorteil wiederum der Touristenströme: es gibt alle 100 m eine Eisdiele, die leckeres Eis herausgeben und harte Euros annehmen…

Von der Marienkirche, der größten Backsteinkirche der Welt, haben wir leider kaum etwas gesehen, denn sie versteckte sich in einer riesigen Baustelle, die weder anständige Fotos noch einen Besuch zuließen. Dafür gab es aber nicht weit von jener Kirche eine wundervolle Gasse, die uns sofort an Harry Potters Winkelgasse erinnerte: in der Marienstrasse findet man Laden an Laden, wo man Bernsteinschmuck kaufen kann. In den Vitrinen vor den Läden gibt es Schmuck in jeder Größe, Farbe oder Preisklasse (daher wird jeder Einheimische wissen, wonach man fragt, wenn man sich nach der "Bernsteingasse" erkundigt). Hier wurden wir endlich fündig!

Auf dem Schiff gab es dann noch einen weiteren Höhepunkt: das Buffet Magnifique wurde aufgebaut (und später von uns Kreuzfahrern heuschreckenartig gerupft). Und abends war die Crew-Show angesagt: ein Highlight jeder Reise. Wenn schon nicht darstellerisch, dann jedenfalls stimmungsmäßig…

 

 

  

 

 

14.09.2018 - Kolberg / Polen – Sonne, 17°
Sorgen klopfen manchmal an die Tür, aber sie verschwinden wieder, wenn sie von drinnen ein Lachen hören

Swinemünde wollte uns nicht. Mit recht einsilbigen Worten verkündete die Reiseleitung, dass die Behörden mitgeteilt hätten, der Hafen von Swinemünde sei voll und auch das Liegen auf Reede sei nicht möglich. Wenn man genau hinhört, war damit aber recht viel gesagt. Immerhin war die MS Albatros seit Monaten angemeldet, und eine derartig kurzfristige Absage war schon ungewöhnlich. Nun ist die Albatros mit maximal 830 Passagieren nicht gerade riesig. Wenn da ein Ami-Schlitten mit 5000 Passagieren ankommt und den Swinemünder Behörden ein krasses Angebot unterbreitet, dann kann es schon mal sein, dass der Hafen für uns kleine Kokosnuss-Schale plötzlich geschlossen ist…

In Rekordzeit hatte die Phoenix-Crew jedoch ein Ersatzziel inklusive Ausflugsmöglichkeiten auf die Beine gestellt. Kompliment hierzu! Und Kolberg war kein schlechter Ersatz. Wir erreichten die Reede gegen 08:00 morgens, und kurze Zeit später fuhren die ersten Tenderboote Richtung Marina Solna Kolobrzeg. Wir waren unter den ersten Passagieren, die an Land kamen.

Auch Kolberg ist ein Touristen-Ort, wenn man den vielen Andenkenläden und (Schnell-)Restaurants im Hafen glauben darf. Ein Streifzug durch den architektonisch recht unscheinbaren Ort führte uns schnell zum Kolberger Dom, einem fünfschiffigen gotischen Backsteinbau mit einem auffälligen Turmmassiv. Gerne zündeten wir während der kostenlosen Innenbesichtigung mal wieder eine Kerze an.

Die Hauptattraktion des Ortes aber ist die über 200 m ins Meer hinausragende Seebrücke, die den kilometerlangen, breiten Sandstrand krönt. Eine breite Promenade führt entlang des wirklich weißen und feinen Sandes. Sie lädt herzlich zum Bummeln und Flanieren ein; ebenso kann man sich an einen der vielen Tische der zahlreichen Cafés, Eisdielen und sonstigen Fresstempeln niederlassen. Ein sonniger Spätsommertag bestrahlte die gesamte Szenerie und erzeugte so die Atmosphäre einer Sommerfrische am Meer. Ebenso besuchten wir die Eisdiele auf der Seebrücke wie ein nettes Café an der Promenade, um einen Eiskaffee und eine Waffel zu genießen (bzw. mit den ortsansässigen Wespenschwärmen um einen Anteil an der Waffel zu feilschen). Zwischendrin hielten wir ein kleines Nickerchen im Sand und ließen die Füsse durchs angenehm kühle Wasser gleiten. Dies war ein wirklich schöner, spätsommerlicher Ausflug an die See. Heute stimmte das Klima – innerlich wie äußerlich!

Leider wurden wir abends nach der Rückkehr zum Schiff leise auf die baldige Trennung vorbereitet. In der Atlantik Lounge auf Deck 6 gab es die große Abschieds-Show "What a wonderful World". Alle Künstler dieser Reise waren beteiligt und nach Kräften bemüht, uns nicht nur bestens zu unterhalten, sondern zum Ende der Show hin etwas wehmütige Stimmung in den Saal zu bringen. Ja! Es sei ihnen gelungen, und die eine oder andere vorweggenommene, kleine Träne schimmerte in einigen Augen. Aber noch lagen weitere anderthalb Tage vor uns. Also auf und nicht die Köpfe hängen lassen!

 

 

  

 

 

15.09.2018 – Eckernförde – heiter bis wolkig, 17°
Das Leben ist ein Geschenk, das man nicht umtauschen kann

Das Ostseebad Eckernförde liegt "am Ende" der Eckernförder Bucht zwischen Kiel und Flensburg. Seine etwa 23.000 Einwohner dürfen sich über einen vier Kilometer langen Traumstrand freuen, der sozusagen direkt vor der Tür liegt. Da die MS Albatros heute auf Reede lag, konnten wir den Strand im Verlauf des Tenderns von der Wasserseite her bewundern und entschlossen uns kurzfristig, nicht nur den Stadtkern mit der verkehrsberuhigten Altstadt zu besichtigen, sondern auch ein wenig die Füße durch den Sand schlendern zu lassen.

