Norderney im späten Frühjahr 2018

 

Die ostfriesische Insel Norderney ist eine der deutschen Inseln, die in unserer Sammlung noch fehlen. Auf allen deutschen Inseln Urlaub gemacht zu haben, scheint aber auch eine Odyssee zu sein, die noch ewig währt. Es fehlen immer noch viele, und Urlaubstage sind so wenige. Aber irgendwann! Yes!
Jedenfalls war im Frühling 2018 Norderney an der Reihe. Wie es uns gefallen hat? Eine sehr schöne Insel gab uns Raum für anderthalb Wochen Erholung pur - Details siehe unten. Wo wir untergekommen waren? Im Inselhotel Bruns, wo das Personal sehr nett und zuvorkommend, die Sauberkeit der Zimmer solala, und die Nachtruhe nicht perfekt war.

 

  

 

Die Insel Norderney

Wenn wir hier schreiben würden, dass Norderney uns ziemlich stark an Borkum erinnert, wo wir vor ein paar Jahren Urlaub machten, dann würden wir jetzt bestimmt Ärger mit den Borkumern kriegen. Oder Ärger mit den Norderneyern. Oder, viel wahrscheinlicher, Ärger mit beiden.
Tatsächlich gibt es neben vielen Ähnlichkeiten natürlich jede Menge Unterschiede. Und wir wollen hier gar nicht anfangen, Norderney zu beschreiben oder zu erklären. Dafür gibt es genug Seiten im Internet, die dies viel besser und genauer können. Aber, und das sei gestattet, eine persönliche Einschätzung dieser wunderbaren Insel möchten wir schon abgeben.
Im Ort selber hat man viele Freizeitmöglichkeiten (doch hierzu später). Die Wandermöglichkeiten auf der Insel sind naturgemäß etwas begrenzt (spätestens am Strand ist Schluß). Aber für eine gute Woche kann man hier schon kreuz und quer rumlaufen, bevor man in den Wiederholungsrhythmus gelangt. Natur pur, Strände ohne Ende, Ruhe allenthalben, sogar für landschaftliche Abwechslung ist gesorgt. Eine Wanderung um den Flughafen und durch den Ostteil der Insel sorgt zum Beispiel für andere Eindrücke als ein Fußmarsch durch die Dünen oder am Nordstrand entlang.
Der Leuchtturm von Norderney steht – mitten auf der Insel. Nanu. Nicht an der Küste? Nein. Aber das macht nix, er ist hoch genug, um über die Dünen zu schauen und sich den Schiffen zu zeigen. Selbstverständlich haben wir uns von der ordnungsgemäßen Anordnung der 253 Stufen überzeugt und sie auf Vollständigkeit überprüft. Der weite Blick übers Wattenmeer alleine war bereits die Anstrengung wert!

     

     

 

  

 

Der Ort Norderney auf Norderney

Der Ort Norderney auf Norderney gibt sich recht mondän daher. Ein großer Kurpark mit Kurzentrum, klar, wo man wandeln kann, Konzerte anhören und die üblichen Touristeninfos und –mitbringsel bekommt. Daneben hat uns besonders gefallen, dass man hier wirklich abends rumlaufen kann und viele verschiedene Möglichkeiten hat, das Abendessen und den weiteren Abend zu gestalten
Überdurchschnittlich oft haben wir beim Gosch gegessen: Preise okay, Essen gut, frisch, regional, lecker. Selbstverständlich muß man damit rechnen, seinen Tisch mit anderen Gästen zu teilen. Besonders zur Stoßzeit zwischen 18 und 20 Uhr kann man von Glück reden, überhaupt einen Platz zu ergattern. Man umgeht diesen Engpass, indem man sich schon vor 17 Uhr mit einer Flasche Wein hinsetzt und erst mal in Ruhe abhängt, bevor der große Andrang kommt, und erst später die Speisen ordert.
Die Freizeitmöglichkeiten sind, wie gesagt, größer, als man auf einer kleinen Insel erwarten darf. Das Badehaus haben wir zwar nicht besucht, machte aber einen guten Eindruck. Shopping-Gelegenheiten gibt es hier en masse, und man kann von wenig bis viel sein Geld leicht unter die Leute bringen. Die Top-Mode-Adressen fehlen ebensowenig wie die Rossmänner oder die anderen Drogerie-Märkte dieser Welt. Oder ungezählte Andenkenläden. Auch Eisdielen gab es mehr als genug, heureka! Kneipen, Imbiss- und Fisch-Buden, Bäckereien mit leckerem Kuchen und frischem Brot runden das Angebot ab. Mit der Norderneyer Bimmbelbahn kann man sich das alles auch bei Regenwetter anschauen, ohne nass zu werden.
Die Promenade ist wirklich eine Reise wert! Sie ist breit und ausladend und mindestens so lang, wie ein Abendspaziergang dauern soll. An verschiedenen Restaurationen kann man sich Bier oder Wein oder Milchreis (oder 1.000 andere Sachen) einverleiben, muß man aber nicht. Stattdessen kann man sich an der einen oder anderen Stelle einen Strandkorb mieten und die geschundenen Wanderfüße baumeln lassen, dabei den Schiffen nachschauen und den Träumen nachhängen. Es gibt aber auch genug Bänke, um sich niederzulassen. Oder man setzt sich einfach auf den Rasen oder auf die Böschung und schaut den Hunden zu, die entlang der Wasserlinie tollen. Meinetwegen bis zum Sonnenuntergang!

     

     

 

  

 

Rund um den Hafen

Ja. Nee. Is klar, der Hafen ist das Erste, das man sieht, wenn man ankommt. Und das letzte, was man sieht, wenn man abfährt. Jedenfalls bei einer Schiffsreise. Und eine Fähr-Überquerung gehört eindeutig in diese Kategorie. Aber das ist nicht der Grund, warum wir dem Hafen Norderneys ein eigenes kleines Kapitel gönnen.
Vielmehr ist es so, dass der Hafen gute 20 Minuten zu Fuß vom Ortszentrum Norderney entfernt ist. Und wenn man einen Koffer hinter sich herzieht, sind es noch mal 5 Minuten länger (aber nicht mehr; es sei denn, man ist fußkrank). Dies ist eine gute Entfernung für einen kleinen Spaziergang zwischendurch. Oder nach dem Abendessen. Dann wandert man entlang der Promenade Richtung Hafen. Und wenn man keine Lust mehr hat, kehrt man halt um, ohne den Hafen erreicht zu haben. Oder man kehrt in eine der Restaurationen ein, um ein Bier oder einen Wein oder einen Cappuccino zu trinken. Und übers Meer zu schauen.
Jedenfalls ist der Hafen ein gutes Ziel. Außerdem bietet so ein Hafen immer nette Motive für Fotos. Weiterhin hat selbst eine der größeren ostfriesischen Inseln wie Norderney nicht allzu viele Highlights, die sich als Ziel eines kleineren Spaziergangs anbieten. Und unter diesen sticht der Hafen eindeutig heraus.
Uns hat es in dieser Ecke der Insel gut gefallen. Der nahe des Fährterminals liegende Yachthafen und der nicht weit entfernte Südstrandpolder – eins der hiesigen Naturschutzgebiete, mit Vogelbeobachtungsstation – ließen unsere Kameras erglühen und unser Gemüt erstrahlen.

     

     

 

  

 