Ein Empfangskomitee pensionierter Seebären begrüßte uns Kreuzfahrer am Anlandepunkt der Tenderboote mit herzhaften Shanty-Tönen. Zugleich bekamen wir alle einen kleinen Stadtplan in die Hand gedrückt, der uns die Sehenswürdigkeiten der Altstadt ans Herz legte. Die Altstadt von Eckernförde ist zum überwiegenden Teil als Fußgängerzone ausgewiesen. Wir sahen viele kleine Läden mit Handwerkskunst oder auch Einrichtungsgegenständen, aber auch die großen Player wie Rossmann oder Rewe waren natürlich vertreten. Ein Wochen- und Bauernmarkt zog uns in den Bann, und wir schlenderten hindurch und hatten Freude an den vielen Gerüchen und sonstigen Eindrücken. Ein besonderes Erlebnis war der Besuch der Bonbonkocherei Hermann Hinrichs. Ein junger Traditionsladen mit tollem Konzept: hinter einer Glasscheibe kann man den Meistern beim Herstellen der süßen Waren zuschauen, und es gibt eine mündliche Erklärung zu allen Schritten der Produktion. Vor der Glasscheibe befindet sich der große Verkaufsraum, in dem Dutzende, wenn nicht Hunderte von verschiedenen Bonbon-, Lakritz-, Toffee- oder Schokoladensorten feilgeboten werden. Himmlische Düfte inklusive. Wir: inmitten des Süßigkeiten-Paradieses. Die Nase: hart im Wind. Die Hand: immer in Nähe der Probiertöpfe. Ein Erlebnis für alle, die gerade nicht abnehmen wollen.

Nur ein paar Schritte entfernt fängt bereits der lange Sandstrand an, der sich sozusagen zwischen Altstadt und Wasserlinie geschoben hat. Nicht sehr breit, aber selbst jetzt, im späten Spätsommer, ein Juwel in der Sonne. Wir flanierten die vier Kilometer ab und ließen uns zwischendurch auf eine der großen, hölzernen Liegen nieder, die hie und da aufgebaut sind. Auch ein langer begehbarer Steg ist vorhanden, fast eine kleine Seebrücke, von der aus wir ein paar wirklich tolle Fotos vom Ort, von uns und vom Schiff machen konnten – insbesondere da gerade die Sonne aus den tiefen Wolken hervorlugte.

Eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt konnten wir leider nicht besichtigen: als wir die alte Holz-Zugbrücke, die den Innen- vom Außenhafen trennt, besichtigen wollten, war sie leider hochgezogen und konnte somit selbstverständlich nicht betreten werden. Als wir näherkamen, sahen wir die Notiz mit dem Grund hierfür: "Wegen eines Kreuzfahrtschiffes mit Tenderboot-Verkehr bleibt diese Brücke heute gesperrt.". Har har. Damit hatten wir uns leider selbst den Ast abgesägt, auf dem wir saßen…

 
 
Jammerschade: die Abfahrt aus der Bucht war für 14 Uhr angesetzt. Das letzte Tenderboot – der Lumpensammler – kehrte um 13:30 zur MS Albatros zurück. Dabei lud das Wetter uns ein, länger zu bleiben. Aber es half nichts, unerbittlich zogen unheimliche Kräfte das Schiff zurück nach Bremerhaven, und … -

 

 

  

 

 

16.09.2018 – Bremerhaven: Ausschiffung & Rückfahrt per Bus – regnerisch, 21°
Es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden als die Dunkelheit zu verfluchen

- …gegen 16 Uhr fädelten wir uns wieder in die Einfahrt zum Nord-Ostseekanal ein. Das Schleusen war wie vor 16 Tagen schnell vollzogen, und unter einem typisch norddeutschem Himmel schwebte die "Weiße Lady" an Häusern, Bäumen und Kühen vorbei zurück in die Nordsee. Wie in Zeitlupe zog die Landschaft vorbei. Wir sahen Menschen auf ihren Terrassen sitzen, vor dem Haus, ein Drink in der Hand, vielleicht sogar den Grill im Garten angeschmissen. Man "guckt Schiff" und macht Party draus…

Auf dieser Reise haben wir folgende Distanzen hinter uns gebracht (Angaben in Seemeilen):

Von Bis Seemeilen
Bremerhaven Kopenhagen 307 sm
Kopenhagen Visby 304 sm
Visby Stockholm 148 sm
Stockholm Holmsund 298 sm
Holmsund Oulu 188 sm
Oulu Rauma 334 sm
Rauma St. Petersburg 476 sm
St. Petersburg Tallinn 195 sm
Tallinn Klaipeda 332 sm
Klaipeda Gdansk 125 sm
Gdansk Kolberg 172 sm
Kolberg Eckernförde 224 sm
Eckernförde Bremerhaven 167 sm
     
total 3.270 sm 1 sm = 1,852 km total 6.056 km


Wir haben jede Seemeile genossen. Deshalb war der Abschied wie immer ein scharfes Schwert. Auch wenn die Weiße Lady nicht unbedingt unser Lieblingsschiff aus der Phoenix-Flotte ist. Denn da gibt es ja noch die MS Amadea…

 

 

 

 

 

 

  

 

 











Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am: 13.02.2019


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