Tierische und pflanzliche Bewohner

Norderney ist mit gut 26 Quadratkilometern eine der größeren der ostfriesischen Inseln. Dementsprechend kreucht und fleucht es hier nicht zu knapp, insbesondere zur jetzigen Frühlingszeit. Der stets vorhandene Wind ist mal mehr, mal weniger stark, kommt aber vorherrschend aus einer bestimmten Richtung. Er zwingt die vorhandene Flora in ein Korsett, das dieser Richtung angepasst ist. Außerdem verhindert er eine allzu große "Bebauung" durch Bäume – sprich, der Wuchs ist kleiner. Die teils bizarren Wuchsformen dieser klein gebliebenen Laubbäume, meist Erlen oder Pappeln, aber auch Nadelhölzern wie Kiefern, bieten der Fotolinse allerhand interessante Motive.
Die weitaus schöneren Bildmotive bietet jedoch die hiesige Tierwelt. Wir wissen gar nicht genau, was uns am besten gefallen hat – war es der junge Seehund, der eine Rast am kilometerlangen Strand gemacht hat und sich ohne Scheu fotografieren ließ?
Oder jener Fasan, der im Rausch der Balz jegliche Scheu vor den Menschen verlor und sich ungeniert füttern ließ?
War es vielleicht die Familie Gans – die stolzen Eltern voran, drei bis etwa acht Junge hinterher, die kaum von Mamas Seite wichen? (Und wenn doch, dann hat Papa Gänserich für umgehende Familienrückführung gesorgt). Oder waren es vielleicht sogar die frechen Möwen, die uns mitten auf der Fußgängerzone das Eishörnchen aus der Hand geraubt haben?
Oder war es der stolze Papa Schwan, der mit Argusaugen darüber wachte, dass keiner seiner Frau zu nahe kam, die auf einem kleinen Inselchen mitten im Teich des Kurparks saß und für wohlige Gelege-Wärme sorgte?

     

     

 

  

 

Andere unwichtige Dinge

Wer gerne feiert, ist hier schon richtig. Immer zum Wochenende hin wird die Insel voll. Wochenendtouristen, Tagesausflügler und Kegelclubs strömen freitags mit der Fähre auf die Insel und verbreiten eine gewisse Hektik. Die Kneipen und Restaurants sind freitags und samstags voll; ohne Reservierung geht kaum etwas. Und wir waren noch nicht einmal zur Haupt-Reisezeit hier - obwohl für die Kassierer der Kurtaxe schon längst die Hauptsaison begonnen hatte: was die Kurabgabe betrifft, ist hier 11 Monate im Jahr Hauptsaison und damit Grund, den höchsten Beitrag einzufordern. Damit liegt Norderney mit an allerhöchster Spitze, was deutschlandweit die Höhe der Kurtaxe betrifft. Ehrlicherweise geben wir aber auch zu, dass das Geld gut angelegt wird. Alle Wanderwege und sonstigen touristischen Einrichtungen sind in erstklassigem Zustand. Und an den Dünen wird auch dauernd gearbeitet. Die Erhaltung dieser Schutzanlagen ist selbstverständlich erste Bürgerpflicht und lebenswichtig. Ganze Schulklassen sieht man hier bei der Pflege der Dünen. Wahrscheinlich wird einmal die Woche Heimatpflege eingeschoben. Und das würde ja auch Sinn ergeben. Ein anderer Teil der touristischen Zwangsabgaben fließt hier auch in die Seniorenbetreuung ein. An verschiedenen Stellen der Insel findet man die sogenannten "Rentnerbänke", die ausdrücklich für hiesige Senioren reserviert sind und zu gewissen Zeiten ausschließlich von ihnen benutzt werden dürfen (sollten). Jede Bank zu einer anderen Tageszeit…
Wir haben in acht Tagen die zweitgrößte der ostfriesischen Inseln nicht nur kreuz und quer erwandert, sondern haben uns am neunten Tage Fahrräder geliehen, um die ganzen Etappen per pedales nochmals abzugrasen. Bekanntlich herrscht auf einer Nordsee-Insel immer Gegenwind, deswegen spendierte uns das Urlaubs-Portemonnaie sogar E-Bikes. Ist hiermit auch der sportliche Aspekt reichlich zweifelhaft, so steigert ein E-Bike doch ungemein den Bewegungsradius. Was wir zu Fuß in acht Tagen gesehen hatte, passt mit E-Bike locker in einen einzigen. Somit ist Norderney keine terra incognita für uns mehr, und wir können uns unbesorgt an die Erforschung der nächsten deutschen Insel machen. Dies könnte Juist sein, oder Föhr. Lassen wir uns überraschen.

     

     

 

 

  

 

Wegstreckenstatistik

  Hinfahrt (20.04.2018) Rückfahrt (29.04.2018)
Strecke 317,4 km 314 km
Zeit 3 Stdn. 40 min 3 Stdn. 20 min
Anzahl Staus 0 0
Ø Benzinverbrauch 6,2 l / 100 km 6,6 l / 100 km
Ø Geschwindigkeit 88 km/h 95 km/h

 











Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am: 27.05.2018